Laufens neuer Tourismusweg erhitzt die Gemüter

„1972er-Syndrom“? Schlagabtausch zwischen Bernhard Zimmer und Hans Feil

Bürgermeister Hans Feil und Grünen-Kreissprecher Bernhard Zimmer
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Nicht wirklich grün sind sich Laufens Bürgermeister Hans Feil (li.) und Grünen-Kreissprecher Bernhard Zimmer

Laufen/Berchtesgaden - „Laufen leidet offensichtlich noch immer am 1972er-Syndrom“, so kommentiert Grünen-Kreisrat Bernhard Zimmer den Beschluss des Stadtrates, nach dem Ende der Landkreis-BGLT den Tourismus wieder selbst in die Hand zu nehmen und langfristig eine Zusammenarbeit mit dem Chiemgau-Tourismus anzustreben.

Zimmer meint damit die Gebietsreform 1972, die die Auflösung und Zerschlagung des damaligen Landkreises Laufen zur Folge hatte. Laufens Bürgermeister Hans Feil schießt verbal zurück, Zimmer wolle „als selbsternannter Tourismusexperte und eigentlich Experte für so ziemlich alles“ mit seiner Attacke auf Laufen „nur von den eigentlichen Spaltern des Landkreises ablenken“, denn sein Parteikollege Bartl Wimmer aus Berchtesgaden sei an der Abspaltung der TRBK, also Berchtesgadens, „maßgeblich beteiligt gewesen“.


Wie berichtet, beschloss der Stadtrat in Laufen vergangene Woche bei zwei grünen Gegenstimmen, dass die Stadt Laufen sich nach dem Ende der landkreisweiten BGL-Tourismus-Gesellschaft wieder selbst um den Tourismus kümmern will und auf Dauer eine Zusammenarbeit oder gar Fusion des gesamten Landkreises mit dem Chiemgau-Tourismus anvisiert. Die dabei geäußerte Kritik am Vorgehen der Tourismus-Region-Berchtesgaden-Königssee, TRBK, brachte den Grünen-Kreisrat Bernhard Zimmer auf die Palme. „Ich höre immer wieder, Berchtesgaden sei so eingenäht, aber beim Tourismus ist es nicht Berchtesgaden, sondern Laufen“, behauptet Zimmer.

Dass Laufen jetzt eine Zusammenarbeit mit dem Chiemgau will wundere ihn nicht, „denn beim Bürgermeister der Stadt Laufen löst ‚Berchtesgaden‘ seit jeher einen hohen Puls und Blutdruck aus, offensichtlich immer noch das 1972er-Syndrom“. In Laufen fühle man sich traditionell benachteiligt, spreche gerne von gemeinsam und miteinander, um dann bei jeder Gelegenheit auszuscheren, „soll heißen, die Salzachstadt hat die Auflösung des Landkreises Laufen im Rahmen der Gebietsreform 1972 nie überwunden“.


„LF“-Kennzeichen als Separatismus?

Als „Beweis“ für seine Behauptung erinnert Zimmer an die Wiedereinführung der alten Autokennzeichen BGD, REI und LF, „schon während des Markenkernprozesses, also während des Ringens um eine gemeinsame Markenstrategie im Landkreis, war es der Laufener Bürgermeister, der sich besonders stark für die Einführung der alten Kfz-Kennzeichen einsetzte“. Schon am ersten möglichen Tag seien an allen städtischen Fahrzeugen „die verhassten BGL-Kennzeichen“ durch das Alt-Kennzeichen „LF“ ersetzt worden.

Während man über die Zukunft des touristischen Markenkerns nachdachte hätte Laufen öffentlich ein Zeichen in die Vergangenheit gesetzt, „Separatismus statt Kooperation“, so Zimmer. Laufens Bürgermeister entgegnet, dass die Wiedereinführung der Alt-Kennzeichen „BGD“, „REI“ und „LF“ eine Mehrheitsentscheidung des Kreistags gewesen sei und viele Mitbürger sich darüber bis heute freuen.

