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Die Kinderstube für den Klimawald

Im Pflanzgarten Laufen-Lebenau werden die Pflanzen für den Wald der Zukunft nachgezogen

Bereits bis zu einem Meter hoch sind die mehrjährigen Ulmen- und
Ahornpflanzen. Betriebsleiter Andreas Ludwig begutachtet seine „ältesten“. Die Ulmen- und Ahornpflanzen (im Hintergrund) gedeihen prächtig.
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Bereits bis zu einem Meter hoch sind die mehrjährigen Ulmen- und Ahornpflanzen. Betriebsleiter Andreas Ludwig begutachtet seine „ältesten“. Die Ulmen- und Ahornpflanzen (im Hintergrund) gedeihen prächtig.

Der Pflanzgarten Laufen-Lebenau soll dem Klimawandel Einhalt gebieten. Unter der grünen Pracht finden sich verschiedenste Arten.

Laufen - Sie stehen in langgezogenen Reihen dicht an dicht, ein-, zwei- oder mehrjährige Pflanzen unterschiedlichster Waldbaumarten, wie Eiche, Buche, Tanne und viele mehr. Manche sind noch recht  klein und zart und werden mit dunkelgrünen Netzen gegen Sonne, Wind und Wetter geschützt. Andere zeigen schon stolz ihr erstes Blätterkleid, während die „Ältesten“ sich mit ihrer inzwischen stattlichen Höhe von bis zu einem Meter selbstbewußt der Sonne entgegenstrecken. In der Kinderstube des Waldes von morgen,  im Pflanzgarten Laufen-Lebenau der Bayerischen Staatsforsten, fühlen sich alle an diesem herrlichen Frühsommertag sichtlich wohl. Die lang vermisste Sonne strahlt vom Himmel, die Böden sind nach den regenreichen Monaten April und Mai gut mit Wasser gefüllt. Gehegt und gepflegt von den elf Mitarbeiterinnen und drei Mitarbeitern werden die Pflanzen bis zum Herbst einiges an Höhe zulegen. Dann wird ein Teil von ihnen ausgehoben und überwiegend  in den Wäldern der Bayerischen Staatsforsten im südlichen Bayern ausgepflanzt werden. Auch an die Waldbesitzer in der Umgebung werden, wie seit vielen Jahren, in geringeren Mengen wieder Pflanzen verkauft werden. Wegen Corona war dies im letzten Jahr leider nicht möglich. Denn auch in den Privatwäldern werden viele Pflanzen benötigt, um den Wald für die Zukunft im Klimawandel fit zu machen. 

Der Wald der Zukunft entsteht im Pflanzgarten Laufen-Lebenau

Die Kinderstube gegen in Klimawandel
Die Kinderstube gegen in Klimawandel © Monika Konnert
Die Kinderstube gegen in Klimawandel
Die Kinderstube gegen in Klimawandel © Monika Konnert
Die Kinderstube gegen in Klimawandel
Die Kinderstube gegen in Klimawandel © Monika Konnert
Die Kinderstube gegen in Klimawandel
Die Kinderstube gegen in Klimawandel © Monika Konnert
Die Kinderstube gegen in Klimawandel
Die Kinderstube gegen in Klimawandel © Monika Konnert
Die Kinderstube gegen in Klimawandel
Die Kinderstube gegen in Klimawandel © Monika Konnert
Die Kinderstube gegen in Klimawandel
Die Kinderstube gegen in Klimawandel © Monika Konnert
Die Kinderstube gegen in Klimawandel
Die Kinderstube gegen in Klimawandel © Monika Konnert
Die Kinderstube gegen in Klimawandel
Die Kinderstube gegen in Klimawandel © Monika Konnert
Die Kinderstube gegen in Klimawandel
Die Kinderstube gegen in Klimawandel © Monika Konnert

„Die Nachfrage nach Pflanzen für einen klimastabilen Wald wächst rasant“, erklärt Pflanzgartenleiter Andreas Ludwig bei einem Rundgang durch den Betrieb. 1,5 Millionen Forstpflanzen unterschiedlichster Baumarten und Herkünfte  habe man im letzten Jahr hier produziert. Auf drei Hektar habe man in diesem Frühjahr neu ausgesät. Viele Pflanzen, die jetzt in den Beeten stehen, sind bereits vorreserviert. Man arbeite mit der Produktionskapazität an der oberen Grenze, mehr gehe nicht, so Andreas Ludwig weiter. Die nur 12,5 Hektar große Produktionsfläche bei Laufen lasse keine höheren Stückzahlen zu. Zumal man sich trotz der hohen Nachfrage auch dem Naturschutzgedanken und dem pfleglichen Umgang mit dem Boden verpflichtet fühlt. Nur Gründdüngung,  sehr wenig Chemie,  Flächenrotation und zeitweise Stillegung hätten dazu geführt, dass sich der Humuszustand des Bodens deutlich verbessert hat und die Regenwurmdichte extrem hoch ist. Auf solchen Böden bilden die Pflanzen ein dichtes Wurzelwerk, wachsen kräftig und gesund. Nach der Auspflanzung im Wald  fördert dies den Anwuchs und die  Stabilität, gerade in Zeiten zunehmender Stürme ein wichtiger Faktor. Auf Teilflächen des Forstgartens, die wegen ihrer Hanglage nur schlecht mit Maschinen bewirtschaftet werden können, wurden dauerhaft Wildblumenwiesen angelegt, die durch ihre Blütenpracht und  Insektenvielfalt beeindrucken und Abwechslung in die gepflegte Gartenlandschaft bringen.     

