Fluglärmbelastung in Freilassig

Josef Flatscher: "Das ist kein guter Stil“

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Interview mit Josef Flatscher
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Freilassing / Salzburg - Seit Jahren schwelt der Konflikt um die Lärmbelastung der bayerischen Anwohner durch den Salzburger Flughafen. Die Wogen schlagen höher und höher:

Nicht nur die bayerischen Anlieger beschweren sich über die Fluglärmbelastung. Auch viele Salzburger sind nicht besonders glücklich über die Entwicklung der letzten Jahre. 

Spürbare Erleichterungen waren nicht erkennbar

Der Streit gipfelte im Sommer darin, dass die bayerischen Vertreter aus Freilassing, Ainring und Saaldorf-Surheim aus dem Bürgerbeirat austraten. Übrigens nachdem im Vorfeld bereits auch österreichische Vertreter das Handtuch geworfen hatten. 

300 ehrenamtliche Stunden ohne Ergebnis sind zu viel“, kommentierte Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher damals den Austritt. „Spürbare Erleichterungen waren nicht erkennbar“, so Flatscher. „Im Gegenteil, die Situation für die Menschen nördlich und westlich vom Flughafen, also für österreichische und bayerische Bürgerinnen, hat sich in den vergangenen beiden Jahren wieder deutlich verschlechtert: Das Verhältnis liegt bei 92:8 und früher lag es immerhin noch bei 88:12. Man braucht kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass das nicht passt. Insgesamt ein Mehr an Flugbewegungen insgesamt und eine weiterer Verschiebung der An- und Abflüge zu Ungunsten des Nordens“.

Ein umfangreicher Plan, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen wurde erarbeitet und ein Brandbrief an Regierungs- und Flughafenvertreter verfasst. „Wir haben nichts gegen den Flughafen an sich, sondern lediglich gegen die ungerechtfertigte Verteilung der Starts und Landungen“, so Josef Flatscher. Und weiter: „Unser Ziel ist es gemeinsame Lösungen zu finden und Möglichkeiten zu schaffen den Flughafen so zu betreiben, dass sowohl die Anwohner in Salzburg, als auch im Berchtesgadener Land gut damit leben können. In erster Linie geht’s da natürlich um die An– und Abflugrichtung.“

Stimmungsmache auf Facebook

Während die Freilassinger um eine gerechtere Verteilung der Starts und Landungen kämpfen, macht eine Facebookgruppe Stimmung gegen die Bestrebungen der Freilassinger.  „Rettet den Flughafen Salzburg“ so lautet der Titel der Seite, die nicht nur diverse Vorschläge wie die Verschiebung der Piste von Bürgermeister Josef Flatscher kritisiert, sondern auch die Freilassinger Bürger, die in Flughafennähe wohnen oder mit ihrem Arbeitsplatz von dem Verkehrspunkt abhängig sind. 

„Hahahahaha...Ich habe eine bessere Idee. Freilassing total unterirdisch begraben und damit das erste Unterweltdorf entstehen lassen. Die Freilassinger profitieren sehr viel vom Flughafen Salzburg. Angefangen vom Tourismus ins Berchtesgadener Land und Bad Reichenhall“, so ein User. Eine weitere Userin kommentiert: „Immer wenn ich von Salzburg abfliege sind beinahe zur Hälfte Bayern dabei, da ist es dann schon angenehm wenn sie es nicht so weit haben als bis München???“

40 Jahre Flughafenprotest

Auch die Freilassinger Bürger melden sich eifrig zu Wort, mittlerweile allerdings nicht mehr ganz so massiv, denn „Die Freilassinger Bürger sind nach 40 Jahren mürbe. Jeder, der schon einmal eine Beschwerde an den Flughafen geschickt hat, kennt die Antworten: alles in Ordnung , die gesetzlichen Vorschriften werden eingehalten, man ist an einem guten Verhältnis zu den Anlieger interessiert“, so beschwert sich ein Leser in einem Brief an BGLand24.de. 

Und ergänzt: „Kein Wille Probleme wirklich anzugreifen, Stichwort: Nachtflüge. Das Problem mit dem Flughafen ist am besten durch die Zahlen 92:8 erklärbar. 92 Prozent der Flugbewegungen gehen über Freilassing, 8% über Salzburg“.  

30% Quote für den Salzburger Süden?

