Fraktionen-Zoff: Wie soll dieser Platz heißen?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
  • schließen

Freilassing - Gezänk zwischen FWG/Heimatliste und Grünen: Die Vorschläge zur Benennung des Platzes vor dem alten Feuerwehrhaus an der Lindenstraße treiben seltsame Blüten.

Er ist nicht groß, dafür vor schönem Ensemble und vor allem: namenlos. Auch dem Platz vor dem alten Feuerwehrhaus an der Lindenstraße will man ein Etikett verpassen. Im rosafarbenen Gebäude ist heute das Heimatmuseum untergebracht, im Erdgeschoss Platz für Ausstellungen. Doch was wäre ein passender Name?

Der erste Vorstoß seit Längerem kam in der Stadtratssitzung vom März: Die Grünen stellten einen Antrag, der Platz solle künftig "Hermann-Ober-Platz" heißen. Ein Freilassinger Kunstschaffender, gestorben 1997, der "über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt war und ist", wie es von Fraktionssprecher Wolfgang Hartmann heißt. Außerdem soll auf dem Platz auch ein Denkmal für Hermann Ober errichtet werden. Soweit, so gut.

Auf der Stadtratssitzung im Montag kam dann die Retourkutsche der FWG/Heimatliste: Ein Antrag zur Benennung in "Karl-Rittmann-Platz". Er war SPD-Bürgermeister von Salzburghofen-Freilassing in der Weimarer Republik, während des Hitler-Faschismus schließlich ins KZ Dachau gesteckt. "Das hätte er sich verdient", so Bettina Oestreich bei der Verlesung des Antrags.

Doch im Sitzungssaal brach Gelächter aus - vor allem aus der SPD- und der Grünen-Fraktion: "Genau den gleichen Antrag haben wir vor einigen Jahren auch schon eingebracht: Benennung in Karl-Rittmann-Platz - aber auch durch die Stimmen der FWG/Heimatliste wurde das damals abgelehnt", so Edeltraut Rilling. Oestreich war weniger erfreut und beschwerte sich darüber, dass bei Anträgen ihrer Fraktion gelacht würde.

Will die FWG/Heimatliste die Grünen-Fraktion etwa doppelt unter Druck und Zugzwang setzen? Ihr Plan könnte lauten, die Grünen zum Vergessen ihrer eigenen Idee "Hermann-Ober-Platz" zu bringen, um sich dem FWG/Heimatlisten-Vorschlag "Karl-Rittmann-Platz" anzuschließen - ob sich SPD und Grüne "Nein" sagen trauen, wo doch vor Jahren schon der gleiche Vorschlag aus ihren Reihen kam? Ein unmoralisches Angebot...

Wer waren Karl Rittmann und Hermann Ober?

Der Name Karl Rittmann ist eng mit der Freilassinger SPD verbunden. Er war Mitgründer des ersten Ortsvereins in Salzburghofen 1912. Von 1919 bis zur Machtübergabe an die Nationalsozialisten stand Rittmann als Bürgermeister der Gemeinde Salzburghofen-Freilassing vor. Schon kurz darauf wird er inhaftiert: Zuerst in Laufen, dann im KZ Dachau. Auch seine Söhne wurden ins Gefängnis gesteckt. 1936 wird er entlassen, konnte aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder politisch tätig werden. Bis 1947 war er schließlich noch einmal Bürgermeister der Grenzstadt.

Auch der Werdegang von Hermann Ober ist mit dem Zweiten Weltkrieg verknüpft. Zuerst musste er noch an der Front dienen, nach Kriegsende entfaltete er seine künstlerischen Ambitionen. Der gebürtige Freilassinger entfernte sich vom Realismus in der Kunst, wandte sich dem Abstrakten zu. Ober experimentierte mit Formen und Materialien, von ihm stammen unter anderem die Wandbilder in den Bahnhöfen Freilassing, Traunstein, Bad Reichenhall und Rosenheim.

xe

Zurück zur Übersicht: Freilassing

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser