Mehr Schüler bringen Anlage an die Grenzen

Schlechte Luft in der Mittelschule? 1000 ppm Kohlendioxid „ein Luxuswert“

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Mittelschule Freilassing

Freilassing - Die Luftqualität in der Mittelschule sorgte in der Stadtratssitzung am 6. Mai für dicke Luft, Messwerte würden zum Teil über dem Grenzwert liegen, von einer möglichen Gesundheitsgefährdung der Schüler war die Rede. Jetzt steht fest, mit der bestehenden Anlage können die Hersteller keine Garantie übernehmen, dass Werte unter 1000 ppm dauerhaft erzielt werden können.

Die Luftqualität in der Mittelschule sorgte in der Stadtratssitzung am 6. Mai für dicke Luft, Messwerte würden zum Teil über dem Grenzwert liegen, von einer möglichen Gesundheitsgefährdung der Schüler war die Rede. Schon damals war klar, dass keinerlei Gesundheitsgefahr besteht, auch wenn die Luft in einem vollen Klassenzimmer naturgemäß nicht mit der Luft in einem Bergwald vergleichbar ist. Ein Grenzwert von 1000 ppm sei zwar festgesetzt, werde aber nicht immer erreicht.  Jetzt steht fest, mit der bestehenden Anlage können die Hersteller keine Garantie übernehmen, dass Werte unter 1000 ppm dauerhaft erzielt werden können.

Was bedeutet eigentlich 1000 ppm? Ppm heißt „parts per million“, also ein Anteil pro einer Million Anteile, 1000 ppm sind also 1000 Teile pro eine Million Teile. Seit der Mai-Sitzung waren die damals beauftragten Firmen mit der Kontrolle der Anlage beschäftigt, das Ergebnis: Der Standard für das Passivhaus ist nicht gefährdet, Kohlendioxid-Werte unter 1000 ppm sind mit der Anlage zwar erreichbar, aber eine Garantie wollen die Hersteller nicht abgeben, dass dies dauerhaft zu erzielen sei. Noel Kress von der Stadtverwaltung sagte zu, dass bis zum Ende des Jahres die weiteren Mess-Ergebnisse analysiert werden.

Mehr Schüler bringen Anlage an die Grenzen

Der beim Bau beauftragte Architekt Fred Meier versicherte, dass alle Kriterien für ein Passivhaus beim Bau eingehalten worden seien. Die installierte Pumpanlage sei sowohl für die Heizleistung, als auch für den kompletten Luftaustausch verantwortlich. „Aber mittlerweile sind einfach mehr Menschen in der Schule, das heißt, die Anlage kommt an ihre Grenzen. Der Planer der Anlage, Peter Gerlach, erinnerte daran, dass man sich beim Bau für ein zentrales System entschieden habe, „also ein System für alle Räume, das 15 Kubikmeter Luft pro Stunde pro Person schafft, wobei ein paar Eckräume durchaus mehr Luft erhalten können, damals sei 1500 ppm als Grenzwert festgelegt worden“, so Gerlach, „aber 1000 ppm war trotzdem unser Zielwert“.

In den Klassenzimmern sei die Menge an Frischluft mit Hilfe eines kleinen, blauen Kästchens manuell einstellbar, zwischen 150 bis 450 Kubikmeter Luft pro Stunde. Insgesamt sei man damals von 10.000 Kubikmeter Luft für die gesamte Schule ausgegangen, allerdings nicht bei einem Parallelbetrieb aller Klassenzimmer und der Aula, „sonst hätte man damals schon die Anlage doppelt so groß planen müssen“. Am Ende habe man sich auf 11.500 Kubikmeter geeinigt.

1000 ppm ein Luxuswert?

Gerlach räumte ein, dass man einen Wert von nicht mehr als 1000 ppm Kohlendioxid in den Klassenzimmern nicht immer geschafft habe, „aber zum Vergleich haben wir in einer Volksschule in Rosenheim an einem normalen Wochentag Werte zwischen 1300 und 1400 ppm, aber auch Maximalwerte zwischen 2400 bis 3000 ppm sind möglich, also das Problem in Freilassing sei verhältnismäßig gering, 1000 ppm ist ein Luxuswert“. Zudem sei man bei der Planung der Anlage von 250 Schülern ausgegangen, mittlerweile sind in der Schule über 300 Kinder, „also mehr Leute bedeutet natürlich auch eine höhere Belastung“.

Was tun?

Wenn die Klassenzimmer stark belegt sind könne man die Anlage schon „mehr aufdrehen“, aber wenn alle Räume mehr Luft bräuchten könne das die bestehende Anlage vermutlich nicht schaffen, „aber vom Hersteller habe ich erfahren, dass eine Neuberechnung nicht möglich ist, denn das Gerät und die dazugehörige Software gibt es nicht mehr“, so Gerlach. Aber man könne natürlich eine höhere Leistung der Anlage auch testen, aber „mehr Gas im Motor haben dann auch mehr Energieverbrauch und mehr Geräusche zur Folge“. Der Anlagenplaner schlägt vor, die Anlage und die Grenzwerte neu einzustellen und sie dann im Auge zu behalten.

Passivhaus mit Fenster öffnen?

Bereits im Mai war bekannt geworden, dass es in der Schule die Anweisung gebe, in den Pausen die Fenster zu öffnen um die geforderte Luftqualität zu erreichen. Auch in der Diskussion der Stadträte am Montagabend tauchte schnell die Frage auf, ob man denn bei einem Passivhaus überhaupt Fenster öffnen sollte und ob auch nicht ohne offene Fenster eine „gute Luft“ gewährleistet sein könne. Architekt und Planer meinten unisono, dass es sich bei einem offenen Fenster durch den Luftzug zwar kühler anfühle, aber die Anlage würde dagegen „ankämpfen“, und ein Passivhaus würde sich im Sommer ohnehin weniger aufheizen als andere Häuser. Bei der Planung des Neubaus sei auch darüber gesprochen worden, überhaupt keine Fenster einzubauen, „von der Lüftung her hätten wir sie nicht gebraucht“, erinnerte Bürgermeister Josef Flatscher an die Diskussion im Stadtrat zum Neubau, „aber das ist ein psychologisches Moment, Menschen lassen sich eben nicht gerne einsperren“.

Keine Panik

Eine Versachlichung der Diskussion forderte Wolfgang Hartmann von den Grünen, er hinterfragte die Grenzwerte. „Was bedeutet denn mehr als 1000 ppm Kohlendioxid in der Luft? Werden die Kinder blass, fallen sie ihn Ohnmacht?“ Das Bundesumweltamt stelle dazu zahlreiche Informationen zur Verfügung, so seien in Schulen ppm-Werte von über 2000 keine Seltenheit, in Schlafräumen seien ppm-Werte bis zu 4300 möglich und selbst bei 5000 ppm sei laut Bundesumweltamt keine feststellbare Gesundheitsgefährdung messbar. „Also bitte die Panik rausnehmen, es wird niemand gesundheitlich beeinträchtigt sein, wenn es mal 2000 ppm in der Klasse gibt“. Bürgermeister Josef Flatscher rechtfertigte die Diskussion und die Messungen damit, „weil in der Öffentlichkeit von einer Gesundheitsgefährdung gesprochen wurde, das mussten wir zurückweisen, daher war mir persönlich die Untersuchung wichtig“.


Einstimmig beschlossen die Stadträte, die Anlage weiter zu testen und besser abzustimmen mit dem Ziel, dass 1000 ppm erreicht werden. Die Ergebnisse werden Ende 2019 vorgelegt.

hud

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