Lob schützt vor "Burnout"

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Leiter des Inn-Salzach-Klinikums Dr. Rupert Müller und Petra Aicher vom WIFO

Freilassing - Wie kann man Burnouts vermeiden und trotzdem ein Unternehmen effektiv leiten? Der Leiter des Inn-Salzach-Klinikums, Dr. Rupert Müller, hat es erklärt.

Die Grenzen sind fließend, doch irgendwann ist es einfach zu viel. Immer mehr Menschen rutschen von einer dauerhaften Überbelastung in ein oft zitiertes Burnout-Syndrom.

Warum nimmt der psychische Druck immer mehr zu? Und wie lässt sich er sich verhindern? Darüber unter anderem sprach Dr. Rupert Müller, Leiter des Inn-Salzach-Klinikums in Freilassing, in seinem Vortrag „Zunehmende psychische Erkrankungen im Arbeitsleben“ für die Mitglieder des Wirtschaftsforums Freilassing (WIFO).

Der Experte erklärt, dass es die Diagnose „Burnout“ eigentlich nicht gebe. Die Medizin spricht von einem so genannten Erschöpfungssyndrom. Die Ursachen sind negativer Stress und dauerhafte Überforderung, die dann in eine Wirkungslosigkeit übergehen.

Rund 7000 Menschen werden derzeit jährlich im Berchtesgadener Land wegen psychischer Störungen behandelt. Seit 2007 gibt es das Fachkrankenhaus in Freilassing, das aus vier Stationen, einer Tagesklinik und einer Institutsambulanz besteht. In Freilassing habe sich die dezentrale Versorgung bewährt. „Die Menschen werden im Krankenhaus, aber auch ambulant zu Hause betreut“, erklärt Dr. Rupert Müller. Dadurch sei ein sanfter Übergang möglich, so dass die Patienten am „normalen“ Leben teilnehmen und in ihren Familien oder dem sozialen Umfeld bleiben können.

Psychische Erkrankungen seien inzwischen eine Volkskrankheit. Immer mehr Menschen lassen sich gegen Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Abhängigkeiten, Demenz, oder dauerhaften Überlastungen stationär behandeln. Allerdings nehme die Dauer der Aufenthalte ab.

Dass aber die gesellschaftliche Entwicklung ein Grund dafür ist, hält der Experte für Spekulation. Die Arbeitsbedingungen seien vielfach besser, weniger körperlich anstrengend, familienfreundlicher oder geregelter als noch bei unseren Großeltern. Der Klinikchef hat allerdings beobachtet, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit und die Überlastung im Beruf den Menschen zu schaffen machen.

Wie man sich gegen dauerhaften Stress wehren könnte, möchte einer der Vortragsbesucher wissen. „Vier Faktoren gibt es, die das seelische Ausbrennen im Arbeitsleben verhindern können“, erklärt der Fachmann. Die Tätigkeit dürfe anspruchsvoll sein, den Arbeitnehmer aber nicht ständig überfordern, führt er als Punkt eins auf. Zudem müssen die soziale und materielle Anerkennung für die eigene Leistung angemessen sein. Soll heißen, dass der Arbeitnehmer durch Gehalt und Lob motiviert wird.

Wichtig auch, dass der Chef seinem Arbeitnehmer Vertrauen entgegenbringt, er ihn in die Strukturen des Betriebs einbezieht, ihm auch den Freiraum schafft das eine oder andere selbst zu entscheiden. Und nicht zuletzt: Dass die Tätigkeit auch sinnvoll ist und dem Mitarbeiter selbst etwas bringt. „Wenn diese Punkte berücksichtigt werden, dann ist schon viel gewonnen“, sagt der Doktor. WIFO-Vorsitzende Petra Aicher dankte dem Psychologen für die Einblicke in das interessante Gebiet.

Die nächste große WIFO-Veranstaltung ist die Eröffnung des Christkindlmarktes am 24. November, mit verkaufsoffenem Sonntag.

Mareike Klappenbach

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