Erbitterter Streit in Freilassing um Radstreifen

Reichenhallerstraße zu gefährlich für eine Radl-Demo?

Bilder der Demo
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Rund 50 Teilnehmer waren zur zweiten Demo für einen Radschutzstreifen gekommen.

Freilassing - Als ob die Befürworter eines Radschutzstreifens in der Reichenhallerstraße nicht schon genug Argumente in der Hand hätten bekamen sie jetzt auch vom Landratsamt indirekt Unterstützung.

Indirekte Schützenhilfe für die Rad-Lobby in Freilassing: Das Landratsamt hat eine geplante Radl-Demo-Fahrt am Freitagnachmittag in der Reichenhallerstraße unter anderem mit der Begründung untersagt, dass die Strecke zu stark befahren sei und für die geplante Demo, also hintereinander fahrende Radfahrer, gesperrt werden müsste. 

Der Hintergrund: Nach dem erbitterten Streit im Stadtrat über einen Radstreifen beim geplanten Ausbau der Reichenhallerstraße und dem zweimaligen Patt bei Abstimmungen ergreifen nun die Betroffenen selbst die Initiative, also die Radfahrer. Wie berichtet, sollen beim Ausbau der Reichenhaller Straße sogenannte Radschutzstreifen aufgemalt werden, also eine gestrichelte Linie die dem Autofahrer zeigt, dass auch Radfahrer ihren Platz haben, allerdings ohne echte, rechtliche Bedeutung, denn auch Kfz dürfen diesen Streifen befahren, im Unterschied zum eigenen Radweg in der Münchener Straße. Was in der Nachbarstadt Salzburg seit 20 Jahren ohne großes Aufheben „mit großen Erfolg“ funktioniert, so Salzburgs Radwege-Koordinator Peter Weiss, sorgt in Freilassing für heiße Diskussionen. 

Nun hat eine „Radl-Initiative“ die selbige ergriffen und bereits zum zweiten Mal zu einer Demo aufgerufen. Am Freitagnachmittag durften die Teilnehmer allerdings nicht mehr durch die Stadt radeln, denn „eine sich fortbewegende Versammlung, wie von der Radinitiative beantragt, ist aufgrund der gesetzlichen Vorgaben des Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung nicht möglich“, so eine Sprecherin des Landratsamtes. Zudem gab es verkehrsrechtliche Bedenken, „da die Strecke unter anderem über viel befahrene Straßen führt und eine Sperrung dieser Straßen nicht verhältnismäßig wäre“.  

Der Sprecher der Initiative, Lenz Heuwieser, wollte die geplante Demo trotzdem nicht ganz absagen, denn es gehe in der aktuellen Diskussion nicht nur um einen Schutzstreifen in der Reichenhallerstraße sondern allgemein um eine gute Fahrradinfrastruktur in Freilassing. „In der Reichenhallstraße kann man mit dem Schutzstreifen anfangen, dann sollten alle Hauptverkehrsstraßen folgen, also auch die Nord-Süd-Achse in Richtung Ludwig-Zeller-Straße und Laufenerstraße“. Dass sich nur „Eiferer“ oder „eine „grüne Minderheit“ für die Radstreifen einsetzten weist Heuwieser entschieden zurück, bekanntlich endeten beide Abstimmungen im Stadtrat mit einem Gleichstand. 

„Wir Radfahrer sind doch die treuesten Kunden der Innenstadt-Geschäfte“, sagt Lenz Heuwieser von der Radl-Initiative.

Die Argumente der CSU- und FWG-Gegner im Stadtrat entkräftet Heuwieser im BGLand24-Interview. Es stimme zum Beispiel nicht, dass ein Radschutzstreifen eine Sicherheit nur vortäusche, „denn ein Schutzstreifen ist für einen Autofahrer ein deutliches Signal, dass man beim Vorbeifahren 1,5 Meter Abstand halten muss“. Der Schutzstreifen sei vor allem ein psychologisches Mittel, „der Radfahrer fühlt sich sicherer, das wird Ihnen jeder Radfahrer bestätigten“. 

Gegner führen auch immer wieder an, dass Freilassinger Biker ohnehin andere Wege nutzen würden und Ortsunkundige auf andere, weniger befahrene Straßen umgeleitet werden sollen. „Aber es wohnen doch auch in der Reichenhallerstraße selbst viele Menschen, und viele, die von der Stadt aus in Richtung Globus radeln, nutzen doch die Reichenhallerstraße“, so Heuwieser. Außerdem sei das nur der Anfang, die noch stärker von Radfahrern genutzte Ludwig-Zeller-Straße und Laufenerstraße würden auch auf der Ausbauliste stehen. Insgesamt würde der Radverkehr in allen Städten zunehmen, auch in Freilassing.

Radfahrer als Gewinn für Innenstadt

Eine ablehnende Haltung sieht Heuwieser auch bei einem Teil der Innenstadtkaufleute und deren Vertretung, dem WiFo, diese fürchten vor allem, dass bei einem Radstreifen in der Ludwig-Zeller-Straße Parkplätze für Kunden wegfallen. „Aber als Radfahrer bin ich doch ein Gewinn für die Geschäfte in der Innenstadt, denn ich fahre doch nicht zu einem Outlet-Center oder einem Supermarkt am Rande der Stadt sondern fahre mit dem Rad zum Grünmarkt in die Hauptstraße, zur Drogerie, zur Apotheke, in die Eisdiele und so weiter“. Radfahrer seien lokal sehr verwurzelt und daher die „treuesten Kunden“ der Innenstadtgeschäfte. 

„Danke liebe CSU, Danke liebe FWG“, Lenz Heuwieser

In der Begrüßung der rund 50 Teilnehmer am Freitagnachmittag meinte Heuwieser, dass er sich „bei unserer CSU und den meisten FWG-lern fast bedanken müsse“, denn sie hätten mit ihrer Dagegen-Haltung erst eine breite Diskussion über den Radverkehr in der Stadt angestoßen und damit auch die Gründung der „Radl-Initiative-Freilassing“ mit befördert.  

Die Radl-Initiative hat nach zwei Kundgebungen Blut geleckt und will weiter aktiv sein, „wir planen weitere Kundgebungen mit Sachverständigen“. Dass es am Freitag keine Rad-Tour entlang der Nord-Süd-Achse gab sieht Heuwieser mittlerweile gelassen, „wenn wir auch gerne wie 500 Motorradfahrer in Kochel am See mit dem Rad durch Freilassing gefahren wären“. 

hud

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