Zwei Millionen Euro Förderung

Waginger See-Rupertiwinkel wird erstes digitales Alpendorf

Kirchanschöring - Die Integrierte ländliche Entwicklung Waginger See-Rupertiwinkel erhält als erstes digitales Dorf zwei Millionen Euro Förderung von der Staatsregierung.

Im Rahmen der Zukunftsstrategie für den bayerischen Alpenraum hat die Staatsregierung die Ile Waginger See-Rupertiwinkel als erstes digitales Alpendorf ausgewählt. Hans-Jörg Birner, 1. Bürgermeister von Kirchanschöring: "Als Vorsitzender der Ile Waginger See–Rupertiwinkel ist es für mich natürlich eine große Freude, dass es uns mit unserer Bewerbung gelungen ist den Wettbewerb zu gewinnen und nun die nächsten Jahre professionelle Unterstützung und eine gute finanzielle Ausstattung auf unserem Weg eine Vorreiterregion auch im Bereich der Digitalisierung zu werden. Wieder einmal hat es sich als ein zukunftsweisender Schritt erwiesen, dass wir uns in der Region zusammengefunden haben und wichtige Themen gemeinsam in der Ile oder Ökomodellregion angehen. Ich freue mich jetzt auf spannende vier Projektjahre."

Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer: "Die digitalen Dörfer bringen den konkreten Nutzen der Digitalisierung in ländliche Gebiete. Ich freue mich, dass wir diese erfolgreiche Initiative jetzt um ein digitales Alpendorf erweitern können. 27 Gemeinden haben sich für diese Chance beworben. Die Region Waginger See-Rupertiwinkel hat mit ihren kreativen Vorschlägen nicht nur die Jury des Wettbewerbs, sondern auch die bayerische Staatsregierung überzeugt. Ich bin sicher, dass die Region – unterstützt von der Technischen Hochschule Deggendorf und der Hochschule Rosenheim - mit den Fördermitteln, die der Freistaat den Projektpartnern für das Modellprojekt zur Verfügung stellt, nützliche digitale Angebote schaffen wird. Davon kann dann der ganze bayerische Alpenraum profitieren. Denn das Modellprojekt wird auch auf ähnliche Kommunen im alpinen ländlichen Raum übertragbar sein. Allein das Wettbewerbsverfahren hat für Aufbruchstimmung gesorgt."

Der Freistaat stellt für das Projekt insgesamt zwei Millionen Euro über die kommenden vier Jahre für Projekte unter anderem in den Bereichen Medizin, Mobilität, Energie, Pflege, Wohnen, Arbeiten und Verbesserung der Nahversorgung zur Verfügung. Vorgeschlagen wurden unter anderem ein Informations- und Buchungssystem für Umweltbildung, ein digitaler Pflegekompass zur Zusammenführung von Ratsuchenden mit Pflegedienstleistern, eine Plattform, die regionale Bauherren mit konkreten Projektideen zur Beseitigung von Baulücken oder Leerständen vernetzt sowie Projekte für Bürgerbeteiligung und Nachbarschaftshilfe. Das digitale Alpendorf wird federführend von der Technischen Hochschule Deggendorf umgesetzt, unterstützt von der Hochschule Rosenheim und unter Einbezug aller wichtigen Akteure der Region. Erste Ergebnisse soll es 2020 geben.

Wann hat sich die Ile Waginger See-Rupertiwinkel beworben und mit welchem Konzept/mit welchen Ideen?

