Altlast Lagerhausstraße in Laufen wird versiegelt

Aushub würde bis zu 1 Mio. Euro kosten, Versiegeln „nur“ 330.000 Euro

Rund 5500 m² Fläche zwischen dem Bahngleis und der Lagerhausstraße sind verseucht, die Stadt will das Areal nun versiegeln und dann nutzen.
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Rund 5500 m² Fläche zwischen dem Bahngleis und der Lagerhausstraße sind verseucht, die Stadt will das Areal nun versiegeln und dann nutzen.

Laufen - Mehrheitlich mit 13:4 stimmte der Stadtrat am Dienstagabend den Plänen der Stadtverwaltung zu, das Altlasten-Gelände an der Lagerhausstraße zu versiegeln, sprich zu asphaltieren. Ob es anschließend für Lagerhallen, als Lkw-Parkplatz oder gar zu „Erholungszwecken“ genutzt wird ist noch unklar.

Ein Aushub des gesamten Bodens war der Stadt doch zu riskant, „bei unserem ‚Glück‘ mit diesem Grundstück stoßen wir vielleicht auf eine Diesel-Blase“, so Christian Reiter, Geschäftsleiter der Stadt. Noch bis in die 1980er Jahre war die Deutsche Bahn sehr sorglos im Umgang mit Chemikalien auf und neben Bahnhöfen, die Deutsche Bahn hat alleine 88.000 belastete Flächen auf ihrer eigenen Liste, darauf fehlt allerdings das rund 5500 Quadratmeter große Grundstück zwischen der Bahnlinie und der Lagerhausstraße, denn dieses hatte die Stadt im November 2002 als mögliche, neue Gewerbefläche gekauft, wissend dass sie damit auch Altlasten mitkauft.


Als das wahre Ausmaß der Bodenverseuchung ruchbar wurde versuchte die Stadt, den Kaufvertrag rückabzuwickeln, ohne Erfolg, die Bahn winkte dankend ab. Auch Bürgermeister Hans Feil, damals 3. Bürgermeister, fragt sich selbstkritisch, ob der Kauf 2002 ein Fehler gewesen sei? „Der Kaufbeschluss damals war einstimmig, wir bekamen ein günstiges Grundstück und wussten, dass es belastet ist, aber diese Schärfe ahnte niemand“. Außerdem wurde danach die Rechtssprechung geändert, sodass die Stadt als Käufer für die Altlasten zuständig bleibe, auch wenn sie es jetzt weiterverkaufen würde. Verschiedene Gutachten stellten mittlerweile die Belastung fest, nur, man weiß nicht wie viel und wo genau, dazu müsste man den gesamten Bereich ausheben und untersuchen.

„Diesen Aushub dann einfach auf eine Spezialdeponie nach Rosenheim zu fahren wäre die beste Lösung, nur, wir wissen einfach nicht, wie tief die Chemikalien schon eingesickert sind“, so der Geschäftsleiter der Stadt, Christian Reiter. Er rechnet mit Kosten von 750.000 Euro aufwärts, „das kann bis zu einer Million Euro gehen, und das ist nicht der höchste, sondern der realistischste Ansatz“.


Die zweite „Lösung“ gefiel nach einer langen Diskussion am Ende auch einer Mehrheit des Stadtrates: „Wir lassen es wie es ist und versiegeln das Gelände komplett“. Das Wasserwirtschaftsamt und das Landratsamt hätten diese Vorgehensweise abgesegnet. Zu den Kosten der Versiegelung und anschließender Asphaltierung in Höhe von 330.000 Euro kämen dann noch 320.000 Euro für ein neues Kanalsystem in der Lagerhausstraße, weil der bestehende Regenwasserkanal nicht groß genug ist um das Wasser von der dann versiegelten Fläche aufzunehmen, „und es darf kein neues Wasser mehr in den verseuchten Boden“, so Reiter. Beim Versiegeln würde eine „monströse Spezialmaschine“ 20 bis 30 Zentimeter der Oberfläche lockern und damit sozusagen einen Unterbau schaffen, „das ist dann ähnlich wie ein Beton“.

Die letzte Alternative, einfach nichts zu tun, komme für die Stadt nicht in Frage, „alle sagen, wir müssen was machen“. Auf der dann versiegelten und asphaltierten Fläche könne man einen Park-and-Ride-Platz oder einen Lkw-Parkplatz errichten, auch Lagerhallen im Aufstellsystem scheinen möglich, „warum nicht auch ein Naherholungsgebiet, also zum Beispiel einen Skaterplatz“, skizzierte Reiter die angedachten Nutzungsmöglichkeiten. Ein Lkw-Parkplatz in der Stadt? Das mochte sich nicht nur Agnes Thanbichler, ÖDP, auf keinen Fall vorstellen.

Ein Loch für eine Million

Werner Eckl, Die Linke, überlegte, dass man bei einem Aushub für eine Million Euro am Ende nur ein Loch habe, „was wäre das Grundstück denn saniert wert?“ Bei geschätzt 45 Euro pro Quadratmeter seien es wohl rund 250.000 Euro, so Reiter, „das Beste wäre ja der Staat würde uns das Grundstück abkaufen, aber das wird er nicht tun“. Peter Schuster von den Grünen klagte über Bauchschmerzen beim Gedanken, dass der verseuchte Boden einfach versiegelt wird, „der Transport zu einer Deponie wäre schon was anders“, er sei zwar „geneigt, der Wannenlösung zuzustimmen“, aber was passiert wenn von außen weiterhin Wasser in das Erdreich einfließt? Christian Reiter von der Stadtverwaltung schloss eine Art Badewannen-System allerdings dezidiert aus, „es wird keine Spundwände oder ähnliches geben, das wird von den Behörden nicht gefordert“.

„Lassen wir’s einfach da“

Eine genauere Untersuchung des Bodens wünschte sich Josef Steinmaßl, ufb-Fraktion und fragte, wie realistisch denn die Kostenschätzung für den Aushub sei? „Ich glaube, dass es weniger kosten könnte, es könnte nach zwei Metern Aushub auch schon Ruhe sein“. Zu den Versiegelungskosten von 330.000 Euro würden ja dann auch noch die Kosten für einen neuen Kanal in Höhe von 320.000 Euro kommen, „also die Versiegelung kostet in Summe auch 650.000 Euro“. Einen Unterschied zwischen Versiegeln in Laufen und Aushub nach Rosenheim fahren entdeckte Franz Eder von den Grünen, „denn auf der Deponie wird das Material entwässert und laufend überprüft, das kann man nicht gleichsetzen mit dem ‚lassen wir’s einfach da‘“.

hud

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