Fasslfeier endet in Katastrophe

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Ainring/Freilassing - Mehrere Menschen treiben in der Saalach - Großeinsatz für die BRK-Wasserwacht! Zum Glück aber alles nur eine Übung.

Es war eine heitere Fasslfeier am Saalachufer vor dem Klärwerk im Ainringer Ortsteil Bruch; doch dann beschließen drei noch angetrunkene junge Leute am frühen Morgen, als Mutprobe den Fluss schwimmend zu durchqueren und werden in der starken Strömung abgetrieben. Geweckt von den Hilferufen stürzen die restlichen sieben Jugendlichen aus ihren Zelten und Schlafsäcken, um zu helfen, wobei eine junge Frau in die noch heiße Feuerstelle fällt und sich schwere Verbrennungen zuzieht. Die anderen laufen am Ufer ihren Freunden hinterher oder springen ins Wasser, um sie zu retten. Was klingt wie ein schlimmes Unglück war zum Glück nur eine große Übung: Die vier Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) der BRK-Wasserwacht im Landkreis mussten am Samstagvormittag unter harten Bedingungen an einem drei Kilometer langen Abschnitt der Saalach all ihr Können und ihre Technik ausspielen, um das schwierige Einsatzszenario erfolgreich abarbeiten zu können.

BRK-Übung an der Saalach

Die Temperatur ist über Nacht auf acht Grad gefallen und das Wasser der Saalach sucht sich lautlos in breiter Bahn seinen Weg durch den Auwald zur Mündung in die Salzach. Im feuchtkalten, monotonen Nieselregen sind nur wenige wackere Morgensportler oder Spaziergänger mit ihren Hunden unterwegs; von den Bergen schaut ja schon der Schnee runter. Gegen 9 Uhr wird es dann schlagartig richtig laut: Schreie zerreißen die Totenstille und ein ahnungsloser Passant trifft einen der aufgelösten Übungsmimen beim Zollhäusl und setzt sofort per Handy bei der Leitstelle Traunstein einen Notruf ab; die Disponenten wissen Bescheid und alarmieren alle Wasserwachten des Landkreises. „Heuer sind besonders viele junge Frauen und Männer mit dabei, die oft gerade erst ihre Ausbildung zum Wasserretter abgeschlossen haben. Sie wussten, dass eine Übung stattfinden wird, aber nicht was sie erwartet und wo sie hin müssen; demensprechend groß war die Spannung“, erklärt Martin Planegger, stellvertretender Technischer Leiter der Berchtesgadener Wasserwacht, der das Szenario zusammen mit seinen Kollegen Siegi Hauber aus Bad Reichenhall, Gerhard Wesenauer aus Freilassing und Sabrina Schauer aus Laufen ausgearbeitet hatte.

Kreis-Wasserwacht-Chef Rudi Schierghofer und sein Amtsvorgänger Alfons Kandler sind mit Begeisterung dabei und verfolgen als Zuschauer gespannt, was ihre Leute alles leisten. Befreundete Helfer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aus dem Landkreis Traunstein und vom Technischen Hilfswerk (THW) Berchtesgadener Land mimen die Verletzten und Betroffenen. Einsatzleiter ist Freilassings Wasserwacht-Chef Peter Graf; bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Umgeben von fleißigen Schreibdamen schickt er sofort Suchmannschaften auf den Uferwegen los und lässt zeitgleich Rettungsboote von den Trailern wassern, die den Flussabschnitt bis zur Staustufe innerhalb weniger Minuten abfahren. Die Lage ist unübersichtlich und die psychisch angeschlagenen Zeugen können nur ungenaue Angaben machen, wo sie ihre Freunde zuletzt gesehen haben und wie viele überhaupt beteiligt sind. „So wie bei echten Einsätzen oft auch“, weiß Graf aus jahrzehntelanger Erfahrung. Es entwickelt sich ein mehrstündiger und schwieriger Rettungs- und Sucheinsatz, der jeden der 35 Wasserretter voll fordert. Einer der Schwimmer klammert sich mit letzter Kraft an den Pfeiler der Bahnbrücke und kann von den Einsatzkräften gerade noch ins Schlauchboot gezogen werden; ein anderer ist in der Nähe untergegangen – keiner weiß wo genau und das Wasser ist trüb wie milchiger Kaffee.

Aus dem Rettungseinsatz wird schnell eine komplexe Vermisstensuche unter Zeitdruck. „Für die brauchen wir jede Menge Leute, denn mit jeder Minute sinkt die Überlebenschance im kalten Wasser“, weiß Hauber aus Erfahrung. Ein Unterkühlter nach dem anderen kommt per Boot am Zollhäusl an und wird unter vereinten Kräften über die Böschung nach oben zur Patientenablage getragen, dort registriert und weiter versorgt. Einige haben zusätzlich Verletzungen, die versorgt werden müssen. „Da jeder Wasserretter zugleich auch Sanitäter ist, können unsere Leute einen Patienten auch umfassend notfallmedizinisch erstversorgen“, erklärt Planegger.

