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„Moralisch verwerflich“, aber...

Russisches Gas für Kindergarten-Heizung in Freilassing?

Kindergarten Freilassing Russland Gas.jpg
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Trotz russischem Angriffskrieg und Abhängigkeit waren viele Stadträte der Meinung, sich jetzt für eine Gasheizung auszusprechen

Der Punkt „Sanierung der Heizung im Kindergarten Schumannstraße“ klang harmlos, hatte aber doch eine enorme Sprengkraft in sich. Denn was den früheren Bundesregierungen seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine vorgeworfen wird, sich aus wirtschaftlichen Gründen vom russischen Gas abhängig gemacht zu haben, zeigte sich im Stadtrat am Dienstagabend (26. April) in Freilassing.

Freilassing – Auch hier standen von einer Pellets-Heizung bis zum Erdgaskessel mehrere Möglichkeiten zur Auswahl, und trotz russischem Angriffskrieg und Abhängigkeit waren viele Stadträte der Meinung, sich jetzt für eine Gasheizung auszusprechen „klingt zwar verwerflich, aber wenn wir an den Haushalt der Stadt Freilassing denken“ sei doch die Gasheizung am wirtschaftlichsten, so die Freien Wähler. Auch die CSU war für einen Erdgas-Kessel. Nach einigem Hin und Her einigte man sich am Ende knapp darauf, die Entscheidung zu vertagen. 

Im Januar hatte der Stadtrat eigentlich schon beschlossen, für den Kindergarten in der Schumannstraße einen neuen Pellets-Kessel für knapp 200.000 Euro zu kaufen, zwei Monate später entschied eine Mehrheit im Stadtrat dann allerdings ein Zurück an den Start, alle anderen Varianten wie Erdgas & Co. sollten noch einmal geprüft werden.

Noel Kress von der Stadtverwaltung legte das Ergebnis der neuerlichen Prüfung am Dienstagabend (26. April) vor und sieht da: wieder überzeugte der Pellets-Kessel man Investitionskosten, Jahresgesamtkosten und Wärmegestehungskosten zusammenfasst. „Der Pellets-Kessel ist zwar beim Bau mit am teuersten, aber bringt dann die effektivsten Kosten pro Kilowattstunde, auch wegen der hohen Förderung“. Die Gaskosten könne wegen des Ukraine-Konflikts niemand einschätzen, gemeint war der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. 

„Moralisch verwerflich“, aber…

Ein Konflikt bahnte sich dann vielmehr im Stadtrat an, die Tatsache, dass die EU und speziell Deutschland durch hohe Gaslieferungen Russland und damit den Krieg finanziere und Russland nach Polen und Bulgarien vielleicht auch Deutschland irgendwann den Gashahn zudreht, kümmerte Thomas Ehrmann von den Freien Wählern offensichtlich wenig, „es klingt moralisch verwerflich, aber wir sollten die Variante Gas weiterverfolgen, wenn man sich die Haushaltslage Freilassings anschaut“. Gestiegen sei ja nicht nur der Gaspreis, sondern auch die Kosten für Pellets, „wir von den Freien Wählern sind für eine Gasheizung, also einen Erdgaskessel für den Kindergarten“.

Der Punkt „Sanierung der Heizung im Kindergarten Schumannstraße“ klang harmlos, hatte aber doch eine enorme Sprengkraft in sich.

Erdgas oder Erdöl? 

Auch Hubert Kreuzpointner von der CSU konnte sich mit dem Vorschlag der Stadtverwaltung für Pellets nicht anfreunden, er habe am Nachmittag die Bundespressekonferenz mit Wirtschaftsminister Robert Habeck verfolgt und dabei erfahren, dass das problematische Gas aus Russland schon auf einen Anteil von 12 Prozent zurückgefahren werden konnte und in Kürze ganz auf null sei.

Tatsächlich sprach Habeck nach einem Treffen mit dem polnischen Wirtschaftsminister nicht in Berlin, sondern in Warschau nicht vom russischen Gas, sondern vom russischen Rohöl, von dem Deutschland schon in wenigen Tagen unabhängig sei. Gegen Pellets würden nach Ansicht des CSU-Fraktionsvorsitzenden auch Umweltschutzgedanken sprechen, „wir haben in der Region kein Pellets-Werk, das heißt die müssen hunderte Kilometer herangekarrt werden“. Die CSU wolle daher auch die wirtschaftlichste Lösung, also einen Erdgaskessel. 

Stadtrat hat PV-Anlage am Kindergarten

Statt den Grünen übernahm am Dienstagabend Robert Judl von ‚Pro Freilassing‘ die Rolle des Umweltschützers, „wir sind im Jahr 2022 und sollten auf fossile Brennstoffe endlich verzichten, wenn wir den CO2-Ausstoss reduzieren wollen“. Gas sollte eher nur mehr für die Industrie eingesetzt werden aber kleinere Einheiten, wie eben ein Heizkessel für einen Kindergarten, sollten doch schon mit alternativen Energien betrieben werden können.

Judl hatte auch eine Überraschung parat, „es gibt ja auch eine Photovoltaik-Anlage am Kindergartendach, sie gehört dem Mann hinter mir“, gemeint war Pro Freilassing-Stadtrat Bernhard Schmähl. Dieser sei gesprächsbereit, so Judl, in der Sitzung sprach Schmähl dazu aber nicht. Pro Freilassing wolle keinem fossilen Brennstoff zustimmen, „Pellets auch nicht“.

„Wie oft wollen wir noch prüfen?“ Helmut Fürle

Nicht nachvollziehen konnte SPD-Stadtrat Helmut Fürle die neuerliche Diskussion, „wie oft sollen wir denn noch prüfen, die Pellets-Heizung hat den geringsten CO₂-Ausstoß“, und Fürle weiter, „jetzt noch auf Gas zu setzen ist der Bevölkerung nicht vermittelbar in diesen Zeiten“.

Bürgermeister Markus Hiebl konnte keine Mehrheit mehr ausmachen und schlug vor, die Entscheidung zu vertagen, „bevor wir uns zu Tode diskutieren“, Kreuzpointner sah allerdings schon eine breite Mehrheit, für den Gaskessel.

Lukas Maushammer von den Grünen hatte die Lösung: „Stimmen wir doch zuerst ab, ob wir abstimmen wollen oder den Antrag zurückstellen“. Gesagt, getan, mit knappen 12 zu elf Stimmen wurde die Entscheidung über den neuen Heizkessel im Kindergarten vertagt. Die Kleinen werden aber trotzdem nicht frieren müssen, eine Heizsaison hält der Kessel schon noch.

hud

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