"Wer bei Lidl oder Aldi kauft, wird enterbt"

Freilassing - Am Anfang hatten die Besucher im Gasthaus Rieschen die Wahl, ob sie einen höflichen oder ehrlichen Vortrag hören wollten. Sie wählten einen ehrlichen!

„Wollen Sie einen höflichen oder einen ehrlichen Vortrag von Herrn Klotz hören“, fragte Wolfgang Hartmann eingangs die zahlreichen Besucher im Gasthaus Rieschen. Selbst die Gäste der anderen Freilassinger Stadtratsparteien entschieden sich für ehrliche Aussagen. Eine lebendige Innenstadt hatte Freilassing früher einmal, heute gibt es in Bayern nur eine Stadt, die noch schlechter dasteht. Die großen Einkaufszentren vor den Städten machen die  Innenstädte kaputt, behauptet der Marketing-Experte Christian Klotz. Diese brächten viel Umsatz, dafür wenig Arbeitsplätze und kaum Gewinn für die Stadt. Dies sei nichts Neues. 

Bereits vor 20 Jahren stand  in einem Einzelhandelskonzept das Gleiche, was man jetzt auch im aktuellen „Integrierten Stadtentwicklungskonzept“ finden kann.  „Aber leider lesen Politiker die von ihnen in  Auftrag gegebenen Gutachten nicht“, kritisiert der ehemalige Reichenhaller CSU - Stadtrat. Auch habe man 2005 bei der Ansiedlung von Globus mit etlichen Gutachten und Presseartikeln vor dieser Fehlentwicklung gewarnt.  Der Globus sei für Freilassing zu groß und steht am falschen Platz. „Dies ist eine Politik für die großen Konzerne, aber gegen die Bürger, gegen das Handwerk und gegen regionale Arbeitsplätze. Denn: je billiger das Sortiment und je größer die Flächen, umso weniger Arbeitskräfte werden beschäftigt.“ Gesunde Innenstädte gäbe es in München, Konstanz, Freiburg oder Südtirol mit Verkaufsdichten von 1,5 Quadratmeter pro Einwohner. Freilassing habe seine Verkaufsflächen mit dem Globus auf nahezu vier Quadratmeter pro Einwohner aufgeblasen und somit sind die Immobilien an der Hauptstraße für die Banken nicht mehr viel wert. Entsprechend schlecht fallen dann Kredite für Investitionen aus, so Christian Klotz.

Mit Aldi und Lidl sowie dessen Kunden ging Klotz hart ins Gericht. „Jeder, der dort einkauft, macht große Teile der deutschen Volkswirtschaft kaputt“. Seinen Kindern und Enkeln habe er angedroht, sie zu enterben, falls sie dort einkaufen. Aldi hat gerade mal drei Prozent an Personalkosten, in den Innenstädten liege der Wert bei 18 Prozent.

Freilassing müsse die Besucherfrequenz für die Innenstadt erhöhen. Ein erster Schritt hierfür könne die Umwandlung der Fußgängerzone in einen verkehrsberuhigten Bereich mit wenigen Stellplätzen sein. Ebenso sei ein Stadtmarketing Konzept für Freilassing notwendig. Hierfür müsse man aber am Faktor Mensch ansetzen. Alle Beteiligten, die Hausbesitzer, die Unternehmer, deren Mitarbeiter und  die Politiker gehören an einen Tisch um sie für das Projekt zu begeistern.

Wolfgang Hartmann, Listenführer der Grünen/Bürgerliste verwies zum wiederholten Male auf die Bayerische Verfassung. Der Artikel 153 verlangt ausdrücklich den Schutz von Kleingewerbe und Handwerk. Denn hätten die Verantwortlichen dies in der Vergangenheit beachtet, so gäbe es sicher noch mehr Nahversorger in der Stadt.  Hartmann wünsche sich neue Gesichter mit frischen Ideen in den Stadtrat. Die Grüne/Bürgerliste habe eine Reihe neuer Anregungen in die Diskussion eingebracht. Die Stadt der Eisenbahn benötigt einen zeitgemäßen Bahnhof mit einem „Gläsernen Übergang“ in die Innenstadt. Der Eingangsbereich der Fußgängerzone sollte aufgefrischt werden und der Maisanbau im Zentrum der Stadt, dem Sonnenfeld, gehöre eingestellt.  Besonders stolz sei er auch, dass eine Handvoll engagierter Bürger den Globus-Baumarkt verhindern konnten. Einige dieser Kämpfer stehen nun mit ihm auf derselben Stadtratsliste wie er, bereit sich für die gesamte Stadt zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Darunter seien auch fünf Kandidaten aus der Innenstadt.      

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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