Jugend im Netz - Was ist die größte Gefahr?

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Diskutierten über Chancen und Gefahren des Internets (von links nach rechts): Güldane Akdemir (SPD-Stadträtin Bad Reichenhall, Bezirkstagskandidatin), Dr. Bärbel Kofler, MdB, Roman Niederberger (SPD-Kreisvorsitzender und Landtagskandidat), Doris Aschenbrenner (netzpolitische Sprecherin der BayernSPD und Beraterin von Christian Ude), Seppi Parzinger (Sprecher Jusos Traunstein), Franz Eder (Sprecher Jusos Berchtesgadener Land)

Laufen - „Jugend im Netz“ - unter diesem Titel hatten SPD und Jusos Berchtesgadener Land zu einer Diskussion mit Doris Aschenbrenner in den Gasthof Klosterhof in Laufen eingeladen.

Die 28-jährige Diplom-Informatikerin, die zum Beraterteam des SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl Christian Ude gehört und selbst in Kitzingen für den Landtag kandidiert, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Netzpolitik. Beruflich ist sie in der Robotik-Forschung tätig und engagiert sich unter anderem als Jury-Mitglied bei „Jugend forscht“.

In einem Grußwort sprach die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler die positiven Chancen für die gesamte Gesellschaft durch die modernen Informationstechniken an. Beispielsweise seien gerade für ländliche Räume Fortbildungsangebote im Internet, die unabhängig von Zeit und Ort genutzt werden können, eine spannende Entwicklung.

Der SPD-Kreisvorsitzende und Landtagskandidat Roman Niederberger übernahm die Moderation der Veranstaltung und leitete die Diskussion ein, indem er fragte, wie lange bei den Teilnehmern die letzte Nutzung des Internets zurückliegt. Mehr als drei Viertel der Gäste waren innerhalb der letzten Stunde online; keiner davon war länger als einen Tag ohne Internet-Zugriff. Man sehe auch an diesem kleinen Beispiel, wie sehr die neuen Technologien den Alttag prägen, meinte Roman Niederberger.

Der Sprecher der Jusos Berchtesgadener Land Franz Eder und sein Traunsteiner Kollege Seppi Parzinger sprachen in ihren Beiträgen Chancen und Risiken der neuen Medien an. Während die Mobilisierung junger Menschen für wichtige Anliegen leichter geworden sei, sahen beide im Bereich Datenschutz und beim verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Netzwerken Gefahren. „Unser Bildungswesen muss darauf eine Antwort geben, in der Schule aufklären und mit einem Fach Medienbildung die nötigen Kenntnisse vermitteln“, forderten die Jusos.

„An unseren Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität hat sich durch die neue Informationstechnologie nichts geändert“, stellte Doris Aschenbrenner zu Beginn ihres Beitrags fest. Freiheit bedeute im Bereich der Netzpolitik vor allem, den Widerspruch zwischen Sicherheit und Bürgerrechten auch im Internet zu gestalten. Zu den aktuellen Nachrichten über das US-amerikanische Überwachungsprogramm PRISM erklärte die Netzpolitikerin „Wenn sich die vorher als Paranoia verschrienen Befürchtungen zu Überwachung bewahrheiten, muss Politik und insbesondere die Kanzlerin handeln: Diejenigen, die bereit sind grundlegende Freiheiten aufzugeben, um ein wenig kurzfristige Sicherheit zu erlangen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit (William Temple Franklin).“

Beim Thema Gerechtigkeit ging es ihr zunächst um gleiche Zugangsmöglichkeiten zum Internet: auch in ländlichen Räumen und auch für Menschen, die sich nicht die neueste Technik leisten können. „Wer morgen Ungerechtigkeiten verhindern will, muss heute die digitale Spaltung unserer Gesellschaft bekämpfen“, so Doris Aschenbrenner. Es werde aber trotzdem weiterhin einen Anteil von „Non-Linern“ geben, die keinen Zugriff zum Internet haben oder haben wollen. „Wir dürfen diese Menschen keinesfalls von demokratischer Teilhabe und wichtigen gesellschaftlichen Prozessen ausschließen“, erklärte die Diplom-Informatikerin.

Als Beispiel für den Wert Solidarität in der Welt des Internets führte Doris Aschenbrenner das Online-Lexikon Wikipedia an. „Tausende von Menschen sorgen ohne Bezahlung dafür, dass zu vielen Themen Wissen kostenfrei bereit gestellt wird“. Bei allen Schwierigkeiten mit unsachlichen Beiträgen von sogenannten „Trollen“ und unerwünschter Werbung („Spam“) sei die billige und einfache Verbreitung von Informationen ein wichtiger Fortschritt: „Gerade für wichtige Anliegen wie die Abschaffung der Studiengebühren oder den Schutz des Trinkwassers vor Privatisierung konnten wir über soziale Netzwerke hervorragend mobilisieren“.

Unberechtigte Abmahnungen und überhöhte Gebühren, die Frage nach der Zugriffsberechtigung für digitale Schulbücher, aus dem Ruder gelaufene Facebook-Partys in der Region: diese und viele weitere Themen wurden in der anschließenden lebhaften Diskussion erörtert. „Ich habe die Nutzungsbedingungen gelesen“ sei die am meisten angeklickte Lüge im Internet, so Doris Aschenbrenner – und dies bringe Gefahren im Datenschutz mit sich. Vor allem die Europapolitik sei hier gefordert, um gute Standards festzulegen – die Privatsphäre muss standardmäßig geschützt werden (privacy per default beziehungsweise privacy per design).

Zum Abschluss der Diskussion bekam Doris Aschenbrenner als Geschenk Laufener „Fair Trade“- Schokolade von Roman Niederberger überreicht und rief die Teilnehmer dazu auf, sich im Bereich Netzpolitik aktiv mit ihren eigenen Forderungen und Wertvorstellungen einzubringen.

Pressemitteilung SPD

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