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Mann (37) wegen Kinderpornos auf dem Handy vor dem Laufener Schöffengericht

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Von: Hannes Höfer

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Amtsgericht Laufen (Symbolbild)
Amtsgericht Laufen (Symbolbild) © hhö

Er hasse solche Taten, versicherte der 37-jährige Afghane vor dem Laufener Schöffengericht. Und doch fanden sich auf seinem Mobiltelefon Bilder und Videos mit kinderpornografischen Inhalten. Weil seine Einlassung, er habe diese Bilder „wegen Späßen“ bekommen und – falls gesehen – stets gleich gelöscht, nicht zu widerlegen war, muss nun ein Gutachten die Hintergründe klären.

Laufen - Im August 2020 hatte der Afghane ein Bild hochgeladen. Darauf zu sehen, wie ein erwachsener Mann einen etwa achtjährigen Buben missbraucht. Der Angeklagte will das Video via TikTok erhalten haben. Vorsitzender Richter Martin Forster beschrieb das Äußere des Täters „wie man sie von Taliban aus Fernsehberichten kennt.“ Der Angeklagte bestätigte diese Zuschreibung: „Es handelt sich um einen pakistanischen Taliban.“ 

Diesen ersten Teil der Anklage bestritt der 37-Jährige nicht. Es gehe ihm dabei jedoch nicht um Sex, sondern um Politik, denn er selbst sei schon von Taliban bedroht worden. Wie so oft bei solchen Delikten, hatten auch hier amerikanische Ermittler den Fall an das Bundeskriminalamt gemeldet. Von dort war der Vorgang an das Landeskriminalamt gegangen und dann weiter an die Ermittlungsbehörden. Fast zwei Jahre später, im Juni 2022, war schließlich die Laufener Wohnung des Afghanen durchsucht und sein Mobiltelefon beschlagnahmt worden. 

Angeklagter betont, er wisse nicht, woher die Dateien stammten

Darauf eine „Riesenmenge“ an Daten, wie Forster informierte. Unter den rund 78.000 Bildern und fast 4000 Videos auch die fünf angeklagten Dateien mit kinderpornografischem Inhalt. Er wisse nicht, woher die stammten, erklärte der Afghane, „das muss untersucht werden.“ Einschlägige Bilder eines irakischen Freundes habe er gelöscht und den Mann blockiert. Die anderen in der Anklage beschriebenen Dateien mit jungen Buben und Mädchen will er gar nicht gesehen haben.

Forster räumte ein, dass es sich hier „nicht um die üblichen“ Videos handle, von denen zwei per WhatsApp gekommen waren und mit entsprechender Voreinstellung automatisch abgespeichert werden. Geprüft wurden die Inhalte lediglich von einem Sachbearbeiter, da die Staatsanwaltschaft aus Kostengründen auf ein Fachgutachten verzichtet hatte. „Ob angesehen, ob gelöscht, wir haben gar nichts“, räumte Staatsanwalt Fabian Meixner ein. Er war sich mit den drei Richtern einig, dass man ohne Auswertung nicht weiterkomme. 

Ohne Gutachten geht nichts weiter

„Mit dem heutigen Stand können wir ihn nicht verurteilen und nicht freisprechen“, räumte Vorsitzender Forster ein, während Verteidiger Rechtsanwalt Sven Ryfisch auf das „dahinterstehende Ausländerrecht“ verwies. Der Angeklagte lebt seit acht Jahren in Deutschland und ist als Produktionsmitarbeiter angestellt. Ein Verfahren gegen ihn wegen Erschleichung von Leistungen war eingestellt worden. Das aktuelle Verfahren wird sich voraussichtlich weiter in die Länge ziehen, denn laut Forster haben die Spezialisten einen erheblichen „Rückstau“. 

hhö

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