Bub aus Bad Reichenhall erlitt „schwerste Verbrennung“

„Völlig überfordert“: Zur Strafe Sohn (5) mit Zigarette gebrannt - Mutter verurteilt

Bad Reichenhall/Laufen - Der Sohn zündelte und wurde aggressiv, dann verlor eine Mutter aus Bad Reichenhall die Fassung und drückte die Zigarettenglut an sein Bein - nun erfolgte eine Verurteilung am Amtsgericht.

„Ich war wahnsinnig geschockt, dass ich sowas gemacht habe. Es kommt definitiv nie wieder vor", beteuerte die 25-Jährige aus Bad Reichenhall am Donnerstag, 10. September, vor dem Amtsgericht in Laufen. Verurteilt wurde sie trotzdem: ein Jahr Haft, ausgesetzt zur Bewährung, wegen gefährlicher Körperverletzung. Am 19. April 2019 drückte sie ihre brennende Zigarette an den Oberschenkel ihres fünfjährigen Sohnes. Er erlitt Verbrennungen dritten Grades.


Kind mit Zigarette gebrannt: Urteil gegen Mutter aus Bad Reichenhall

Auch wenn die Frau nicht vorbestraft ist, warnte sie der Richter: „Sie sind nur ganz knapp am Gefängnis vorbeigekommen.“ Sie sei an jenem Tag „auf ganz dünner Haut unterwegs gewesen“. Was war passiert? Ihr fünfjähriger Sohn habe gezündelt und sein Playmobil-Spielzeug ans Feuer gehalten. Dann ein Streit, der Bub habe sie beleidigt und geohrfeigt - bis die 25-Jährige zu ihrer brennenden Zigarette griff. „Ich bin dann einfach hin und hab‘ draufgedrückt", so die Mutter unter Tränen.


Erst kurz vor Ende des Prozesses konnte sich die Frau zu einem Geständnis durchringen. Zuvor vertrat sie die Version, die heißen Tropfen des schmelzenden Playmobil hätten die Wunden auf dem Oberschenkel des Buben verursacht. Auch gegenüber ihren Eltern vertrat die Angeklagte diese Version - ihnen fiel die Verletzung zuerst auf. „Sie hat sich einfach furchtbar geschämt", so die Anwältin der Reichenhallerin. Doch auch ein Gerichtsmediziner war sich in der Verhandlung sicher: Die Wunde stammt von einer brennenden Zigarette.

„Sie war völlig überfordert“ - Bub in Obhut

Der Bub wurde nach der Tat in Obhut genommen. Ihre jüngste Tochter durfte die alleinerziehende Mutter behalten, bekommt auf Anordnung des Jugendamtes aber regelmäßig Besuch von einer Sozialpädagogin. Sie stellte der 25-Jährigen ein recht gutes Zeugnis aus. Gewaltpotenzial sei keines zu erkennen, sie sei immer um das Wohl der Tochter bemüht. Wegen Depressionen begab sich die Angeklagte nach der Tat außerdem in eine Tagespflege.

Sie war in der Situation völlig überfordert, das ist im Affekt passiert“, so die Anwältin im Plädoyer. „Meine Mandantin versucht alles, um eine gute Mutter zu werden.“ Eine Bewährungsstrafe von maximal sieben Monaten forderte ihre Verteidigerin. Die Staatsanwaltschaft sprach von „schwersten Verbrennungen“ beim Buben und forderte ein Jahr und drei Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

Keine Misshandlung von Schutzbefohlenen

Von einer Verurteilung wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen sah das Amtsgericht in Laufen aber ab. „Nach dem Gesetz muss dazu das Leiden des Opfers missachtet werden", so das Gericht. Doch davon konnte keine Rede sein. Zur Auflage machte das Amtsgericht außerdem vier weitere Gespräche mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst. Verteidigung und Staatsanwaltschaft haben das Urteil akzeptiert, es ist somit rechtskräftig.

xe

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt

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