Er dreht und dreht - und irgendwann durch

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Hat beim Drehen auch selbst viel Spaß: Gerhard Polt, in der bayerischen Kabarettszene längst mit Kultstatus behaftet.

Freilassing - In Freilassing fallen derzeit die Klappen: Für Gerhard Polts neuen Kinofilm "... und Äktschn!" Noch bis 22. Februar wird auch in Bad Reichenhall und in Berchtesgaden gedreht.

Polt's Filmkollege Nikolaus Paryla - spielte jüngst den Papst in "Wer's glaubt wird selig" - steht im leichten Nieselregen und wartet. Regisseur Frederick Baker "verrückt" den bekannten bayerischen Schauspieler noch um ein paar Zentimeter weiter nach rechts. Die Kamera von Wolfgang Thaler ist bereit, bitte Ruhe, die Szenen-Klappe im "Sudetenviertel" knallt, ... und Äktschn! Routiniert präsentiert Paryla sein beeindruckendes Mimik-Spiel, ein paar Meter abseits beobachtet Gerhard Polt die Szene. Für die 20-Sekunden-Sequenz wurde fast zehn Minuten "aufgebaut".

Flughafen-Problematik involviert

Egerländer, Gablonzer und Reichenberger Straßen sind gesperrt, ein landendes Flugzeug wird in die Dreharbeiten ganz bewusst integriert. "Wir arbeiten so realitätsnah wie möglich", informiert Max Frauenknecht, Ausführender Produzent von der Viafilm GmbH & Co. KG München am Set in Freilassing. Ein Protestplakat am Zaun des Film-Set-Nachbarn, der sich aktiv gegen den Fluglärm in seiner Heimatstadt wehrt, "lassen wir ganz bewusst hängen", so Regisseur Baker, der in London aufgewachsen ist. Die eingesetzten Fahrzeuge tragen "BGL"-Kennzeichen, doch Freilassing, Bad Reichenhall und Berchtesgaden werden zum fiktiven Ort Neufurth vereint. Nur Salzburg darf Salzburg bleiben, dort geht Maximilian Brückner alias Alfons Pospiech (Polts Film-Neffe) auf Sauftour.

Fotos vom Drehort:

Gerhard Polt dreht im Berchtesgadener Land

In der Jägerndorfer Straße gleich um die Ecke hat es sich das rund 35-köpfige Filmteam für rund einen Monat "gemütlich" gemacht. "Wenn das Catering dort stimmt, ist auch die Stimmung gut", weiß Sabine Schwerda von LimeLight aus Berlin. "... und die Stimmung ist sehr gut", lacht die Pressebetreuerin. Die Filmcrew samt Schauspielern ist in einem "geheimen" Teamhotel untergebracht. An den drehfreien Wochenenden geht's jeweils nach Hause.

Die Garage

Gerhard Polt stellte sich heute den Fragen der heimischen Presse und damit der Öffentlichkeit. "Wichtig war mir für allem die Grenznähe", so der 70-jährige Schlierseer, denn "wir haben ja hier eine bayerisch-österreichische Co.-Produktion". Einen ganzen Tag lang streifte Polt mit Regisseur Frederick Baker vor einigen Monaten durch Freilassing, um "die richtige Garage" für den Streifen zu finden. Und sie haben nicht nur "die richtige Garage", sondern laut Sabine Schwerda "die Garage" gefunden. Die Reichenberger Straße Nummer 6 sollte es sein - und wurde es schließlich auch. Die Hausbesitzer kamen dem Filmteam sofort aufgeschlossen gegenüber, nun wird im Freilassinger Nord-Westen fleißig gedreht.

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Gedreht wird hauptsächlich in Freilassing, auch in der Stadt - als fast völlig neues Bild wird Gerhard Polt radfahrend zu erleben sein -, im Weißbräu, bei einem Filmclub, bei der Sparkasse und im Musikladen. In Bad Reichenhall bildet ein Café den richtigen Rahmen, in Berchtesgaden das Bauerntheater. Offiziell liegt die Film-Garage in Salzburg.