Sanitäter der BRK-Bereitschaft Freilassing stehen bei der Übung für echte Notfälle mit einem Rettungswagen im Hintergrund bereit, spielen aber auch ein wenig beim Wasserwacht-Einsatz mit. Alles was passiert dokumentieren die Mitarbeiter im Einsatzleitfahrzeug; sie arbeiten als Übungsleitstelle und kümmern sich auch darum, dass die Such- und Rettungstrupps auf dem drei Kilometer langen Flussabschnitt per Funk einwandfrei untereinander kommunizieren können. „Bei Bedarf können wir eine Relaisstation schalten, die dann die Reichweite erhöht“, erklärt Rettungsassistent Till Schöndorfer, der heute mit in der mobilen Kommandozentrale sitzt.

Die Übenden haben ihr Bestes gegeben und mit den Helfern der anderen Ortsgruppen eng Hand in Hand zusammengearbeitet. Nach rund einer Stunde ist deshalb der eigentliche Rettungseinsatz schon vorbei; die Mimen sind sichtbar froh darüber, denn im Wasser und am feuchten Uferboden wurde jede Warteminute immer mehr zur Zitterpartie. Während sich die ersten bereits bei heißem Kaffee und einer kleinen Brotzeit stärken, montiert Laufens Wasserwacht-Chef Christoph Scharf das neue mobile Echolot-Gerät mit Sidescan-Technologie auf dem Freilassinger Rettungsboot, denn noch immer wird ein versunkender Schwimmer vermisst.

Mit dem überdimensionalen Scanner fahren die Retter dann den Flussabschnitt in Schleifen komplett ab und erstellen dabei eine fotorealistische Gesamtaufnahme vom Gewässerboden.

Plötzlich tauchen die Umrisse einer zuvor versenkten Puppe auf dem Bildschirm auf. „Im trüben Wasser liegt die Sicht für unsere Rettungstaucher bei Null; mit dem Echolot können wir Personen oder Gegenstände aufspüren, markieren und dann bergen“, erklärt der Technische Leiter der Kreis-Wasserwacht, Siegfried Hauber, der als Übungsleiter verfolgt, ob seine Leute alles richtig machen. Ein zweites Boot mit Rettungstaucher Günter Eisenschink und Leinenführer Christoph Golser wird punktgenau dorthin gelotst: Wie ein Frosch im Rückwärtssalto kippt Eisenschink im schweren Trockentauchanzug in die Saalach – das Wasser ist hier drei Meter tief und am Grund kommt kein Licht mehr an. Er muss sich über die Leine gesichert in der trüben Suppe mit den Händen bis zur Puppe vortasten. Minuten vergehen, dann hat er den 70 Kilo schweren Brocken gepackt und zieht ihn an die Oberfläche. „In echt wäre das jetzt eine Totenbergung“, erklärt Hauber.

„Solche Übungen sind vor allem immer wieder eine große Gaudi, vor allem wenn man mit den anderen Ortsgruppen zusammenkommt“, schwärmt der 18-jährige Tobi Walser, der als Wasserretter im Neoprenanzug offenbar heute nicht genug vom kalten Saalachwasser bekommen kann. Immer wieder ist er ganz vorne mit dabei, wenn wer in den Fluss steigen muss. Bis zum Bauch im Wasser schiebt er zusammen mit Florian das Freilassinger Rettungsboot über die steile Böschung auf den Trailer, während seine Kollegen von oben allesamt fest an der Leine ziehen.

Trotz drei Stunden Arbeit im Freien bei feuchtkalter Witterung und Regen ist am Ende keinem der Teilnehmer das Lachen vergangen. Die Klamotten sind durchnässt, die Ausrüstung ist verdreckt und muss geputzt werden, aber jeder ist richtig gut drauf, als Monika Graf zur Abschlussbrotzeit ins Stüberl im Rotkreuz-Haus einlädt. „Die Mimen wurden rasch gerettet und gut versorgt. Wir sind vor allem mit dem Führungsstil von Peter Graf und seinen Abschnittsleitern sehr zufrieden. Für einige der jungen Helfer war heute die erste richtig große Übung und sie haben bewiesen, dass sie im Team mit den alten Hasen auch schwierige Aufgaben rasch lösen können“, lobt Planegger abschließend.

Pressemitteilung BRK

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser