"Grenzwertiger" Muttertag

Deutsche Mutter in Salzburg wohnend durfte ihre Kinder wiedersehen

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Brigitte Poharecky wartete gegen 10.30 Uhr schon ungeduldig auf der österreichischen Seite des Grenzübergangs, wo ihr Tochter Sarah und Sohn Simon mit Blumen und Geschenken in der Hand entgegenkamen.

Oberndorf / Laufen - Wie hunderte andere Mütter in der Grenzregion Salzburg-BGL erlebte auch Brigitte Poharecky einen grenzwertigen Muttertag.

Die gebürtige Laufenerin wohnt seit Langem in Oberndorf, ihre beiden erwachsenen Kinder in Laufen, die Einreisebestimmungen nach Österreich lassen zwar seit 1. Mai Besuche zu Lebenspartnern zu, nicht aber zu den Eltern oder Großeltern. Während es bei der Einreise nach Deutschland keinerlei familiären Ausnahmen gibt, gab es in Österreich den sogenannten Muttertags-Erlass, also Kinder durften zu ihren Müttern nach Österreich einreisen oder eben Mütter zu ihren Kindern.


Brigitte Poharecky wartete gegen 10.30 Uhr schon ungeduldig auf der österreichischen Seite des Grenzübergangs, ein TV-Nachrichtenteam von ATV begleitete sie auch auf die Mitte der Grenzbrücke, wo ihr Tochter Sarah und Sohn Simon mit Blumen und Geschenken in der Hand entgegenkamen. Die sonst üblichen Umarmungen und Liebkosungen mussten Corona bedingt zwar ausfallen, trotzdem merkte man den Dreien die Freude des Wiedersehens an. 

Glückselig begleitete die Mutter ihre beiden Kinder dann zur Einreisekontrolle am österreichischen Ende der Länderbrücke über die Salzach, und während es in Deutschland keinerlei Ausnahmen gibt und die Mutter nicht zu ihren Kindern nach Laufen hätte fahren dürfen gab es bei der Einreise der beiden deutschen Kinder in Österreich keinerlei Probleme, die „Glaubhaftmachung“ der Einreise war angesichts von Blumen, Geschenken, einer begleitenden Mutter und eines TV-Teams naturgemäß kein Problem.


Deutsche darf nicht nach Deutschland

Die zweifache Mutter in Oberndorf wohnend erinnert sich, dass sie vor Wochen nach Laufen fahren wollte, um ihre Kinder zu besuchen, „und obwohl ich ja deutsche Staatsbürgerin bin wurde mir die Einreise verweigert mit der Begründung, ich hätte keinen ‚zwingenden Notfall‘ geschildert“. Die wochenlange Trennung von ihren Kindern schmerze sie sehr, noch dazu in einer Stadt die eigentlich zusammengehöre wie Oberndorf und Laufen.

Auch Oberndorfs Bürgermeister Georg Djundja beobachtete am Sonntagvormittag wie der Muttertags-Erlass an der Grenze funktionierte, er hat im Laufe des Tages per Mail aber auch von versuchten Einreisen gehört, die nicht geklappt hätten. Er erinnerte sich an die ersten Tage der deutschen Einreisekontrollen nach dem 15. März, als die Deutsche Bundespolizei Laufen und Oberndorf abriegelten und das Deutsche Innenministerium nur nach heftigen Interventionen auch von österreichischer Seite die Länderbrücke öffnete.

Während es auf österreichischer Seite bereits seit dem 1. Mai 2020 möglich ist Lebenspartner in Österreich zu besuchen ist die deutsche Grenze nach wie vor dicht, ausgenommen sind Berufspendler und Nicht-Deutsche, die in Deutschland eine Wohnadresse haben.

In Oberndorf spürt man die Absurdität der Einreisekontrollen besonders stark, ein gemeinsames Stadtleben mit der bayerischen Nachbarstadt Laufen ist de facto nicht möglich, bei der Einreise ist man nach Aussagen von Betroffenen immer vom Wohlwollen der Beamten abhängig.

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