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Salzburger Flussbauhof als Vorbild für neues Asylquartier

Laufens Grüne besichtigen Rot-Kreuz-Flussbauhof – „24 Stunden Betreuung garantiert Erfolg“

Gerhard Feichtner (re.), zuständig für die Grundversorgung von Asylbewerbern im Land Salzburg ist sich sicher, dass die Holzhäuser am Ende günstiger sind als Container.
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Gerhard Feichtner (re.), zuständig für die Grundversorgung von Asylbewerbern im Land Salzburg ist sich sicher, dass die Holzhäuser am Ende günstiger sind als Container.

Eine geplante, neue Asylunterkunft in Laufen für 60 Schutzsuchende hat nun die Grünen auf den Plan gerufen, sie wollen eine optimale Betreuung für Flüchtlinge von der Regierung von Oberbayern einfordern.

Salzburg/Laufen – Wie diese aussieht und organisiert werden kann haben sich Mitglieder der Laufener Grünen am Freitag im Asylquartier Flussbauhof in der Salzburger Alpenstraße angeschaut. Bereits Anfang 2016 hat das Rote Kreuz Salzburg im Auftrag des Landes ein neues Konzept zur Unterbringung von Flüchtlingen realisiert: In insgesamt zehn Holzhäusern - sechs im Süden der Stadt Salzburg, jeweils zwei in Seekirchen und Tamsweg - sollten Flüchtlinge ein vorübergehendes Zuhause finden und dabei 24 Stunden betreut werden.

Schon damals hätte das Rote Kreuz das Konzept auch dem Landkreis Berchtesgadener Land angeboten, dort hieß es damals sinngemäß, wenn der Landkreis selbst bauen sollte könne sich das Rote Kreuz mit seinem Konzept ja beteiligen, BRK-Chef Kurz war damals der Meinung, dass „Flüchtlinge in richtigen Häusern besser untergebracht seien“. 

Wer „richtige Häuser“, meist im Altbestand, mit den Holzhäusern in Salzburg vergleicht wird nicht mehr sicher sein, wo Schutzsuchende „besser aufgehoben sind“. Die Grünen in Laufen wollten die Häuser und das Konzept näher kennenlernen und sind einer Einladung von Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn gefolgt. Martin Huber vom Roten Kreuz und Stefan Niederreiter als Leiter des Quartiers Flussbauhof erklärten, dass die 60 Wohneinheiten in den sechs Häusern derzeit ausgelastet seien. Eine Wohneinheit besteht aus einem Wohnraum mit Küchenblock, einem Badezimmer mit Dusche und zwei Schlafzimmern mit jeweils zwei getrennten Betten.

Der Aufbau geschah innerhalb von wenigen Wochen, ein damals neu geschaffenes Gesetz zu Flüchtlingsunterbringung erlaubte es auch, von sonst hohen Baustandards teilweise abzurücken. Während in den ersten Jahren viele Afghanen wegen der langen Verfahrensdauer oft Jahre im Flussbauhof wohnten sind es derzeit hauptsächlich Syrer, „die sind aber meist kürzer hier weil ihre Verfahren im Vergleich zu den Afghanen schneller positiv erledigt werden“, so Niederreiter. 

Selbst kochen ist wichtig für Tagesablauf

„Wichtig war uns von Anfang an dass es Selbstversorger-Quartiere sind, die Bewohner also selbst einkaufen und kochen können“, so Huber. Das schaffe nicht nur einen geregelten Tagesablauf sondern mache die Asylbewerber auch mit dem Alltag in Österreich vertraut. Jeder Asylbewerber erhält 6,50 Euro pro Tag, einmal in der Woche wird ausbezahlt, dann sieht man auch größere Gruppen mit ihren Einkaufstaschen zum nahen Diskounter marschieren. „Anfangs haben die Afghanen auch noch gerne selbst Brot gebacken bis sie gemerkt haben dass es billiger und einfacher ist Semmeln beim Hofer zu holen“, erinnert sich Niederreiter schmunzelnd. Zusätzlich zahlt die Caritas im Auftrag des Bundes einmal im Monat ein Taschengeld aus, zweimal im Jahr gibt es zusätzlich ein Bekleidungsgeld