Bartl Wimmer als Treiber der Abspaltung?

Zum Vorwurf, auch Laufen habe die vorgeschlagene Ein-Marken-Strategie mit dem eigenen Verein „Erlebnisregion Berchtesgadener Land“ verwässert holt Feil aus, er habe sich sowohl für den Erhalt der Marke ‚Rupertiwinkel‘, als auch für eine große, gemeinsame Organisation zur Vermarktung der gesamten Wirtschaft des Berchtesgadener Lands inklusive des Tourismus eingesetzt. „Bekanntlich kam beides nicht zustande, der ‚Rupertiwinkel‘ wurde zur ‚Submarke‘ von ‚Berchtesgaden‘ neben der Marke ‚Bad Reichenhall‘ – so viel also zur ‚Ein-Marken-Strategie‘“.

Statt einer gemeinsamen Vermarktung aller Wirtschaftszweige des Landkreises sei er zur Gründung der „BGLT“ zur touristischen Vermarktung gekommen, sowie der jetzigen „BGLW“, die den Landkreis in allen anderen Wirtschaftszweigen vermarktet. „Ein starker Vertreter einer solchen großen Vermarktungsfirma war übrigens genau der Bartl Wimmer (Grüner Kreisrat, Vorsitzender der TRBK. Anm.), der jetzt an der Abspaltung der TRBK von der BGLT maßgeblich beteiligt war“.

Den Vorwurf, in Laufen würden touristische Separatisten sitzen, weist Feil scharf zurück. „Es ist keine Vermutung, es ist eine Tatsache, dass die TRBK der BGLT das Vermarktungsrecht der Marke ‚Berchtesgaden‘ einstimmig und ohne vorher ein einziges Wort mit einem der Mitgesellschafter gesprochen zu haben entzogen hat. Auch jetzt beharrt man stur auf dem Kirchturm ‚Berchtesgaden‘, anstatt die gemeinsame Vermarktung einer ganzen Region ‚Zwischen Chiemsee und Königssee‘ anzustreben“, so Feil und fragt abschließend „wo sitzen also die Separatisten im Landkreis?“

Rupertiwinkel-Verein inaktiv?

Wimmers Parteikollege Zimmer aus Piding präsentiert indes ein weiteres Beispiel, dass Laufen seiner Meinung nach die gemeinsame Landkreis-Vermarktung nie wollte. „Mit der ‚Erlebnisregion Berchtesgadener Land‘ entstand ein fragwürdig inaktiver Verein, man wollte mitreden, mitgestalten, man wollte endlich nicht mehr benachteiligt sein“. Vorstände im Verein seien die Bürgermeister von Teisendorf und der Stadt Laufen. „Aber, was hat der Verein die letzten beiden Jahre geleistet? Gute Frage, ich weiß es nicht, denn in den Protokollen der wenigen Versammlungen findet sich nichts und veröffentlicht wurde gar nichts“, sagt Zimmer.

Feil erklärt, dass alle Mitglieds-Städte und Mitglieds-Gemeinden des nördlichen Landkreises nur über diesen Verein an der BGLT Gesellschaft beteiligt sind. „Der Vorteil dabei war, dass diese Kommunen nur aus dem Verein austreten hätten müssen, um nicht mehr an der BGLT-GmbH beteiligt zu sein. Das war einer der Hauptgründe, warum der Verein am Leben gehalten wurde.

Diese leichte Ausstiegsmöglichkeit  war damals in einigen Kommunen mit ein Argument, sich der BGLT anzuschließen und ihr eine Chance zu geben“ sagt der Laufener Bürgermeister. Er hätte damals seinen Stadtrat erst überzeugen müssen um dafür eine Mehrheit zu bekommen. „Viele im Laufener Stadtrat hätten es schon damals lieber gesehen, wenn sich die Stadt Laufen in Richtung Waginger See orientiert hätte“.

hud

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