Der Start des Wettbewerbs "Digitales Alpendorf" erfolgte im Februar 2018. Von acht Wettbewerbsteilnehmern, die bis 14. März ihre Teilnahme erklärt hatten, haben sieben Gemeinden oder Gemeindeverbünde (insgesamt 27 Gemeinden) die vollständigen Wettbewerbsunterlagen eingereicht. Es handelt sich um folgende Gemeinden beziehungsweise Gemeindeverbünde:

  • Berchtesgadener Land
  • Engelsberg
  • Oberammergau
  • Oberstaufen
  • Schwangau
  • Waginger See - Rupertiwinkel
  • Weyarn

Die Ile Waginger See – Rupertiwinkel überzeugte Jury und Staatsregierung mit folgenden Konzepten/Ideen:

  • Findet Naturabenteuer: Ein Webangebot zeigt und vernetzt auf einer Karte Umweltbildungsangebote, liefert Kontextinformationen, erleichtert die Suche, macht diese buchbar und verbindet zum Beispiel über soziale Netze zu Ansprechpartnern.
  • Zukunftswohnen auf dem Land: Eine Website bringt regionale Bauherrengruppen/Genossenschaften, Baulücken/Leerstände und konkrete Projektideen zusammen und dient damit dem Erhalt dörflicher Substanz.
  • Digitaler Pflegekompass/Digitaler Pflegelotse: Soll Ratsuchende und Pflegedienstleister vor Ort verständlich informieren und bei Bedarf zusammenführen.
  • Digitale Zusammenarbeit der Rathäuser im Kommunalverbund: Anbindung an die Plattform "Dohoam 4.0" aus dem digitalen Dorf-Modellprojekt Frauenau/Spiegelau ermöglicht vielfältige Formen von Bürgerinformation, Bürgerbeteiligung und Nachbarschaftshilfe.

Welche Kriterien mussten dafür erfüllt werden, um sich überhaupt bewerben zu können?

Folgende Kriterien waren für eine Bewerbung verpflichtend zu erfüllen:

• Regionale Auswahl: Gebietskulisse war der Anwendungsbereich der Alpenkonvention mit 284 Gemeinden in den Regierungsbezirken Oberbayern und Schwaben (https://www.stmuv.bayern.de/ministerium/eu/zusammenarbeit/alpenkonvention/gemeinde.htm

• Mindestgröße 2.000 Einwohner zum Erreichen einer kritischen Mindestmenge von potentiellen Unterstützern und Teilnehmern vor Ort, aber keine Mittel- oder Oberzentren (zum Zeitpunkt der Bewerbung).

Jetzt ist die ILE ja kein "Dorf", sondern wie der Name schon sagt, eine Region. Spielte dies bei der Auswahl eine Rolle?

Kooperative Bewerbungen von Gemeinden, beispielsweise im Rahmen der Integrierten ländlichen Entwicklung (Ile) oder einer Kette zusammenarbeitender Gemeinden, waren möglich und auch ausdrücklich erwünscht, aber keine Voraussetzung. Alle vollständigen Einreichungen wurden einer Expertenjury aus unabhängigen Wirtschafts- und Digitalisierungsfachleuten zur Auswahl vorgelegt. Die Empfehlung der Jury diente als Entscheidungsgrundlage für den Ministerrat.

Jurymitglieder:

• Margit Berndl, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e. V.

• Daniel Bieber, Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e. V.

• Beatrix Drago, Amt für ländliche Entwicklung Oberbayern

• Cornelia Hesse, bayerischer Gemeindetag

• Günter Neubauer, Institut für Gesundheitsökonomik

• Herbert Vogler, Bayerischer Industrie- und Handelskammertag

Inwieweit wird kontrolliert, dass die Gelder auch für den in der Ausschreibung geforderten Zweck eingesetzt werden?

Die Mittelverwendung öffentlicher Gelder ist im bayerischen Haushaltsrecht gerade im Bereich von Fördermaßnahmen streng geregelt. Die zweckmäßige, zweckgebundene und sparsame Verwendung der Fördermittel muss im Interesse des Steuerzahlers eingehalten und auch – in diesem Fall gegenüber dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Energie und Technologie als federführender Behörde – lückenlos nachgewiesen werden. Im vorliegenden Fall werden die Fördermittel über eine sogenannte Zuwendung zur Projektförderung ausgereicht, deren verbindlich geltende Nebenbestimmungen hier einzusehen sind.

Pressemeldung der Gemeinde Kirchanschöring

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance/Armin Weigel/

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