"Hier bin ich"

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Die frisch geweihten Priester Stefan Leitenbacher (l.) und Josef Fegg beim Empfang in ihrer Heimatgemeinde.

Teisendorf - Gleich zwei Primizen darf der Pfarrverband Teisendorf in diesem Jahr feiern. Die erste steht kurz bevor, die zweite folgt auf den Fuß.

Sie heißen Josef Fegg und Stefan Leitenbacher und kommen aus Wimmern bzw. Kleinrückstetten. Am vergangenen Samstag sind sie von Erzbischof Kardinal Reinhard Marx im Hohen Dom zu Freising zum Priester geweiht worden. Sie antworteten auf den Ruf von Kardinal Marx: „Hier bin ich“.

Die Priesterweihe

In einer beeindruckenden fast dreistündigen Feier spürten die Besucher im überfüllten Dom zu Freising förmlich die Spannung der freudigen Erwartung der jungen Männer auf die Weihe zum Priester. Die große Menge an Gläubigen wollten ihre Söhne, Brüder, Freunde und Bekannten auf ihrem Weg ins Priesteramt begleiten. Viele hatten Klappsessel und –stühlchen mitgebracht in der wohlweislichen Vorausahnung, keinen Sitzplatz mehr zu bekommen. Neben den Eltern und engsten Verwandten, der im Berchtesgadener Land beheimateten Primizianten, kamen die Teisendorfer aus St. Andreas und St. Georg mit zwei Bussen und vielen Privatautos nach Freising, die Trachtler begleiteten ihren ehemaligen aktiven Buam Stefan Leitenbacher mit einer Abordnung und der Vereinsfahne.

Lang ausgestreckt auf dem Boden liegend hörten die Weihekandidaten die Allerheiligenlitanei. Mit der Handauflegung rief der Bischof den Heiligen Geist auf jeden einzelnen herab, um die Weihe zum Priester zu vollziehen. Mehr als 180 anwesende Priester legten anschließend nach und nach die Hände auf, damit die Einheit der Priesterschaft zu bekunden. Nach altem Brauch obliegt es dem Heimatpfarrer, die Priesterkandidaten anschließend mit dem Messgewand anzukleiden. Mit Chrisam salbte der Bischof die Hände der Neugeweihten. Zum Zeichen der Wandlungsgewalt bekamen die Priester den Kelch und die Patene (Opferschale) überreicht, der Kardinal legte noch einmal die Hände auf, um ihnen formell die Sündenvergebungsgewalt zu übertragen und schließlich versprachen die jungen Priester dem Bischof ihren Gehorsam. Zum Ersten mal durften sie anschließend das Heilige Messopfer darbringen und spendeten die Kommunion an die Gläubigen.

Priesterweihe im Freisinger Dom

Sichtlich ins Gesicht geschrieben stand den jungen Männern die Freude und Erleichterung nach der Zeremonie, Glück strahlte aus ihren Gesichtern beim großen Auszug aus dem Dom und spannende Erwartung auf die nächsten Tage, die im Empfang in den Heimatgemeinden und –pfarreien und der Heimatprimiz gipfeln.

Die erste Primiz

Genau diese feiert Josef Fegg am kommenden Sonntag in Teisendorf. „Bald schon habe ich gespürt, dass der Herrgott was von mir will – doch das war mir nicht gerade angenehm“, gibt der 30-Jährige zu. Neben seinem Leben geborgen in der Familie mit all seinen Vorkommissen und mit Lausbubenstreichen, wie sie den Buben einfallen, erinnert er sich ganz besonders gerne an seine Zeit als Ministrant in der Pfarrei St. Andreas.

Josef Fegg

Bewusst wählte er nach dem Realschulabschluss die Banklehre, ging zur Bundeswehr und arbeitete später weiter bei der Bank. „In der Bank war ich falsch am Platz.“ So machte er in Salzburg sein Abitur und besuchte anschließend – was er eigentlich schon lange wusste – das Priesterseminar. Er durfte viel lernen, Freunde finden, und er lernte die Kirche von vielen Seiten kennen. „Wo es Menschen gibt, da menschelt es.“ Leider habe er auch erlebt, wie sehr manchmal die Kirche und ihre Amtsträger an den Sorgen und Nöten der Menschen einfach vorbeigehen und eben so gar nicht das tun, was sie tun sollten.

