Corona entzweit mit „geschlossener“ Grenze Laufen und Oberndorf

Bis zu 70 Prozent weniger Umsatz - Instrumentenbauer und Brautmoden über die schwierige Lage

Blasinstrumentenbauer Klaus Pöhlmann hat vor allem ein Problem, die Orchester spielen nicht und darum bestellen sie auch nichts.
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Blasinstrumentenbauer Klaus Pöhlmann hat vor allem ein Problem, die Orchester spielen nicht und darum bestellen sie auch nichts.

Insgesamt acht Monate sind die beiden Grenzstädte Laufen und Oberndorf durch die Corona-Krise bereits voneinander getrennt.

Laufen/Oberndorf - Wirtschaftstreibende leiden vor allem unter dem Wegfall der Kunden aus der Nachbarstadt, „je nach Branche und Betrieb brechen bis zu 70 Prozent des Umsatzes weg“, so Laufener Kaufleute. Bessern könnte sich die Situation am 19. Mai, wenn durch Lockerungsschritte in Österreich auch die Einreise einfacher machen werden. 

Elisabeth Jahn und Rosmarie Lederer haben erst Ende August 2020 ihr Brautkleid-Outlet am Marienplatz in Laufen eröffnet, ein paar Monate nach dem Beginn der Covid19-Pandemie gewagt,  aber letztendlich eine direkte Reaktion auf die Krise. „Menschen heiraten dann, wenn es die Corona-Situation und die Verordnungen erlauben”, erzählt Lederer. „Dadurch waren wir gefordert, denn die Lieferzeiten von Brautkleidern betragen oft bis zu sechs Monaten. Im ‘Brautlet’ sei man bei spontanen Hochzeiten genau richtig, „weil wir eine riesige Auswahl von Kleidern vorrätig haben.”

Auch in Pandemiezeiten wird geheiratet, wenn es Verordnungen erlauben, dann muss oft schnell ein Brautkleid her, eine große Auswahl beim „Fräulein Braut“ hilft dabei.

Die beiden Frauen betreiben bereits seit 2018 das Brautmoden-Fachgeschäft „Fräulein Braut” in Freilassing. Daher wissen sie auch sehr genau, dass 70 Prozent ihrer Kunden aus Österreich stammen. „Neben den Umsatzeinbrüchen in der gesamten Hochzeitsbranche haben uns natürlich die Grenzschließungen extrem getroffen”, so Jahn.

Grenzschließung ist für viele Unternehmen eine Katastrophe

Gertraud Schnaitl ist Floristin und Obfrau der Wirtschaftsplattform Laufen-Oberndorf (L&O) - der ersten grenzüberschreitenden Wirtschaftsplattform im deutschsprachigen Raum. Schnaitl kennt die Sorgen der Unternehmer in Salzburg und Bayern aus Gesprächen mit zahlreichen Vertretern der 130 Mitgliedsbetriebe, „Laufen und Oberndorf sind seit dem Wegfall der Grenzkontrollen im Jahr 1998 stark zusammengewachsen und bilden heute einen gemeinsamen Wirtschaftsraum. Die anhaltende Grenzschließung ist für viele Unternehmen eine Katastrophe, weil einfach die Kunden aus der Nachbarstadt fehlen.”

Ähnlich sieht das Klaus Pöhlmann, Obmann von L&O in Laufen und ein renommierter Bauer von Holz- und Blechblasinstrumente, viele seiner Kunden stammen aus Österreich. „Die können leider seit Monaten nicht mehr zu uns kommen“, beklagt Pöhlmann. 

„Laufen und Oberndorf sind eine Stadt”

Gegenüber von Pöhlmann in der Laufener Schlossstraße befindet sich das Fotostudio Schröck. Auch dem Inhaber Oliver Freudenthaler fehlt die Kundschaft aus Österreich,  „Laufen und Oberndorf sind für mich eine Stadt - nun ist die Grenze aber in Summe schon acht Monate lang zu. Das trifft uns schwer, da die Hälfte unserer Kunden aus Österreich kommt.”

Trotz der schwierigen Zeiten gibt es auch Lichtblicke. Heidemarie Mühlfellner, Inhaberin des Hotels Alt Oberndorf und des angeschlossenen Restaurants Bauernbräu, lobt den großen Zusammenhalt „Wir haben früh auf Take Away umgestellt. Es freut mich wirklich, dass die Solidarität im Ort so hoch ist und das Angebot so gut angenommen wird. Ich habe den Eindruck, dass die Bevölkerung hinter uns steht.”

Die Nachbarstädte an der Salzach

Oberndorf am rechten Salzachufer zählt 6.000 Einwohner, die bayerische Nachbarstadt Laufen 7.000 Einwohner. Historisch war Oberndorf einst Vorort von Laufen, 1816 erfolgte durch den Vertrag von München die Trennung. Nach dem EU-Beitritt Österreichs und dem Wegfall der Grenzkontrollen per 1. April 1998 bestand die Grenze nur mehr auf dem Papier.

Mit dem Auftreten der Corona-Pandemie ist die Grenze zunächst zwischen 16. März und 15. Juni 2020 geschlossen worden. Im Sommer und Herbst 2020 konnte der kleine Grenzverkehr ungehindert stattfinden. Seit 9. Dezember 2000 gibt es wieder Einreisekontrollen der Polizei im Auftrag der Gesundheitsbehörden, zusätzlich zu einem negativen Coronatest braucht es noch einen triftigen Grund. Ab den geplanten Lockerungen am 19. Mai sollen aber auch die Einreisebestimmungen gelockert werden, die triftigen Gründe fallen dann weg, geimpfte Personen werden getesteten Personen gleichgestellt.

hud

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