"Hackl hat meine Frau befräst"

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  • Hans-Joachim Bittner
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Laufen - Klage-Erfolg für Georg Hackl im Prozess "Eisenstange": Sein Nachbar ist vom Amtsgericht verurteilt worden. Er hatte den Ex-Rodler mit einem Stahlnagel verletzt.

Der Bischofswieser hat den ehemaligen Rodel-Star vom Königssee im Januar dieses Jahres mit einer Eisenstange verletzt. Er wurde der gefährlichen Körperverletzung beschuldigt.

Am Amtsgericht Laufen wurde heute öffentlich verhandelt, Vorsitzender Richter war Dr. Christian Liegl. Er befragte zunächst den Angeklagten, der mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Udo Krause im großen Sitzungssaal erschienen ist.

Die Fotos aus dem Gerichtssaal:

Georg Hackl im Gerichtssaal

Der 65-Jährige schilderte, dass es bereits seit vielen Jahren Auseinandersetzungen zwischen den beiden benachbarten Familien gebe. "Ich habe Herrn Hackl mehrfach aufgefordert, keinen Schnee auf mein Grundstück zu befördern. Er hat es immer wieder getan. Ich drohte ihm auch mehrfach mit einer Anzeige - all das hat nichts geholfen".

Einer lügt ganz gewaltig

Dazu kam es nicht, da eine handgreifliche Auseinandersetzung dazwischenfunkte: "Georg Hackl hat zuerst auf mich eingeschlagen", so der Angeklagte. Hackl, der als Nebenkläger anwesend ist, dazu: "Ich habe ihn weder geschlagen noch anderweitig berührt". Einer der beiden lügt also ganz gewaltig.

Der 65-jährige Angeklagte und letztlich Verurteilte aus Bischofswiesen mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Udo Krause.

Auslöser des schon länger schwelenden Konflikts am 9. Januar dieses Jahres war wohl erneutes Befördern größerer und gröberer Schneebatzen von Georg Hackl auf das Grundstück des Angeschuldigten: "Er hat mich mit seinem Gartenschlauch provoziert, ich war bereits komplett nass. Da habe ich absichtlich Schnee auf sein Grundstück befördert", gibt Hackl zu. Denn: "I mog koa Wasser, er koan Schnee".

"Er war aggressiv"

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Daraufhin sei der Nachbar "wütend mit einer Eisenstang auf mich losgegangen", so der heutige Rodel-Trainer im Nachwuchs- und Erwachsenenbereich. Hackl schnappte sich laut eigenen Angaben einen schwarzen Plastikstock, der serienmäßig an seiner Schneefräse befestigt ist: "Damit wollte ich mich wehren, falls er wirklich auf mich einschlagen würde", so der 46-Jährige, "denn ich habe ihm angesehen, dass er sehr aggressiv war".

Dann schildert Hackl die Ereignisse wie folgt weiter: "Er hat schließlich, als er bei mir war, tatsächlich auf mich eingeschlagen und mich gleich mit dem ersten Schlag am Kopf erwischt. Ich ergriff daraufhin sofort und benommen die Flucht, bekam noch einen Schlag am Rücken ab, ehe ich ins Haus flüchten konnte".

Der ehemalige Rodler trug eine Risswunde an der linken Schläfe davon, die genäht werden musste. Hackl unterstrich, dass der Angeklagte die Eisenstange - einen 50 Zentimeter langen Stahlnagel - immer dabei gehabt hätte, wenn er ihn in Sachen "Schneeräumung" antraf.

Taube Finger und schlechter Schlaf

Die Tatwerkzeuge.

Der Angeklagte schildert den Vorfall exakt andersrum: "Hackl hat zuerst geschlagen und mich an der Schulter sowie am Rücken getroffen". Ein ärztliches Attest, das inzwischen öffentlich verlesen wurde, liegt Staatsanwalt Thilo Schmidt vor. Der Angeklagte: "Ich leide bis heute an den Verletzungen, habe taube Finger in der linken Hand, sie ist seitdem auch extrem kälteempfindlich". Er könne seit dem Tag der Tat obendrein schlecht schlafen.

Der Angeschuldigte selbst will sich "nur gewehrt" und Hackl zwei- oder dreimal an der Hand getroffen haben. "Er hat meine Frau zuvor mit seiner Fräse befräst".

UPDATE 14.05 Uhr:

Lebenslanges Leiden unter dem Nachbarn

Inzwischen hatte die Mutter von Georg Hackl ausgesagt: Sie will den Vorfall vom Fenster des Watzmann-Zimmers ihres Hauses beobachtet haben - exakt so, wie ihn ihr Sohn schildert. Dem widersprach die Gattin des Angeklagten: Sie hat Hackls Mutter nicht gesehen. Diese gab an, bereits ein Leben lang unter dem Nachbarn zu leiden.

Erst als die Mutter Hackls als Zeugin auftrat, wurde Anklage erhoben. Zuvor waren die beiden gegenseitigen Anzeigen fallen gelassen beziehungsweise die Ermittlungen eingestellt worden.

Die Plädoyers

Staatsanwalt Thilo Schmidt sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte als Erster zugeschlagen habe - und Hackl gar nicht - und forderte eine neunmonatige Bewährungsstrafe plus 2.000 Euro für eine gemeinnützige Einrichtung. Er habe die beiden Tatwerkzeuge gewogen: Die Eisenstange wiegt 600 Gramm, die Plastikstange nur 160 Gramm. "Damit kann man nicht derartige Verletzungen herbeiführen, wie sie der Angeklagte angibt", so Schmidt.

Verteidiger Udo Krause forderte Freispruch für seinen Mandanten, da er es als nicht erwiesen ansieht, wer zuerst zugeschlagen habe. Er stellte einen Hilfsbeweisantrag, um von ärztlicher Seite festzustellen, woher der Angeklagte seine Verletzungen habe - wenn nicht von Hackl - und wie er sich diese dann zugefügt haben könnte.

Der Angeklagte beschuldigte in seinem "letzten Wort" die Mutter Hackls der Lüge und versicherte allen Beteiligten, bis zur letzten Instanz zu gehen, um alle Rechtsmittel auszuschöpfen.

UPDATE 14.20 Uhr: 

Das Urteil ist gefallen

Soeben ist das Urteil gefallen: Richter Dr. Liegl gibt der Anklageschrift recht und verurteilt den Angeklagten "schuldig der gefährlichen Körperverletzung" zu acht Monaten auf Bewährung bei einer Bewährungszeit von drei Jahren. Er gehe im Wesentlichen davon aus, dass es sich so abgespielt habe, wie Georg Hackl den Vorfall im Gerichtssaal schilderte. Der Angeklagte erhält zusätzlich die Auflage, 2.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen.

Der Anwalt des Verurteilten hat bereits angekündigt, dass er mit seinem Mandanten in Berufung zu gehen will. Nach seinen Angaben wird sich dann das Landgericht Traunstein mit dem Fall befassen müssen.

bit/ps

Rubriklistenbild: © bit

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