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Die Pflanzzeit hat begonnen

Die Herkunft der Forstpflanzen in Laufen im Blick 

 Auch die Pflanzenqualität muss stimmen. Dr. Eva Cremer und Pflanzgarteneiter Andreas Ludiwg schauen kritisch nach.
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Auch die Pflanzenqualität muss stimmen. Dr. Eva Cremer und Pflanzgarteneiter Andreas Ludiwg schauen kritisch nach.

Die Pflanzzeit hat begonnen. Nicht nur auf den Feldern und in den Gärten sondern auch im Wald. Im Pflanzgarten Laufen-Lebenau herrscht Hochbetrieb. Täglich werden von hier zwischen zwanzig und achtzigtausend Pflanzen an die Betriebe der Bayerischen Staatsforsten im südlichen Bayern ausgeliefert, wo sie schnellstmöglich in den Wälder ausgebracht werden.

Laufen - Eichen. Buchen, Ahorn, Tannen, Kiefern, Fichten, Douglasien, aber auch seltene Arten wie Eibe, Ulme oder Elsbeere warten in Laufen nach Alter und Herkunft sortiert, gebündelt und verpackt auf ihren Abtransport. Jedes Bündel ist mit einer Etikette versehen, auf der neben der Art auch ein mehrstelliger Zahlencode aufgedruckt ist. Fachleute können daraus die Herkunft des Samens ablesen, aus dem die Pflanzen angezogen wurden.

Und dies wiederum ist entscheidend dafür, wo die Pflanzen in Zukunft am besten wachsen können.  So sollten beispielsweise Tieflagenherkünfte nicht in Hochlagen und umgekehrt gepflanzt werden. Oder Pflanzen aus raueren Gegenden nicht in wärmere. Denn die Bäume passen sich im Laufe ihres langen Lebens an die Bedingungen, unter denen sie gedeihen, an und geben bei der Samenbildung dieses „innere Gedächtnis“ mit ihren Erbanlagen an die kommende Generation weiter. 

Etikette mit Zahlencode

Die Etikette mit dem Zahlencode interessiert auch Dr. Eva Cremer, die in den Pflanzgarten gekommen ist  und zusammen mit Pflanzgartenleiter Andreas Ludwig das Saatgutlager und den Versand der Pflanzen kontrolliert. Cremer, die in Teisendorf zu Hause ist, ist Mitarbeiterin des ersten und europaweit größten Zertifizierungssystems für die Kontrolle der Herkunft bei Forstsamen und -pflanzen, kürz „ZüF“ genannt, das in Süddeutschland seinen Schwerpunkt hat.

Ettiketierung von Tannenpflanzen mit ZüF-Zahlencode

ZüF feiert in diesem Jahr sein 20jähriges Bestehen und ist eine Erfolgsgeschichte, deren Anfänge auch in unserer Region, und zwar in Teisendorf liegen. Dort haben Ende der 1990 Wissenschaftler am damaligen Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP), heute Amt für Waldgenetik, gemeinsam mit ihren Kollegen von der Forstlichen Forschungsanstalt in Freiburg und privaten Baumschulen begonnen, ein Kontrollsystem auf Grundlage der genetischen Fingerabdrücke von Pflanzen zu etablieren. Denn die Baumschulbranche hatte sich inzwischen durch die Globalisierung stark verändert, weg von „Alles aus einer Hand“ hin zu „gebrochenen Produktionsketten“.

Zusätzliche Maßnahmen für mehr Herkunftssicherheit

Das „Hin und Her“ von Samen und Pflanzen von der Ernte bis zur Auslieferung der fertigen Pflanzen an die Waldbesitzer erschwerte die bis dahin nur gesetzlich geregelte Herkunftskontrolle. Zusätzliche Maßnahmen für mehr Herkunftssicherheit waren gefragt. Denn mit bloßem Auge können Unterschiede  zwischen den Herkünften bei den jungen Pflanzen nicht erkannt werden. 

2002 wurde das System als privatwirtschaftlicher Verein „ZüF“ institutionalisiert und ist heute bei Saatgutfirmen, Baumschulen und Waldbesitzern voll akzeptiert. Bei „ZüF“ – Pflanzen ist es nämlich möglich, über genetische Verfahren zu überprüfen, woher die Pflanzen, die die Baumschulen  liefern, abstammen.  Im Labor werden dazu, ähnlich wie bei den Corona Tests, PCR-basierte Methoden eingesetzt um die Erbanlagen von Samen und Pflanzen  zu vergleichen, erklärt Cremer.

Sie hat längere Zeit selbst als Wissenschaftlerin am ASP/AWG gearbeitet, jetzt komplettiert sie die Riege der drei Forstgenetiker bei ZüF und sorgt für eine noch höhere Herkunftssicherheit bei Forstpflanzen, zum Nutzen des Waldes und seiner Besitzer. Neben den genetischen Kontrollen ist eine online-Datenbank der zweite große Pfeiler des Herkunftssicherungssystems. Dort kann der Weg jeder Partie von der Samenernte bis zur Auslieferung an die Kunden nachverfolgt werden.

Jede Baumschule entscheidet selbst

Ob eine Baumschule an dem ZüF-Zertifizierungsverfahren teilnimmt, entscheidet sie selbst. Für Pflanzgartenleiter Andreas Ludwig war es von Anfang an klar, dass seine gesamte Produktion zertifiziert wird.  Herkunftsicherheit ist für ihn als Qualitätsmerkmal der Pflanzen genauso wichtig, wie ein gesundes Aussehen und eine gute Form. Die vielen Anfragen seiner Kunden geben ihm recht. ZüF-Pflanzen sind gefragt, der Absatz reißend. Leider konnte der Pflanzgarten coronabedingt in den letzten zwei Jahren keine Pflanzen an private Waldbesitzer aus der Region abgeben.

Dies soll sich ab Herbst wieder ändern, verspricht der Pflanzgartenleiter. Denn auch bei privaten Waldbesitzern ist der Bedarf an qualitativ hochwertigem Pflanzmaterial für ihre Wälder groß. Damit auch in den nächsten Jahren genügend Pflanzen da sind, wird bereits jetzt in Laufen wieder ausgesät, verschult und vertopft. Auch die Pflanzenproduktion muss nachhaltig sein, damit der stetig große Bedarf an Pflanzen zum klimagerechten Waldumbau gedeckt werden kann. Die 1,2 bis 1,5 Millionen ZüF-zertifizierten Pflanzen, die jährlich aus Laufen kommen, sind dafür ein wichtiger Beitrag.  

kon

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