Die Proteste und Diskussionen haben mittlerweile immerhin dazu geführt, dass ab März 2017 ein erstes Ziel in Sicht scheint. 30% der An- und Abflüge sollen künftig über den Salzburger Süden abgewickelt werden. Eine Entlastung für die Bürger im Norden aber ein Grund für Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden, sich zu Wort zu melden. „Ich befürchte, dass durch solche Maßnahmen künftig rund ein Viertel der Stadt aufgrund der Lärmschutzmaßnahmen unbebaubar wird“, so Schaden. 

Und kritisiert: „Die Bayern argumentieren bei diesem Thema gern mit den An- und Abflugzahlen. Wenn man hier nur die instrumentengestützten Flüge, die großteils Linien- und Charterflüge sind, hernimmt, lag das Verhältnis 2015 bei rund 90 Prozent Nord- zu 10 Prozent Südanflügen und -abflügen. Die Stadt hingegen rechnet alle Flugbewegungen zusammen - also auch Klein- und Geschäftsflugzeuge, Hubschrauber oder die Flying Bulls: Dabei wählen immerhin 33 Prozent der Piloten den An- oder Abflug über Süden und der Nordanteil liegt mehr bei 67 Prozent. Völlig anders ist aber die Verteilung, wenn man den täglichen Dauerschallpegel über 65 Dezibel ansieht“, so Schaden. Und weiter: Selbst die Messungen der Bayern belegen, dass 99 Prozent dieses Fluglärms Bürger in Salzburg betreffen und nur ein Prozent die Bayern.

"Das ist eine ernste Bedrohung für die Stadt"

Die aktuellen Gespräche um eine Verschiebung der Quoten sorgen nun dafür, dass der Salzburger Bürgermeister „massive Folgen für die Stadt sieht: Eine Verteilung 70 zu 30 ist nicht machbar. Das ist eine ernste Bedrohung für die Stadt. Bei Anflügen über die Gaisbergroute seien mehr als 12.000 Stadtbürger mit maximalen Schallpegeln von 65 Dezibel oder mehr betroffen und neben den Stadtteilen Leopoldskron-Moos, Aigen, Parsch, Gnigl und Teilen von Schallmoos durch mehr Südanflüge auch die Gemeinden Anif, Bergheim, Elixhausen, Grödig und Wals-Siezenheim massiv betroffen.“ Auch Magistratsdirektor Martin Floss, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens hält mit Kritik nicht hinterm Berg: Es wird bewusst mit falschen Argumenten diskutiert und hinauf bis zum Bundestag in Berlin gelogen“. 

Der Freilassinger Bürgermeister Josef Flatscher (CSU) weist diese Kritik zurück: „Entweder hat Bürgermeister Schaden und Magistratsdirktor Floss noch nicht verstanden oder sie ignorieren einfach nur, was das Ziel der bayerischen Gemeinden ist: eine gerechtere Verteilung der An- und Abflugrichtung. Nichts anderes wollen wir. Wir haben noch nie behauptet, dass nur wir den Fluglärm abbekommen, wie es gerne von Bürgermeister Schaden kolportiert wird. 

Instrumentengestütztes An- und Abflugsystem

Dass 25 Prozent Salzburgs bald nicht mehr bebaubar seien, glaube ich nicht. Wenn das stimmt, müsste in Freilassing und im Westen und Norden vom Flughafen gar nichts mehr bebaubar sein“. Flatscher hofft auf eine Einsicht und Einigung ohne Durchführungsverordnung. Wenn der Flughafen etwas mehr investiert, könnte man viel erreichen. Ein instrumentengestütztes An- und Abflugsystem für die Südroute kostet zwar Geld, aber damit würde Salzburg auch gleichzeitig die eigenen Bürger entlasten.

„Es ist kein guter Stil, wie Bürgermeister Schaden mit dieser Problematik und mit uns umgeht“, so Flatscher. „Selbst das Land Salzburg schüttelt über seine momentanen Aktivitäten den Kopf. Landesrat und Flughafenaufsichtsrat Christian Stöckl mahnt ihn zu mehr Sachlichkeit. Warten wir doch ab, was der von Deutschland und Österreich im Herbst eingesetze „Gemeinsame Technische Ausschuss“ erarbeitet, und machen nicht schon vorher dagegen Stimmung und verbreiten Panik!“

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