„Wir sehen protestierende Bauern in Berlin"

Discounter will größer werden: Grundsatzdiskussion im Laufener Stadtrat

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Die Norma in Laufen mutet derzeit eher wie eine Lagerhalle an, nach der Vergrößerung soll sie sich auch stylischer und moderner darstellen.

Laufen - Der Discounter Norma in der Kiem-Pauli-Straße interessierte am Dienstagabend um 19.30 Uhr nicht nur die letzten Kunden des Tages auf der Suche nach Angeboten, sondern auch die Stadträte.

Der Laufener Stadtrat stimmte nach einer Grundsatzdiskussion über „zu billige Lebensmittel“ und die Rolle der Discounter über einen Antrag der Grundstückseigentümerin ab. Demnach wollen die Verantwortlichen von Norma von derzeit 750 m² Verkaufsfläche auf 1075 m² vergrößern. Mit einer Gegenstimme beschlossen die Räte, den Bebauungsplan und den Flächennutzungsplan für das Grundstück entsprechend zu ändern.


Wie sich die Norma derzeit präsentiere wisse jeder, führte Bürgermeister Hans Feil in die Diskussion ein, „sie möchten am liebsten einen neuen, modernen Markt bauen“. Die Stadt lehnte einen anderen Standort bisher allerdings ab, „sie sollen dort bleiben wo sie sind, immerhin ist der Discounter dort auch ein Nahversorger“. 

Maßvolle Erweiterung?

Frühere Drohgebärden des Unternehmens, man könne ja abwandern, beeindruckten Feil bisher wenig, „das wäre zwar sehr bedauerlich gewesen, aber wir hätten es eben dann auch nicht ändern können“. Die konsequente Haltung zahlt sich jetzt offensichtlich aus, denn nun will Norma offensichtlich in der Kiem-Pauli-Straße erweitern. „Als ich den Antrag der Eigentümerin gelesen habe war ich positiv überrascht, damit habe ich nicht gerechnet“, so Feil im Stadtrat. Es sei eine maßvolle Erweiterung geplant.


Das Problem: Der Markt liegt in einem Mischgebiet, also Gewerbe- und Wohnbau, die neuralgische Grenze für die Genehmigung eines Discounters in einem Mischgebiet liegt bei einer Verlaufsfläche von 800 m², Norma will aber auf knapp 1100 m² vergrößern. „Das ist im jetzt gültigen Bebauungsplan für dieses Gebiet aber nicht möglich, bei über 800 m² spricht man von einem Sondergebiet für den großflächigen Einzelhandel“, erklärte der Bauamtsleiter der Stadt Laufen. 

Um den Bebauungsplan für das Gebiet ändern zu können muss nun auch der Flächennutzungsplan der Stadt entsprechend angepasst werden. Dies sei nach Ansicht des zuständigen Landratsamtes grundsätzlich möglich, entsprechende Pläne und Unterlagen „kosten allerdings eine fünfstellige Summe“, daher der gewünschte Grundsatzbeschluss des Stadtrates.

Größerer Diskonter „falsches Zeichen“

Gegen den größeren Discounter stimmte alleine Georg Linner von den Grünen, und zwar aus grundsätzlichen Überlegungen. „Wir sehen protestierende Bauern in Berlin, die Kanzlerin lädt Einzelhandelsriesen zum Gipfel und wir alle wissen, dass speziell die Discounter die Erzeugerpreise drücken“, so Linner. 

Die Stadt wünsche sich bei jeder Gelegenheit mehr regionale Produkte und hier würde man einem Discounter noch mehr Fläche einräumen um Lebensmittel zu Dumpingpreisen zu verkaufen. Rosemarie Hainz (CSU) entgegnete, sie habe bei der Norma auch schon BGL-Milch- Produkte entdeckt, außerdem gebe es durchaus auch Bio- Lebensmittel in den Regalen, Werner Eckl (Die Linken) fand den Grünen-Einwand zwar grundsätzlich berechtigt, „aber wenn die Norma dort schließen würde, dann gibt es in der Ecke nichts mehr“. 

Wilhelm Winkler von der ÖDP stellte schließlich fest, dass eigentliche die Konsumenten mit ihrem Einkaufsverhalten gefordert seien, seiner Beobachtung nach gebe es in österreichischen Discountern mehr Bio- Lebensmittel.

Michael Hudelist

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