Was passiert nach dem Aufgreifen durch die Polizei?

Tierheim Freilassing über illegal eingeschleuste Welpen: „Vorweihnachtszeit war schon extrem“

Die kleinen Welpen werden oft im Zuge routinemäßiger Grenzkontrollen aufgegriffen und an die umliegenden Tierheime gegeben.
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Die kleinen Welpen werden oft im Zuge routinemäßiger Grenzkontrollen aufgegriffen und an die umliegenden Tierheime gegeben.

Nicht umsonst spricht der Volksmund bei Hunden vom besten Freund des Menschen. Doch leider wird mit dem Wunsch nach Hunden und besonders nach süßen Welpen oft ein lukratives illegales Geschäft betrieben. Was passiert, wenn ein solches auffliegt und welchen Weg die geretteten Jungtiere beschreiten müssen, erklären das Veterinäramt Berchtesgadener Land und das Tierheim Freilassing im Gespräch mit BGLand24.de.

Ende Dezember letzten Jahres hat die Bundespolizei bei Grenzkontrollen in Freilassing und Piding insgesamt 17 Hundewelpen sichergestellt, welche im Tierheim Freilassing unterkamen. Ende Januar griffen Beamte der Bundespolizei an der Freilassinger Saalbrücke einen jungen Welpen auf, der viel zu früh verkauft werden sollte. Diese Fälle erweichen die Herzen von Tierfreunden und insbesondere Hundeliebhabern. In der Redaktion von BGLand24.de wurde gefragt, wie man helfen kann und was überhaupt mit den hilflosen Tieren passiert, ob man sie vielleicht sogar adoptieren kann.


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Im Gespräch mit dem Veterinäramt Berchtesgadener Land und dem Tierheim Freilassing


Im Gespräch mit BGLand24.de erzählt Markus Fuchs vom Tierheim Freilassing, wie die aktuelle Lage mit derartigen Fällen ist. „Wir haben schon ein paar da“, meint Fuchs zu Beginn. Aus den Beschlagnahmungen aus den vergangenen Kontrollen der Bundespolizei kommen immer wieder Welpen verschiedener Rassen in dem Tierheim unter.

„Oft werden die Welpen ohne gültige Impfung ins Land gebracht. Das ist nicht erlaubt“, erklärt Fuchs. Diese werden dann durch die Polizei beschlagnahmt und durch das verständigte Veterinäramt an die umliegenden Tierheime vermittelt.

Kommt es dazu, dass die umliegenden Tierheime keine freien Plätze haben, übernimmt der deutsche Tierschutzbund die Vermittlung an weiter entfernt liegende Tierheime mit entsprechenden Kapazitäten, erklärt der Mitarbeiter des Tierheims weiter. In diesen Fällen werden die Tiere kurzzeitig aufgenommen und dann weitergegeben.

Großer Aufwand für die schutzbedürftigen Welpen

In ihrem neuen mittelfristigen Zuhause werden die beschlagnahmten Welpen zunächst unter Quarantäne gestellt. Das Veterinäramt Berchtesgadener Land teilt auf Anfrage von BGLand24.de mit, dass in den eingangs erwähnten Fällen die Tierseuchenschutzverordnung nicht eingehalten wurde. „Diese gibt vor, dass Tiere bei der Einfuhr aus EU-Ländern eine gültige Tollwutimpfung, eine Kennzeichnung durch Mikrochip und einen EU-Heimtierausweis, in dem Impfung und Kennzeichnung eingetragen sein müssen, benötigen. Eine Impfung ist erst ab zwölf Wochen möglich und drei Wochen nach Impfung selbst erst gültig.“ Die Einfuhr von Hunden und Katzen ist demnach frühestens im Alter von 15 Wochen möglich.

Sowohl das Veterinäramt als auch Markus Fuchs merken an, dass die Tiere in der Regel nicht gezielt gesucht und gefunden werden, sondern bei routinemäßigen Grenzkontrollen durch die Bundespolizei aufgegriffen werden.

Tierheim Freilassing über illegal nach Deutschland eingeführte Welpen: „Die Vorweihnachtszeit war schon extrem.“

Fuchs meint im Gespräch, dass es zwar immer wieder zu diesen Fällen kommt, aber es im Tierheim Freilassing von Dezember bis zum Anfang Februar durchaus „einen Schwall“ an illegal eingeführten Welpen gab, die bei ihnen nun aufgepäppelt werden: „Die Vorweihnachtszeit war schon extrem.“

In ihren ersten Tagen im Tierheim werden die Welpen tierärztlich geprüft, eventuell fehlende Impfungen nachgeholt und eine Wurmkur gemacht, erzählt Fuchs. Dadurch wird sichergestellt, dass die Tiere auch in ihrem weiteren Leben gesund bleiben und für andere Tiere kein gesundheitliches Risiko darstellen.

Die Kosten, die durch diese Behandlungen anfallen, müssen eigentlich durch die Käufer oder - wenn diese nicht auffindbar sind - den Auslieferer getragen werden, so Fuchs. Leider führe das in vielen Fällen dazu, dass das Interesse an den Tieren verfällt und ein Besitzanspruch abgetreten wird, meint Fuchs: „Oft wird es dann zu teuer für die Menschen, die die Welpen gekauft haben“. Dann ist der Wunsch nach einem neuen vierbeinigen Familienmitglied doch nicht mehr so groß.

Die Klärung dieses Besitzanspruchs ist aufgrund der bürokratischen Hürden der langwierigste Teil der Reise von Aufnahme im Tierheim bis zur Freigabe zur Adoption. Die Kontaktaufnahme zu den eigentlichen Besitzern läuft dabei über das zuständige Veterinäramt.

Nachdem alles geregelt ist, werden die Welpen zur Adoption freigegeben

Sind die Besitzansprüche aber erst geklärt und ein Welpe geimpft, gechipped und hat seine Quarantäne abgesessen, kann er vom Tierheim zur Adoption freigegeben werden. „Aktuell haben wir vier der Labradormischlinge, die von der Polizei aufgegriffen wurden zur Adoption auf unserer Website“, erzählt Fuchs. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation seien zwar nur Besuche nach Terminvereinbarung möglich, doch sind die Mitarbeiter des Tierheims Freilassing deshalb keineswegs weniger bemüht ein passendes neues liebevolles Heim für ihre Schützlinge zu finden.

Fuchs schildert den Vorgang bei Interesse an einer Adoption: „Es können Bewerbungen gestellt werden. Wir prüfen das dann und machen ein persönliches Gespräch aus.“ Wer eine Meldung über aufgegriffene illegal eingeschleuste Tiere liest, kann bei den umliegenden Tierheimen anfragen, ob sie dort untergekommen sind und die Internetseiten der jeweiligen Tierheime im Auge behalten, für den Fall, dass Interesse besteht. Dort werden die Tiere dann eingestellt, sobald sie vermittelt werden können.

Wie kann man die Tierheime noch unterstützen?

Aber auch abseits von Adoptionen können die Tierheime in ihrer Arbeit unterstützt werden, meint Fuchs abschließend. „Grundsätzlich helfen Spenden immer“, erklärt er „Jedes Tierheim kann die Unterstützung gebrauchen.“ Doch nicht nur Geldspenden sind damit gemeint. Wer etwas Gutes tun will für die in Tierheim untergebrachten Fell tragenden Gefährten, der kann auch Futter, Spielzeug oder Decken spenden. Auch tatkräftige Unterstützung ist immer willkommen, so Fuchs: „Ehrenamtliche Arbeiter sind auch gefragt, was aber mit Corona im Moment ein bisschen schwierig ist.“

mda

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