Euer Bier ist wirklich hervorragend

Gerhard Polt kennt das Berchtesgadener Land und den Chiem- und Rupertigau aus zahlreichen Auftritten, beispielsweise im Bad Reichenhaller Sternenzelt vor rund 20 Jahren. "Zum Baden sind wir oft an die Alz oder den Waginger See gefahren". 24 Drehtage, darunter auch sieben in Salzburg, zwei in Bad Reichenhall (diese Woche Mittwoch und Donnerstag) sowie einer in Berchtesgaden, sind für "... und Äktschn!" anberaumt. Und Gerhard Polt freut sich "über das wirklich gute Bier, das Ihr hier habt".

Nikolaus Paryla während eines Drehs in Freilassing.

24 Drehtage, auch mal 12 bis 14 Stunden lang, - das klingt kurz: "Das ist auch wenig und liegt darin begründet, dass wir teilweise sehr lange Szenen und somit wenig Motivwechsel haben. Damit bleibt alles sehr überschaubar und wir müssen nur wenig Locations schaffen oder aufbauen", informiert Max Frauenknecht. "Und schließlich liegt sowas ja auch immer am Geld", schiebt Gerhard Polt (im Film Hans A. Pospiech) hinterher. Rund 600.000 Euro kostet die Produktion und ist damit vergleichsweise günstig.

Schneefälle kamen genau richtig

Der Schnee kam dem Kamerateam genau richtig, der Film handelt im Winter. Gerhard Polt antwortet auf die Frage über seine Rolle als Hans A. Pospiech mit gewohnt trockenem Humor: "Er dreht und dreht und dreht - und vielleicht irgendwann durch". Der Film soll womöglich schon im Herbst dieses Jahres, spätestens jedoch im Frühjahr 2014 in die bayerischen und deutschen Kinos kommen. "Das hängt natürlich davon ab, ob gerade noch andere bayerische Filme aktuell sind. Da kann sich immer noch einiges verschieben", so Max Frauenknecht. Auch in Österreich soll "... und Äktschn!" dann zu sehen sein.

Gerhard Polt gefällt's im Berchtesgadener Land. Die Premiere seines Streifens sähe er gern in einem hiesigen Kino, auch wenn es in der Grenzstadt seit langem kein Kino mehr gibt: "Ich würde dann aber gerne wiederkommen und einen guten Leberkäs in Freilassing essen". Am besten dann auch mit Lieblingsfilmpartnerin Gisela Schneeberger, die einmal mehr nicht am Set fehlen durfte. Polt liebt es auch, mit seinen Darstellern zu improvisieren: "Die guten Ideen kommen ja oft erst beim Drehen - dafür bin ich immer offen und dankbar".

Gerhard Polt im Film-Outfit.

Auf die Frage, wie "zufrieden Polt mit Bayern im 21. Jahrhundert" ist, kommt Überraschendes: "Ich bin schon froh, wenn ich alles, was in meinem Wohnort am Schliersee passiert, mitbekomme. Die Zeit ist so rasend geworden, es ist andauernd so viel los, das erschlägt einen nahezu". Über das eher schlechte Wetter in dieser Woche sind Gerhard Polt und seine Crew nicht unglücklich. "Der Film strahlt eine gewisse Tristesse aus, da passen graue Wolken und Nieselregen ganz gut ins Bild", so Regisseur Baker.

Gerhard Polt sentimental

Was Gerhard Polt wirklich beschäftigt: "So viele Kollegen, mit denen ich bereits gedreht habe, sind schon gestorben: Ruth Drexel, Helmut Fischer, ... - die Liste könnte ich lange fortsetzen. Das macht einen nachdenklich und zeigt nur allzu deutlich, wie die Zeit vergeht".

Hans-Joachim Bittner

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