„Laufen Aktiv“-Obmann im Interview

Darum hält Instrumentenbauer Klaus Pöhlmann nichts vom Topfschlagen gegen Corona-Regeln

Darum hält „Laufen Aktiv“-Obmann Klaus Pöhlmann nichts vom Topfschlagen gegen Corona-Regeln
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Instrumentenbauer Klaus Pöhlmann liebt laute Blasinstrumente, aber hält nichts von lautem Protest gegen Anti-Corona-Regeln der Staatsregierung.

Während in anderen BGL-Kommunen Kaufleute montags gerne mit Kochlöffeln auf Töpfe schlagen um damit gegen die ihrer Meinung nach zu strengen Anti-Corona-Maßnahmen zu demonstrieren ist der Protest in Laufen ruhig, also zumindest nicht hörbar auf der Straße stehend.

Laufen -  „Ich halte davon wenig“, gibt Klaus Pöhlmann unumwunden zu, er ist Vorstand vom eingetragenen Verein ‚Laufen Aktiv‘. Er sei von Berchtesgaden, Bad Reichenhall und Freilassing gefragt worden, ob Laufen nicht mitmachen wolle. „Andere Aktionen würde mir mehr liegen“, so der gelernte Instrumentenbauer aus Bayreuth, „aber die Frage ist halt, was bringt das?“

Er selbst hat in seinem Handwerksladen Höhen und Tiefen in der Corona-Pandemie erlebt, vor allem die de facto geschlossene Grenze zur zweiten Hälfte der Stadt, zu Oberndorf, schmerzt ihn beruflich, und privat. Seit 2010 hat Klaus Pöhlmann seine Werkstatt in der Laufener Schloßstraße, im Schaufenster sieht man nicht nur fertige Trompeten und Posaunen, sondern kann auch Pöhlmann bei seiner Arbeit in der Werkstatt beobachten. „Viel zu tun ist derzeit ja nicht, nur kleine Servicearbeiten“, gemeint ist das „Ausbeulen“ von Instrumenten, die im Musikeralltag schon mal die eine oder andere Delle abbekommen. 

Keine Konzerte – keine Orchesteraufträge

Normalerweise sei er mit der Reparatur von Orchesterinstrumenten überlastet, „aber derzeit spielt ja nirgends ein Orchester, also wird auch nichts repariert oder neu gekauft“. Vor allem die vielen Blasmusikkapellen im nahen Oberösterreich sind normalerweise gute Kunden, „rund zwei Drittel meiner Kunden kommen aus Österreich“, aber mit der geschlossenen Grenze sei das derzeit schwer abzuwickeln. Jüngst habe ich einem Musiker aus Bad Goisern seine reparierte Posaune mitten auf der Salzachbrücke übergeben müssen. 

Im Jänner dieses Jahres gab es für Pöhlmann einen kurzen Lichtblick, „da gab es plötzlich Serviceanfragen von großen Orchestern aus Dresden und Berlin“. Der Verkauf von neuen Instrumenten sei aber so gut wie zum Erliegen gekommen. Natürlich könnte man Instrumente Online anbieten und liefern, was Musiklehrer auch oft ihren Schülern empfehlen, aber Profis wollen Trompeten, Posaunen und Hörner nicht von der Stange kaufen sondern haben oft spezielle Anfertigungswünsche, kein Wunder bei einem Preis von bis zu 9000 Euro zum Beispiel für ein Waldhorn.

 „Wasser bis zum Hals“ in Freilassing

In Freilassing stuft man den andauernden Lockdown mit strengen Regeln wie zum Beispiel dem Vorweis eines negativen Coronatests und das Fehlen der Kunden aus Österreich als „dramatisch“ ein, „uns steht das Wasser bis zum Hals“, so Anni Klinger, die Vorsitzende des Wirtschaftsforums Freilassing. Sie fordert, dass alle Branchen gleich behandelt werden, also Lebensmittelmärkte und zum Beispiel Schuhgeschäfte gleich wichtig sind, sowie dass der 24-Stunden-Einkaufsverkehr nach Bayern wieder erlaubt wird. Allerdings gelten bis 19. Mai noch die strengen Einreisebestimmungen nach Österreich, und „günstig einkaufen in Freilassing“ ist kein triftiger Grund.  

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