Dies sieht er als Ansporn und Chance für und in der Kirche. Nach seinen Zukunftswünschen gefragt: „Am liebsten eine kleine Pfarrei auf dem Land, in den Bergen. Das sehe ich aber eher nur als Träumerei. Die Realität zeigt, dass wir als Priester überall gebraucht werden und willkommen sind.“

Der Empfang der Primizianten

Willkommen hießen die Teisendorfer 'ihre' Primizianten am vergangenen Sonntag auf dem dicht gefüllten Marktplatz. Der Kinderchor unter Leitung von Cäcilia Sommer begrüßte mit Liedern. „Zwei Mitbürger mit einem ganz anderen Lebenslauf als die meisten anderen,“ sagte Bürgermeister Franz Schießl. „Wir sind dankbar, dass ihr den Ruf Gottes vernommen habt.“

Der Bürgermeister bedankte sich bei allen für die Arbeit der Vorbereitungen und wünschte sich für die Primizen einen weiß-blauen Himmel so wie heute. „Es wir keine Autobahn sein, sondern oft ein holpriger Feldweg. Aber treue Wegbegleiter sind für Euch da, auch ganz von oben.“ Landrat Georg Grabner zeigte sich sichtlich stolz auf seine zwei Teisendorfer Primizianten. „Gestern die sehr bewegende Weihe im Dom zu Freising und heute seit ihr da! Ein herzliches Grüß Gott!“

Großer Bahnhof in Teisendorf

Die Jugendgruppe des Trachtenvereins D’Raschenberger Teisendorf brachte dem sichtlich bewegten ehemaligen aktiven Buam Stefan Leitenbacher das Mühlradl und einen Plattler. „Ich bin überwältigt“, so Stefan Leitenbacher. „So viele Leute… Als ich gestern nach Hause gefahren bin, ging mir das Herz auf nach den so ereignisreichen Tagen. Bei der Weihe sah ich so viele Leute aus der Heimat. Ich weiß, wo ich hingehöre und wo ich daheim bin.“

Für Sepp Fegg war es kaum zu begreifen, was da vorging. „Gestern in Freising, dann abends in Wimmern und heute der grandiose Empfang.“ Ihm fehlten die Worte, aber das Herz sei voll. „Es ist wohl nicht der leichteste Weg, aber wenn so viele dahinter stehen, dann packen wir das.“

In einem langen Zug – angeführt von der Musikkapelle ging es durch die Marktstraße zum Marienbrunnen. Mit einer kleinen Andacht und dem Dank an die Mutter Gottes beschlossen Stefan und Sepp die Feier.

Die zweite Primiz

Stefan Leitenbacher

Die Primz-Feierlichkeiten stehen für Stefan Leitenbacher dann am Sonntag, den 10. Juli in Kleinrückstetten (zwischen Rückstetten und Lauter) an. An den mächtigen Linden mit der wunderschönen Kapelle wird der Freialtar stehen, an dem Stefan sein erstes Heiliges Messopfer feiern wird.

"Ich bin ein wenig neugierig, wo ich als Kaplan hinkomme und ich will als Priester für die Menschen da sein und versuchen, gemeinsam mit ihnen den Glauben zu leben und zu fördern“, verrät der 31-Jährige, der mit zwei Geschwistern auf dem elterlichen Hof in Kleinrückstetten aufgewachsen ist. Er wählte in seinem beruflichen Werdegang den Weg über die Realschule, darauf folgend eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker und den Zivildienst als individueller Schwerstbehindertenbetreuer.

Schon während der Ausbildungszeit kam der Wunsch auf, Priester zu werden. Er holte auf der Berufsoberschule in Traunstein sein Abitur nach, trat ins Priesterseminar St. Johannes d. Täufer in München ein und studierte katholische Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität. Für ein Semester ging er nach Wien, um anschließend ab März 2006 für fünf Monate in Chile (Villarica – 780 km südlich von Santiago de Chile) in einer Pfarrei mitzuarbeiten. "Es war immer ein Ringen und der Weg bis hierher war für mich nicht leicht. Doch durfte ich immer erfahren, wie sehr mich Gott meinen Weg geführt hat.“

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