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Pilotprojekt bei Laufen gestartet

Mehr Fruchtbarkeit bei weniger Kohlenstoffdioxid: „Mehr Humus bedeutet mehr Klimaschutz“

Die Projektakteure bei der „symbolischen“ Spatenprobe zum Projektbeginn.
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Die Projektakteure bei der „symbolischen“ Spatenprobe zum Projektbeginn. (v.l.n.r.). Sylvia Schindecker (Milchwerke BGL), Bernhard Rehrl (Landwirt), Philip Lindner (Landwirt), Stefan Huber (Landwirt), Christian Wieninger (Privatbrauerei Wieninger), Landrat Bernhard Kern, Hannes Lichtmannegger ( Berghotel Rehlegg), Helmut Grundner (Sparkasse Berchtesgadener Land), Dr. Johann Lecker (Landwirt), Dietmar Näser, Christoph Fischer (beide positerra).

Die Idee klingt faszinierend: zum Schutz des Klimas soll der Anteil von Humus in den Böden durch eine entsprechende Bewirtschaftung erhöht werden. Denn Humus bindet das klimaschädigende CO2 und steigert gleichzeitig die Fruchtbarkeit der Böden.

Niederheining (Laufen) - Dazu wurde in Niederheining bei Laufen der offizielle Start für ein Pilotprojekt gegeben, an dem sich fünf Landwirte und fünf Unternehmen aus dem Landkreis beteiligen. Sie werden von Fachexperten auf dem Gebiet der regenerativen Landwirtschaft aus der Region unterstützt und beraten. Die Schirmherrschaft über das deutschlandweit erstmalige Projekt zur humusaufbauenden Bewirtschaftung von landwirtschaftlich genutzten Böden hat Landrat Bernhard Kern übernommen. 

„Klimaschutz ist wichtig für unseren Landkreis und darüberhinaus. Daher habe ich gerne die Schirmherrschaft für dieses zukunftsweisende Projekt übernommen. Wir brauchen innovative Ideen, Weitsicht und positive Signale, um den Klimaschutz voranzutreiben“. Deshalb hoffe er, dass auch weitere Landwirte und Unternehmen aus dem Berchtesgadener Land nach gelungener Pilotphase mitmachen werden, so Landrat Kern. 

Auftakt im Berchtesgadener Land: Mit regionalem Humusaufbau für den Klimaschutz

Die Hauptakteure in dem Projekt sind die Landwirte Stefan Huber und Bernhard Rehrl aus Saaldorf-Surheim, Philipp Lindner aus Teisendorf, Dr. Johann Lecker aus Laufen, auf dessen Hof die Auftaktveranstaltung stattfand und Josef Maltan aus Ramsau, die jeweils fünf Hektar ihrer Fläche auf regenerative Landwirtschaft umstellen wollen. Sie werden von den Unternehmen Berghotel Rehlegg, Milchwerke Berchtesgadener Land, Privatbrauerei Wieninger. Sparkasse Berchtesgadener Land und Stahlwerk Annahütte finanziell unterstützt, die jeweils die Patenschaft für einen Landwirt übernommen haben.

Die Koordination und fachliche Beratung in dem Projekt erfolgt durch die gemeinwohlorientierte Plattform „positerra“ mit Sitz in Rosenheim, die 2019 von Vertretern der Bio- und Ökoszene, namhaften Bodenexperten und Landwirten ins Leben gerufen wurde. Mitbegründer Christoph Fischer und Bodenexperte Dietmar Näser gaben bei der Veranstaltung kurze Einsichten in das, was regenerative Landwirtschaft bedeutet und wie sie funktioniert. 