Vielfalt ist für den Betriebsleiter ein wichtiges Stichwort. „Wir ziehen eine Vielfalt an Baumarten und Herkünften an“, so Ludwig. Denn im  Klimawald müsse man das Risiko streuen. „Es braucht viele unterschiedliche Baumarten, Stichwort „Mischwald“, aber auch kleinräumig die passende Herkunft für jede Art. „Für die trockenen Standorte des Altmühltals werden beispielsweise andere Buchenherkünfte gebraucht, als in den Alpen  oder den Ostbayerischen Mittelgebirgen“, so der Pflangartenleiter weiter. Und weil man es dem Samen äusserlich nicht ansieht, woher er kommt, legen die Laufener Fachleute größten Wert auf Herkunftssicherheit und Herkunftskontrolle. Zum einen, indem sie  selbst ernten, aussäen, verschulen und verkaufen. „Produktion aus einer Hand“ nennt der Betriebsleiter seine Unternehmensphilosophie, die es in der Baumschulbranche so kaum noch gibt. Zum anderen, indem im Pflanzgarten Laufen  nur zertifiziertes Saat- und Pflanzgut produziert wird, nach dem in Süddeutschland entwickelten und inzwischen gut etablierten „ZüF“ - System. ZüF steht für „Zertifizierung überprüfbare forstliche Herkunft“ und erlaubt die Kontrolle der Herkunft von Samen und Pflanzen mit modernen genetischen Methoden. 

Neben den bekannten Hauptbaumarten wie Buche, Fichte, Weißtanne, Eiche oder Bergahorn wachsen in den langgezogenen Beeten in Laufen auch sogenannte Begleit- oder Sonderbaumarten, wie Erle, Hainbuche,  Winter- und Sommerlinde, Flatter- und Feldulme, Elsbeere oder Eibe. Im Klimawandel werden sie zur Bereicherung und Diversifizierung der Baumartenpalette immer wichtiger. Auch einige nichtheimische Baumarten wie Roteiche und Douglasie werden hier  angezogen. Im Klimawandel steigt auch bei diesen Arten die Nachfrage als Alternative oder Ergänzung zu den  heimischen Arten je nach Standort und Waldgesellschaft. 

Der Pflanzgarten Laufen ist auch der Hauptproduzent von Pflanzen für die Schutzwaldsanierung in den Bayerischen Alpen. Die dazu benötigten Pflanzen – Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche – werden einzeln in kleinen, verrottbaren Gefäßen, den Containern, angezogen. So können sie ohne Zeitdruck auch im Sommer ausgepflanzt werden, wenn die Witterung im Gebirge es zuläßt. Für die Flachlandbetriebe wird Elsbeere in Containern produziert, eine seltene Baumart, die besonders wertvolles Holz liefert.

Das Pendant für Nordbayern in punkto Pflanzgarten liegt in Bindlach bei Bayreuth, mit ähnlicher Größe und Unternehmenstrategie, nur die Herkünfte und Sortimente variieren, wie sich auch die Waldstandorte in Nord- und Südbayern unterscheiden. 

Beide Pflanzgartenstützpunkte der Bayerischen Staatsforsten sind nicht nur wichtige Pflanzenproduzenten sondern auch gesuchte Berater und Dienstleister in punkto Forstvermehrungsgut, auch dies mit zunehmender Tendenz.  Denn zur Anzucht von Forstpflanzen braucht es ein spezifisches Fachwissen, dass in den letzten Jahrzehnten, als man vor allem auf Naturverjüngung setzte, stark ausgedünnt worden ist.  Die Begründung eines zukunftsfähigen Waldes beginnt nämlich nicht bei der Durchforstung und nicht bei der Auspflanzung,  sondern bereits mit der Samenernte und mit einer guten Kinderstube. Im Pflanzgarten  Laufen kann man sehen, was das bedeutet. 

Monika Konnert

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