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Prozess am Amtsgericht Laufen

Bischofswieser (20) kassiert saftige Strafe nach „krasser Verfolgungsjagd“ mit der Polizei

Im April 2021 liefert sich ein junger Bischofswieser eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei. Weder eine rote Ampel, noch Martinshorn und Blaulicht können ihn aufhalten. Über ein Jahr später hagelt es eine satte Strafe für den leidenschaftlichen Mopedbastler.

Laufen/Bischofswiesen -   „Diese Verfolgungsfahrt war schon krass“, erinnert sich der Polizist im Zeugenstand, der damals den jungen Motorradfahrer durch Bischofswiesen verfolgte. „Im Nachgang habe ich mir gedacht, warum ich das überhaupt gemacht habe. Mit 150 durch den Ort fahren ist schon heftig, aber man mag den Flüchtenden stellen. Man weiß ja nicht, was der gemacht hat, dass der so flüchtet!“

Lieferte sich Verfolgungsjagd mit der Polizei: Bischofswieser vor Gericht

Am Dienstag (17. Mai) sitzt der mittlerweile 20-jährige Bischofswieser vor dem Jugendrichter im Amtsgericht Laufen. Er ist angeklagt wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens, Kennzeichenmissbrauch und vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis. Der Jugendrichter wird letzten Endes hart durchgreifen.

Der Polizist schildert dem Gericht die Ereignisse am Abend des 26. April 2021: Eigentlich waren die beiden Beamten der Inspektion Berchtesgaden auf dem Weg zu einem Einsatz in Bischofswiesen. Doch auf dem Weg dorthin fielen dem fahrenden Polizisten zwei Mopedfahrer auf, die aus Richtung Loipl in die Hauptstraße in Fahrtrichtung Berchtesgaden einbogen. Bei einem der Mopeds war das Kennzeichen extrem nach oben gebogen.

Die Polizisten überlegten nicht lange, entschieden sich, umzudrehen und eine Kontrolle durchzuführen. Eines der Mopeds gab auf einmal Gas. „Mir war unklar, wer da oben sitzt. Wir haben mit Blaulicht und Anhaltesignal versucht, die beiden anzuhalten. In erster Linie den Angeklagten. Er hat beschleunigt.“

Mit 150 Sachen durch Bischofswiesen: „Die Verfolgung war krass“

Mit 150 km/h schoss das Zweirad durch Bischofswiesen, die Polizei hinterher. Eine waghalsige und gefährliche Verfolgungsjagd durch den Ort begann. Auch eine rote Ampel konnte den Mopedfahrer nicht stoppen. In die Steingasse, über die Bahngleise und weiter bergauf Richtung Keilhofgasse mit 90 Sachen. Während sie den Flüchtigen verfolgten, konnten die Beamten das Kennzeichen ablesen. Über Funk fragten sie die Halterdaten ab. Der Mopedfahrer bog in die Keilhofgasse ein und fuhr mit 100 Sachen durch die 30er Zone.

„Er ist dann beim Fußweg rauf und letztendlich davongezischt. Wir haben abgebrochen und sind zur Halteradresse gefahren. Als das Alter des Angeklagten durchgegeben wurde, habe ich mir gedacht, dass er sich vielleicht stellt.“ Der junge Bischofswieser kam schließlich an seiner Wohnadresse an und traf auf die Polizisten. „Der Angeklagte war kooperativ.“ Der Beamte fügt noch hinzu: „Man kennt sich halt in Berchtesgaden. Ich kenne den Vater und den Jungen. Hätte ich gewusst, wer oben sitzt, hätte ich diese Verfolgungsfahrt gar nicht so gemacht. Die Verfolgung selbst war krass.“

Die Polizisten stellen die Motocross-Maschine und auch eine GoPro, eine Helmkamera, sicher. „Da war nochmal bissl was drauf, wo er zu einem anderen Zeitpunkt mit einem Wheelie auf der Straße unterwegs war.“ Die Maschine selbst stellt sich als getunt heraus.

Auf die Frage des Jugendrichters, welche Verkehrsverstöße die Polizisten wahrgenommen hätten, antwortet der Beamte mit „Überholen mehrerer Verkehrsteilnehmer innerorts. Der Rotlichtverstoß war für mich auch krass. Es war schon länger rot. Die Geschwindigkeit ganz klar innerorts und in der 30er Zone in der Keilhofgasse. Da ist Vorfahrt achten, da ist er einfach drüber gefahren.“ Hinzu kämen noch die Veränderungen am Motorrad.