Das Rote Kreuz bekommt vom Land – dieses wiederum vom Bund – pro Asylbewerber 21 Euro pro Tag, abzüglich der 6,50 Euro für die Bewohner bleiben also 14,50 Euro, damit wird nicht nur die Rückzahlung der Kredite für die Holzhäuser übernommen sondern auch die 24-Stunden-Betreuung durch jeweils zwei Mitarbeiter bezahlt. Die Kosten der Häuser in Leichtbauweise nach den Plänen einer Pinzgauer Architektin belaufen sich auf rund 450.000 Euro pro Haus, das Land hat eine Ausfallhaftung übernommen falls die Häuser nicht mindestens 15 Jahre lang gebraucht werden sollten. Damals wie heute sind sich die Verantwortlichen sicher, „dass Container auf Dauer nicht günstiger kommen wie unsere Holzhäuser“, so Gerhard Feichtner, zuständig beim Land für die so genannte Grundversorgung, also die Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern. 

Mehr als nur Unterbringung

Im Gegensatz zu den meisten Asylunterkünften begnügt man sich im Flussbauhof und den anderen Standorten des Roten Kreuzes aber nicht mit der bloßen Unterbringung, „wir haben zwar hier in der Stadt nicht so viele Freiwillige wie am Land aber viele Vereine, die regelmäßig kommen wie zum Beispiel die Kinderfreunde“, so Niederreiter, in den Ferien gibt es eigene Programme für die Kinder. In den Gemeinschaftsräumen werde nicht nur gespielt sondern auch Nikolaus und Weihnachten gefeiert, „oder die Polizei kommt vorbei und erklärt die wichtigsten Verkehrsregeln in Österreich“. Von den rund 240 Bewohnern derzeit seien rund 50 Kinder und Jugendliche, „die gehen in die nächstgelegene Volksschule, ältere Jugendliche machen meist den Pflichtschulabschluss nach“. Die Nähe zur Stadt – der städtische Obus hält fast vor der Tür – bietet den Flüchtlingen ohnehin ungeahnte Möglichkeiten der Weiterbildung und der Freizeitgestaltung, „und weil sie bei uns so viele Fahrräder sehen: viele fahren auch der Salzach entlang in die Stadt“, so Niederreiter. 

Die Häuser stehen auf einem Grundstück des Landes, ähnlich wie die geplanten Häuser in Laufen auf einem Grundstück des Freistaates entstehen sollen. „Was hier von Anfang an gut war ist, dass wir zwar am Stadtrand sind aber doch keine unmittelbaren Anwohner haben, also nicht in einem Wohngebiet sind“. Die Bauten und deren Finanzierung seien auf Dauer aber günstiger als der Umbau von Lagerhallen oder alten Häusern „und vor allem auch nachhaltiger“, versichert Feichtner, „unser Finanzlandesreferent hat seine Freude damit“. 

„24-Stunden-Betreuung unbedingt nötig“, Franz Eder

Nach dem Rundgang durch die Anlage und der Besichtigung der derzeit einzigen, freien Wohnung war sich Franz Eder von den Grünen sicher, dass „die Standortwahl hier in Salzburg schon optimal ist“, in Laufen gebe es auch die Möglichkeit den derzeit geplanten Standort in der Seethalerstraße mit einem Areal am Bahnhof zu tauschen, aber die Regierung von Oberbayern wolle auf dem eigenen, vorhandenen Grundstück bauen.

„Wichtig für eine erfolgreiche Unterbringung scheint mir die 24-Stunden-Betreuung zu sein wie sie hier am Flussbauhof praktiziert wird“, so Eder weiter. Auch dass nicht mehr als vier Personen in einer Wohnung untergebracht sind sei wichtig, auch das würde er an die Stadt weitergeben, die ja ihrerseits noch Wünsche bei der Regierung von Oberbayern deponieren will. In Laufen könne die Stadt das Heft des Handelns wieder in die Hand bekommen, meint Eder, „sie müsste nur den bestehenden Bebauungsplan für die Seethalerstraße für ungültig erklären“.

hud

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