Tourismuskonzept prallt auf Kirchturmpolitik

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Legte sich ins Zeug für "sein" Konzept: Christoph Engl von "Brand Trust".
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Freilassing - Nun stellten die Markenberater ihr Tourismuskonzept auch den Rupertiwinkel-Gemeinden vor, doch: Alte Gräben im Landkreis brachen wieder auf - "Wir streiten wie die Kesselflicker".

Nun also der Rupertiwinkel. Nachdem Christoph Engl und seine Leute von der Beratungsagentur "Brand Trust" ihr neues Markenkonzept für Tourismus und Wirtschaft in der vergangenen Woche Bad Reichenhall und den Gemeinden im Berchtesgadener Talkessel vorstellten, ging es am Montag für sie nach Freilassing. Es stellte sich heraus: Man befindet sich dort auf schwierigerem Pflaster.

Fotos: Tourismuskonzept in Freilassing

Voll war es, im Freilassinger Rathaus. Gemeinde- bzw. Stadtratsabordnungen aus Anger, Freilassing, Laufen, Piding, Saaldorf-Surheim, Ainring, Teisendorf und Schneizlreuth lauschten gespannt den Worten Engls, der wieder das Einende im Landkreis in den Vordergrund stellte, um das Potenzial der Marke "Berchtesgadener Land" zu zeigen: Berge, Heimatverbundenheit, Stolz und Findigkeit der Bewohner. Die ausgegebenen Slogans: "Deutschlands lebenswertester Wirtschaftsraum an den Alpen" und "Das mächtigste Bergerlebnis Deutschlands".

Alte Gräben brachen auf

Laufens Bürgermeister Hans Feil

Leichter gesagt, als getan. Zum Teil zeigten sich wieder die über 40 Jahre alten Grenzen, als die Landkreisreform noch bevorstand. Laufens Hans Feil betonte, man lebe hier nicht in den Alpen, sondern höchstens an den Alpen. Wolfgang Hartmann, Stadtrat in Freilassing, legte viel Wert auf die historischen Verbindungen zu Salzburg und die Region Rupertiwinkel - hier lebe man von Handwerk und Industrie, nicht vom Tourismus.

"Es kocht eh schon jede Gemeinde ihr eigenes Supperl, beim Wohnungsbau, bei der Breitbandversorgung, bei Gewerbeflächen - wie soll da was für den ganzen Landkreis entstehen, wenn eh keiner seinen Mikrokosmos verlässt?", so eine weitere Freilassinger Stimme. Denn: Die Zahlen sprechen tatsächlich eine unterschiedliche Sprache. Während Talkessel-Gemeinden wie Schönau rund 50 Prozent durch den Tourismus erwirtschaften, sind's im flachen Rupertiwinkel meist einstellige Prozentzahlen.

"Es kann zum Schwur kommen: Für oder gegen die Region?"

Konzepterarbeiter Christoph Engl schüttelte zwischenzeitlich nur den Kopf: "Wir wurden doch beauftragt, ein ganzheitliches Konzept zu präsentieren und hier arbeiten wieder manche gegeneinander." Doch viele Gemeinden folgten ihm in seinen Vorstellungen. Teisendorfs Gernot Daxer war so einer, der ein Machtwort sprach: "Wir streiten wie die Kesselflicker und denken nur um den eigenen Kirchturm 'rum. Hier kann es heute zum Schwur kommen: Für oder gegen die Region?"

Bei den kommenden Gemeinderatssitzungen wird sich schließlich zeigen, ob die Räte Christoph Engls Konzept tatsächlich mittragen - oder ob der eigene Kirchturm wichtiger ist.

xe

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