Prozess gegen Reichenhaller entgleist langsam

Renitenter Senior mischt Gericht auf: "Von Tuten und Blasen keine Ahnung"

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Laufen/Bad Reichenhall - Er hat alte Autos, Metallschrott und Elektrogeräte auf seinem Grund gelagert und steht deshalb vor Gericht - doch der Prozess gegen einen 73-jährigen Reichenhaller gerät mehr und mehr aus der Bahn.

Prozesse am Amtsgericht sind in aller Regel im Laufe eines Verhandlungstages vorbei - doch dieser Fall geht nun in die vierte Runde: "Ein Skandal", "absolut kriminell" und "wie im Dritten Reich" sei es, was hier am Amtsgericht in Laufen mit ihm geschehe, soll der 73-jährige Angeklagte am Dienstag wieder gewettert haben, berichtet das Reichenhaller Tagblatt.

100 Tonnen Autos, Lacke, Batterien, Elektro- und Metallschrott

Worum geht es? Bis zu 100 Tonnen Abfälle, so die Staatsanwaltschaft, wurden bei einer Durchsuchung seines Grundstückes im Herbst 2016 gefunden. Unsortiert, unsachgemäß und teils auf unbefestigtem Grund sei alles um das Haus herum gelagert, heißt es in der Anklage. Fünf Autos (eines davon schon bemoost) ein Omnibus, ein Wohnmobil, drei Motorräder - dazu Elektrogeräte, Metallschrott, Autobatterien, Farben, Lacke und Heizöl.

Die Gefahr sei, so die Staatsanwaltschaft, dass gefährliche Stoffe in den Boden und ins Grundwasser eindringen. Die Anklage lautet auf unerlaubten Umgang mit gefährlichen Abfällen und unerlaubtem Betreiben von Anlagen. Alles habe seinen Wert und könne weiterverwendet werden, argumentiert dagegen der 73-Jährige

U-Haft und Ordnungsgelder gegen den Angeklagten

Wie auch schon bei den vorhergehenden Prozesstagen wurde am Dienstag wieder auf den Tisch gehauen und geschrien - und diesmal verhängte das Gericht auch drei Ordnungsgelder gegen den Angeklagten: 1100 Euro muss der Bad Reichenhaller bezahlen, unter anderem weil er den Richter mit den Worten "Sie haben von Tuten und Blasen keine Ahnung" beschimpfte, so das Reichenhaller Tagblatt. Teils habe sich der Mann auch stehend und gestikulierend an die Zuschauer im Gericht gewandt

Auch die Anwälte verloren schon die Fassung

Der Bad Reichenhaller wurde vom Gericht inzwischen auch schon ins Gefängnis gesteckt, weil er einen Prozesstermin sausen ließ - seit Januar sitzt er ein. Der Grund für den nächsten Disput: Verteidiger Dr. Florian Eder wollte Haftbeschwerde einlegen, blitzte bei Richter Winfried Köpnick aber ab. Eder verfasste daraufhin einen Text auf seiner Facebook-Seite, sprach von einem "arroganten" Auftreten ihm gegenüber und fühlte sich vom Richter "von oben herab abgekanzelt" (siehe unten). Doch auch mit seinem eigenen Mandanten sei Eder schon aneinandergeraten: Er schrie den 73-Jährigen an, endlich still zu sein. 

"Dieser Angeklagte steckt uns noch alle an", meinte am Dienstag der Verteidiger des Sohnes des 73-Jährigen deshalb. Auch der Sohn ist angeklagt, weil er Miteigentümer des Grundstückes ist. Sein Verteidiger Tradler nannte den Angeklagten 73-Jährigen in diesem Zusammenhang schon einen "Verrückten", so das Reichenhaller Tagblatt. Der 73-Jährige ist der Justiz längst bekannt: Wegen der gleichen Sache wurde er schon mal verurteilt, außerdem auch wegen Einschleusens von Ausländern, Beleidigung, unerlaubtem Betreiben einer Anlage und Beihilfe zur Prostitution. 

Der Prozess wird am 24. April um 9 Uhr in Laufen fortgesetzt. 

xe

Rubriklistenbild: © dpa

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