Feil: „Wir hoffen, dass es jetzt endlich vorbei ist“

Keime aus der Leitung, Nitrat im Grundwasser: Große Debatte in Laufen

Laufen - Beim Wasser hat die Stadt derzeit gleich an zwei Fronten zu kämpfen: Das Trinkwasser muss noch immer gechlort werden und der Nitratgehalt Grundwasser steigt weiter. Beide Themen kamen nun im Stadtrat auf den Tisch.

„Wir machen alles, was in unserer Macht liegt“, versprach Laufens Wassermeister Thomas Streitwieser den Stadträten - doch noch immer muss das Trinkwasser gechlort werden. Das Finden der Herkunft der Keime verglich Streitwieser mit der Nadel im Heuhaufen. Sieben Tage pro Woche wird das Trinkwassernetz gemessen und die Chlorung überprüft. Auch der städtische Brunnen sowie der der Surgruppe werden wöchentlich beprobt. „Erst wenn alles passt, wird die Desinfektion beendet“, so Streitwieser. Mitte November könnte die Chlorung möglicherweise beendet werden. „Wir hoffen, dass es jetzt endlich vorbei ist“, so Bürgermeister Hans Feil.


Keime im Trinkwasser: Laufen überprüft auch Hausbrunnen

Bereits Ende Juli wurde erstmals ein Enterokokken-Keim im Trinkwasser gefunden. Auch bei der anschließenden Kontrolle von rund 50 Hausbrunnen wurden einige „Fehler“ gefunden. „Dann war vier Wochen alles gut und bei neuen Proben tauchte der Keim dann wieder auf“, so Wassermeister Streitwieser in der Stadtratssitzung am Dienstag, 10. November. Anfang Oktober wurde im Ortsteil Röderberg eine Enterokokken-Verkeimung festgestellt. Auch momentan überprüft die Stadt wieder alle Hausbrunnen in den Außenbereichen.


Auch auf Rohrbrüche wurde das Netz untersucht. Drei kleinere konnten festgestellt und repariert werden, doch als Ursache erscheinen sie unwahrscheinlich. Auch die Windkesselspülung im Wasser-Hochbehälter wurde umgebaut, doch auch daran lag es nicht. Möglicherweise könnten auch Hausinstallationen die Ursache sein. „Wir dürfen nichts mehr ausschließen“, so Streitwieser. Geschäftsleiter Christian Reiter verteidigte außerdem die Informationspolitik der Stadt zur Trinkwasserverkeimung über die Presse sowie die sozialen Medien: „Flyer zu verteilen hätte zu lange gedauert. Auch mit einem Lautsprecher hätte man nicht alle erreicht und das Landratsamt riet uns davon ab.“

Steigender Nitratwert in Laufens Grundwasser

Das zweite Laufener Problemkind ist der Nitratwert im Grundwasser. Ein Zusammenhang zur Trinkwasserverkeimung kann aber ausgeschlossen werden, so Christian Reiter. Die Durchschnittswerte des Nitratgehalts steigen seit Jahren langsam an und lagen laut Streitwieser heuer im Schnitt bei 30,5 Milligramm pro Liter. Eigentlich muss erst beim Grenzwert von 50 Milligramm pro Litern gehandelt werden. Bei einem ansteigenden Trend verlangt der Gesetzgeber Gegenmaßnahmen aber schon ab einem Wert von 37,5 Milligramm pro Liter.

Nitrate gelangen vor allem durch den Dünger der Landwirtschaft ins Grundwasser. „Es wäre das Worst-Case-Szenario, wenn wir den Wert von 37,5 Milligramm pro Liter erreichen“, so Streitwieser. Dann könnte es sein, dass Bauern ihren Tierbestand reduzieren oder die Gülle wo anders ausbringen müssen. Wie also gegensteuern? Stadtrat Michael Spitzauer schlug vor Flächen am Abtsdorfer See aufzukaufen, um so den Nitrateintrag zu stoppen - denn Laufens Trinkwasserbrunnen befindet sich in Lauterbrunn, südöstlich des Sees.

„Wir haben bereits Grundstücke am Abtsdorfer See gekauft, aber viele Eigentümer wollen auch einfach nicht verkaufen“, so Geschäftsleiter Christian Reiter. Die Hoffnungen ruhen auf der Ausweisung eines weiteren Wasserschutzgebietes, möglichst noch heuer. Bereits 2014 wurde es beim Wasserwirtschaftsamt beantragt, doch die Umsetzung stockte. Auf landwirtschaftlichen Flächen in einem Wasserschutzgebiet dürfte dann nicht mehr „organisch“ gedüngt werden - Gülle wäre also passé.

Nitrate sind Salze der Salpetersäure und gut wasserlöslich. Sind die Werte zu hoch, kann das Trinkwasser Säuglingen und Kleinkindern in den ersten Lebenswochen und -monaten gefährlich werden.

xe

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