"Rage against the Machine" durchs gekippte Fenster

Hardrock neben Pfarrer-Beerdigung: Nachbar in Laufen verurteilt

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Foto vom Begräbnis des ehemaligen Pfarrers Anton Parzinger. Zu diesem Zeitpunkt war der Polizeieinsatz schon beendet. 
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Ainring/Laufen - Der langjährige Pfarrer wurde beerdigt, großer Andrang vor der Kirche - doch dass durchs gekippte Fenster des Nachbarn Rockmusik kam, störte die Trauergäste. Jetzt gibt es ein Urteil. 

Der 47-jährige Kirchennachbar aus Ainring-Feldkirchen verteidigte sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Laufen wo er nur konnte: "Das Fenster war nur gekippt, die Musik war auf Zimmerlautstärke. Ich habe nicht aus dem Fenster geschaut und wusste nicht, dass eine Beerdigung ist" - es half ihm alles nichts. Nach dem Urteil von Richterin Elisa Frank ist der Mann schuldig der "Störung einer Bestattungsfeier", er muss 1800 Euro Strafe zahlen.

Ein Trauergast klopfte schon mit Hackelstecker gegen Fenster

Es war Samstag, der 17. November 2018, als Ruhestandpfarrer Anton Parzinger beerdigt wurde. Die Kirche war schon voll, der Gottesdienst wurde mit Lautsprechern für weitere 150 Trauergäste ins Freie übertragen. "Zehn Minuten nach Messebeginn hörte man die Musik", so einer der Trauergäste - ein Live-Album von "Rage Against The Machine". Zuerst habe man die Musik nur leise gehört, doch dann wurde das Fenster gekippt. 

Mehrere Besucher des Gottesdienstes wurden zornig: Ein älterer Mann sei auf eine Bank gestiegen und habe mit seinem Hackelstecker so lange gegen das Fenster geklopft, bis der Griff abbrach - vergeblich. "Wir sind dann ins Haus rein, ich hab' massiv gegen die Wohnungstür getrommelt", so ein Zeuge vor Gericht. Der Nachbar habe sie aber nur wieder aus der Tür hinausgeschoben. Andere Trauergäste riefen da schon die Polizei, bis der Sarg ins Grab gelassen wurde war der Spuk längst vorüber.

Angeklagter: "Mich stört Lärm vom Bäcker und der Rasenmäher"

"Ich habe mich erkundigt, in den letzten viereinhalb Jahren hat es im ganzen Pfarrverband Ainring gerade mal fünf Begräbnisse an einem Samstag gegeben", verteidigte sich der Angeklagte: "Mich stört da immer der Betrieb vor der Bäckerei und die Rasenmäher in der Umgebung" - dass Musik lief, bestritt der 47-Jährige auch gar nicht. Hätten ihm die ungebetenen Gäste an der Wohnungstür gesagt, dass draußen eine Beerdigung sei, wäre er einsichtig gewesen. Auch ließ er vom Pfarrer schriftlich für das Gericht festhalten, dass es mit ihm sonst nie Probleme gab.

Richterin Frank blieb hartnäckig: "Ich kaufe es Ihnen nicht ab, dass Sie erst durch die Polizei von der Beerdigung erfahren haben." Der Straftatbestand der "Störung einer Bestattungsfeier" sei auch dann schon erfüllt, wenn man von der Beerdigung nichts wisse und sie als Nachbar billigend in Kauf nehme. Auch die Staatsanwältin glaubte nicht, dass er all die Besucher im Freien übersehen konnte. Der Angeklagte blieb dabei: "Ich habe kein schlechtes Gewissen. Anscheinend muss ich zuerst immer auf den Friedhof schauen, bevor ich Musik höre."

xe

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