Zuerst aber wurden die Anwesenden von Helmut Grundner, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Berchtesgadener Land, die das Projekt initiiert hat, begrüßt. Er freue sich, dass es gelungen sei, ein so zukunftsweisendes Projekt in die Region zu holen, so Grundner. „Wege zu finden, um Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen, das Klima zu schützen und das negative Image der Landwirtschaft zu verbessern, ist eine große Aufgabe, zu der wir als Sparkasse unseren Beitrag leisten wollen“. Bei positiven Ergebnissen sehe er die Chance zu einem regionalen Handel mit CO2-Zertifikaten zu kommen. CO2 Emissionen könnten regional mit Humusprämien ausgeglichen und gleichzeitig humusaufbauende Landwirtschaft gefördert werden. „Die Wertschöpfungskette bleibt dann in der Region, dies ist ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit“, schloß der Sparkassenchef. 

„Mehr Humus bedeute daher mehr Klimaschutz“

„Wir haben in den letzten fünfzig Jahren die Hälfte unserer in Jahrmillionen gebildeten Humusauflage und damit einen wichtigen Teil unserer Lebensgrundlage verloren“. Mit dieser beunruhigenden Nachricht begann Christoph Fischer von positerra seine Ausführungen. Humus sei schon immer wertvoll gewesen, weil er Böden fruchtbarer macht. Er entstehe durch komplexe Prozesse im Boden, wo Milliarden von Bodenlebewesen, Mikroorganismen, Pilze, Regenwürmer, organische Pflanzenreste gemeinsam mit den Mineralien des Bodens in Humus umwandeln. Humus bindet große Mengen an CO2, mehr Humus bedeute daher mehr Klimaschutz. Humus fördere das Pflanzenwachstum und verbessere die Fähigkeit des Bodens zur Wasserspeicherung. Fischer fokussierte sich in seinem kurzen Vortrag auf die regenerative Gründlandwirtschaft. Hier sei die richtige Düngung Dreh- und Angelpunkt. Die Gülle wird bereits in den Ställen mit Effektiven Mikroorganismen (EM) behandelt, um Ammoniakausgasungen zu verhindern. Durch die Zugabe von Pflanzenkohle wird das Auswaschen der Nährstoffe nach Ausbringung verhindert. Diese bleiben für die Pflanzen länger verfügbar, so dass sich handelsübliche Düngung erübrigt. Die abschließende Gabe von Gesteinsmehl über die Gülle schaffe für die Mikroorganismen die Bedingungen zur Minearlisierung der Böden. Dietmar Näser, Bodenexperte von positerra sprach von einem Paradigmenwechsel bei der Entscheidung für die regenerative Landwirtschaft. „Qualitätsprodukte in der Landwirtschaft enstehen nicht durch Züchtung oder immer komplexere und größere Maschinen, sondern durch Lebensprozesse, das heißt durch den Stoffwechsel in der Kultur und im Boden“, so Näser.

Regelmäßige Analyse des Bodens ist wichtiger Aspekt des Projektes

Mit solchen Prozessen setze sich die regenerative Landwirtschaft auseinander. Das Bodenleben müsse „regeneriert“, das heißt wiederhergestellt werden, daher auch der Name. „Kaufen sie sich einen Spaten und eine Bodensonde“ forderte der Bodenexperte die Zuhörer auf. Denn die Analyse des Bodens in regelmäßigen Abständen ist ein wichtiger Aspekt des Projektes. Die ersten Bodenproben in den fünf am Projekt beteiligten Betrieben sind bereits im Frühjahr genommen worden, weitere werden folgen. Denn durch die Beprobung des Bodens durch unabhängige Probennehmer und Labore wird der Fortschritt im Humusaufbau dokumentiert. „So können wir beweisen, dass wir das klimaschädliche CO2 hier bei uns binden und nicht irgendwo am anderen Ende der Welt“, ergänzte Christoph Fischer. Die sei regionaler Klimaschutz per excellence.

Das Pilotprojekt läuft vorläufig über drei Jahre. Prognosen gehen von rund 45 Tonnen gebundenem Kohlendioxid pro Hektar aus. Positerra wird die Landwirte über zehn Jahre begleiten, damit sie nachweislich Humus zur Speicherung von CO2 aufbauen. Denn es ist im Sinne des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit das erklärte Ziel aller Projektparteien, die CO2 -Bindung in der Region über das Pilotprojekt hinaus zu erhalten und nach Möglichkeit auszubauen.

kon

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