Einweihung der Polizeiinspektion Laufen

Stadtpfarrer: „Ich würde die Falschen verhaften“

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Laufens Stadtpfarrer Simon Eibl las den Teilnehmer der Einweihung der neuen Polizeiinspektion die Leviten. Er würde jede verhaften, die Grenzwerte verändern statt deren Einhaltung anzumahnen.

Laufen an der Salzach - „Bei mir bekämen auch Wirtschaftsflüchtlinge Asyl, solange die Politiker es nicht schaffen, Fluchtursache zu beseitigen“, sagte Stadtpfarrer Simon Eibl in einer bemerkenswerten Predigt im Rahmen der Einweihung der neuen Polizeiinspektion.

Bemerkenswert deshalb, weil vor ihm unter anderem CSU-Innenminister Joachim Herrmann saß, der wenige Minuten zuvor noch ausführlich erklärt hatte, warum er genau das nicht will und daher die Grenzkontrollen für alternativlos hält. Eibl würde hingegen jene, die zum Beispiel das Auslaufen von Rettungsbooten verhindern verhaften und zwei Wochen auf einem überfülltes Flüchtlingsboot treiben lassen.

Eibl erinnerte an das Grundgesetz und den Grundsatz, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, „egal, um wen es geht und wie er spricht oder aussieht“. Eigentlich sollte die Bewahrung der Schöpfung in das Grundgesetz, sie sei die Grundlage allen Lebens. Er wäre kein guter Polizist, führte der Stadtpfarrer weiter aus, „weil bei mir auch die Wirtschaftsflüchtlinge ein Recht auf Asyl hätten“, solange es die Politik nicht schaffe die Ursachen der Flucht zu beseitigen. Er würde die Falschen verhaften, also zum Beispiel jene, die zu wenig gegen den Klimawandel unternehmen würden und damit Millionen von Klimaflüchtlingen auf dem Gewissen hätten

„Oder auch jene, die es hinnehmen, dass Boote im Mittelmeer nicht mehr auslaufen dürfen um ertrinkende Flüchtlinge zu retten“, das sei eine unterlassene Hilfeleistung. Er würde diese Leute aber nicht einsperren, sondern an die Seite der Opfer stellen, „also zwei Wochen Sonderurlaub in Flüchtlingslagern, zwei Wochen treiben auf dem Mittelmeer in einem absolut überfüllten Boot, oder zwei Wochen in einem Land leben, in dem der Klimawandel heute schon tausende Opfer fordert“.

Zwei Wochen an der Seite von Betroffenen „und dann zurück in die Entscheidungsgremien und die bestehenden Gesetze neu formulieren“. In diesem Zusammenhang fordere er fairen Handel statt Freihandel, den Klimawandel bekämpfen statt weiter Wirtschaftsförderung zu betreiben „und die Fluchtursachen bekämpfen statt Flüchtlinge zu bekämpfen“.

Eibl schloss zumindest mit den anwesenden Polizeibeamten versöhnlich, „ich weiß, dass ich kein guter Polizist wäre, gut dass wir in Laufen eine Polizei haben, die dem geltendem Recht und Gesetz dienen“. Wichtig sei es allerdings immer wieder zu hinterfragen, wofür Ämter wie die neue Polizeiinspektion da seien, denn jedes Amt diene den Menschen und der Schöpfung, und jeder, der ein Amt ausübe diene nicht nur dem eigenen Volk oder der eigenen Religion, er habe auch Verantwortung über die Grenzen hinaus. „Alles andere ist Nationalismus oder religiöser Fundamentalismus“. Die Polizei diene der Sicherheit aller, die hier lebten, also auch der Asylsuchenden.

Michael Hudelist

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