Der junge Mann habe sich jedoch bei den Beamten entschuldigt. „Er hat aus meiner Sicht verstanden, dass es auch gefährlich war.“

„Es war dumm und ich bereue es“

„Was war los?“, fragt der Jugendrichter den Angeklagten. „Es war unüberlegt, es war dumm und bereuen tu ichs natürlich auch, aber warum ich so gehandelt habe, kann ich Ihnen nicht genau erklären.“ Der Angeklagte erklärt, er sei zuvor „einfach zum Spaß a bissl rumgefahren“. Als er die Polizei sah, seien bei ihm „die Lichter ausgegangen“. Er fuhr davon. „Ich hatte Angst, dass ich wegen den Umbauten an meinem Moped Mords Stress kriege.“ Die Auspuffanlage sei verändert gewesen und das Kennzeichen hätte nicht gepasst. So schnell wie während dieser Verfolgungsjagd sei der Beschuldigte noch nie gefahren.

Und das nach oben gebogene Kennzeichen? „Das habe ich schon ein paar mal verloren. Deswegen war es schon ramponiert. Ich habe es nicht mehr angefasst.“ Und was sich der damals 20-Jährige bei der Fahrt alles gedacht habe? „Schon unterm Fahren habe ich mir gedacht, dass es sehr dumm ist, was ich da mache. Aber ich hab mich auch bedroht gefühlt, weil das Polizeiauto so knapp hinter mir war.“

„Aufgeben war keine Option?“, fragt der Jugendrichter. „In dem Moment nicht. Erst wo ich dann weg war bin ich wieder zu Sinnen gekommen. Da hab ich dann beschlossen, heimzufahren und wenn sie da sind, mich zu stellen. Mir tuts leid, das hab ich den Beamten auch schon gesagt.“

Harte Strafe: „Wenn man wie ein Erwachsener im Straßenverkehr teilnehmen möchte, muss man auch so behandelt werden“

Die Staatsanwältin wägt zwischen Erwachsenen- und Jugendstrafrecht ab. „Wir haben hier einen Sonderfall. Ein getuntes Moped, er lebt daheim bei den Eltern, diese machen noch viel für ihn. Man könnte Jugendstrafrecht verwenden. Der Angeklagte hat alles eingeräumt. Ich habe den Eindruck, dass hier doch auch ein Prozess stattgefunden hat. Er hat wohl verinnerlicht, dass es eine sehr dumme, gefährliche Sache war. Doch zu Lasten fällt ihm der Kennzeichenmissbrauch und das Fahren ohne Fahrerlaubnis. Die Fahrstrecke mit 3,15 Kilometern war nicht gering und auch noch bei höchstmöglicher Geschwindigkeit. Das sind erhebliche und sehr gefährliche Verkehrsverstöße. Was da passieren hätte können.“

Letzten Endes verurteilt der Jugendrichter den jungen Bischofswieser „schuldig sowohl des Kraftfahrzeugrennens, Kennzeichenmissbrauchs als auch Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Dem Angeklagten wird auferlegt, 1600 Euro an die Deutsche Kinderkrebsnachsorge zu bezahlen. Dem Angeklagten wird die Fahrerlaubnis entzogen, sein Führerschein wird eingezogen und in den nächsten drei Monaten keine neue Fahrerlaubnis erteilt. Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens.“

Mopedbastler behält Motocross „zum Rennstrecke fahren“

Der Richter erklärt seine Entscheidung: „Wenn man wie ein Erwachsener im Straßenverkehr teilnehmen möchte, muss man auch so behandelt werden“. Dennoch habe es sich um eine jugendtypische Verfehlung gehandelt. „Sie sind leidenschaftlicher Mopedbastler, schrauben da gern rum und fahren auch mit den Dingern. Dass Ihnen dann bei der Kontrolle die Sicherungen durchgebrannt sind und Sie Gas gegeben haben, anstatt stehen zu bleiben, zeugt davon, dass Sie mit der Situation überfordert waren und eher reagiert haben wie ein Jugendlicher.“

Das erheblich gefährliche Verhalten dürfe man jedoch nicht klein reden. „Deshalb diese erhöhte Geldbuße, die zwei Monatsgehältern von Ihnen entspricht.“ Sie sei erzieherisch notwendig.

Das Urteil werde der Angeklagte wahrscheinlich annehmen, erklärt dessen Verteidiger. Ob der ruhige, junge Mann aus dem Vorfall gelernt hat? Eines seiner drei Mopeds hat er mittlerweile verkauft, auch um die Geldstrafe zahlen zu können. Das Moped, das er während der Verfolgungsjagd fuhr, behält der Azubi „zum Rennstrecke fahren“.

ce

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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