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Prozess am Amtsgericht Laufen

„Alte Schulkameraden“ wollen ins Drogengeschäft einsteigen - und scheitern kläglich

Gericht
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Blick auf ein Relief der Justitia.

Drei Männer aus dem Berchtesgadener Land standen in Laufen vor Gericht. Gemeinsam wurde ihnen vorgeworfen, Drogen im Landkreis und Münchner Umland verkauft zu haben. So lief der Prozess:

Bad Reichenhall/Laufen - Den einen Angeklagten kennt der Großhandelskaufmann und gebürtige Kurstädter von der Grundschule. Den zweiten aus der Realschule und einen dritten Mittäter über die Berufsschule. Gemeinsam sollen sie im Landkreis Berchtesgadener Land und im Münchner Umfeld etliche Drogengeschäfte abgewickelt haben. Drei junge Männer saßen deshalb am Montag vor dem Laufener Schöffengericht, wo zwei die Anklage einräumten, während die Verteidigung des dritten zunächst eine andere Strategie wählte. Am Ende gab es trotz Bedenken zweimal Bewährung und einmal eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.  

„Riesenverfahren mit x Beteiligten“

Der ermittelnde Kriminalbeamte sprach von einem „Riesenverfahren mit x Beteiligten“. Baumartig hätten sich die Kontakte zu den vielen Beteiligten verzweigt, nachdem ein Dealer ins Visier geraten war und die Telefonüberwachung zu weiteren Kontakten geführt hatte. So findet ein weiteres Verfahren aus diesem Drogengestrüpp demnächst in München statt. Aus München stammt auch der 23-jährige Lehrling für Internethandel, der zunächst nichts sagen wollte, obwohl ihn Vorsitzender Richter Martin Forster eindringlich warnte: „Falls die Schuld festgestellt wird, gibt es eine Bewährung nur mit Geständnis.“ Die Strategie „alles oder nichts“ sei „hochriskant“. 

Bestellungen aus dem Darknet

Die Idee hinter den Taten: Größere Mengen per Darknet günstig bestellen, um mit dem Verkauf einer Teilmenge den Eigenkonsum zu finanzieren. Bei Kokain waren es mal fünf, zweimal zehn Gramm, mal 15 und zweimal 20 Gramm. Bei Marihuana waren die Mengen mit 300 und 450 Gramm deutlich größer. Einmal chauffierte der gebürtige Reichenhaller Kaufmann einen Münchner Schulkameraden mit 20 Gramm Kokain und 100 Gramm Amphetamin zu einem Betriebsgebäude, wo laut Kripo „gleich erste Abnehmer“ eingetroffen waren. 

Um Mitternacht klickten die Handschellen

Man hatte eigens einen Fake-Account eingerichtet, um sich Pakete schicken zu lassen. Doch als der 23-jährige Pidinger gegen Mitternacht ein Paket an der Packstation am Reichenhaller Bahnhof abholen wollte, wurde er sofort von Zivilbeamten umstellt und zu Boden gebracht. Den Inhalt des Paketes, 520 Gramm Marihuana und 16 Gramm Kokain, hatte die Kripo schon vorher ausgetauscht. Beschriftet waren die versendeten Pakete mit „Cosmetic Sale“. Auffallend war, dass der Kaufmann Münchner Kontakte und den Zugang zum „Drogenbauern“, einem asiatisch-stämmigen Holländer, benannte, die Abnehmer der heimischen Szene aber verschwieg. Der gebürtige Kurstädter war als einziger für gut zwei Monate in U-Haft gelandet.  

Nach langer Unterbrechung stellte Rechtsanwältin Johanna Mathäser doch noch „eine geständige Einlassung in Aussicht“. Vorbestraft sind alle drei Angeklagten, auch wenn beim 24-jährigen Kaufmann die Einträge inzwischen gelöscht sind. Der 23-jährige Pidinger weist vier Vorstrafen auf; ihm attestierte der psychologische Sachverständige eine Gewöhnung an Drogen und einen „Hang“. Sein Verteidiger Udo Krause sprach von einer „Randfigur“ in dem Geschehen, der für seine Abholdienste „lächerliche drei Gramm“ erhalten habe. Er kam schließlich wegen Beihilfe mit zehn Monaten und einer Einweisung in eine Entziehungsanstalt davon. 

Das forderte der Staatsanwalt

Für die beiden anderen hatte Staatsanwalt Fabian Meixner einmal 2 Jahre und vier Monate, einmal zwei Jahre und sechs Monate beantragt; ein Strafmaß, das nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann. „Gewerbsmäßig, gemeinschaftlich und professionell“, beschrieb Meixner ein Handeln, von dem vermutlich nur die Spitze des Eisbergs angeklagt sei. 

„Faktisch kein Gewinn“, sagte Rechtsanwältin Sandra Hofmeister über den Kaufmann und verwies ganz nebenbei auf eine anstehende „Marihuana-Legalisierung“. Ihr Mandant, teilweise sogar mit GPS-Sender überwacht und als einziger in U-Haft, sei kooperativ und überschießend geständig gewesen, weshalb 18 Monate zur Bewährung ausreichend seien. 

„Drei arme Würstl“

„Drei arme Würstl“, meinte Anwältin Mathäser über die Angeklagten. „Typisch Drogenszene: die Kleinen fasst man, den großen Fisch nicht.“ Ihr Mandant, der Münchner, sei von Anfang an als Hauptorganisator hingestellt worden, weshalb man zunächst kein Geständnis abgegeben habe. Die Wahlverteidigerin hielt eine Bewährung ebenso für angemessen wie ihr Kollege, Pflichtverteidiger Rechtsanwalt Jürgen Pirkenseer, der in dem „arbeitsteiligen Handeln“ einen „minderschweren Fall“ sehen mochte. 

Diese Strafe bekamen die Angeklagten

Das Schöffengericht entschied „gerade noch“ jeweils auf zwei Jahre und eine dreijährige Bewährungschance für die beiden Haupttäter, während der Pidinger dem eigenen Wunsch entsprechend in eine Entziehungsanstalt kommt. Vorsitzender Forster versäumte nicht, darauf hinzuweisen, dass dieser voraussichtlich 18-monatige Aufenthalt den Steuerzahler rund 200.000 Euro kostet. Der Münchner und der Kaufmann haben sich illegaler Drogen zu enthalten und dies bis zu viermal jährlich nachzuweisen. Daneben haben sie je 500 Euro an die Caritas zu zahlen und den errechneten Erlös von 4050 Euro gesamtschuldnerisch als Wertersatz zu berappen. 

Hannes Höfer

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