Wegen hoher Nachfrage viele illegale Tiertransporte

Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl informiert sich im Tierheim Freilassing

MdL Gisela Sengl (r) informiert sich im Tierheim Freilassing und überreichte eine Spende an Leiterin Christine von Hake. Mitte: Marie-Luise Thierauf von Grünen-Ortsverband Freilassing.
+
MdL Gisela Sengl (r) informiert sich im Tierheim Freilassing und überreichte eine Spende an Leiterin Christine von Hake. Mitte: Marie-Luise Thierauf von Grünen-Ortsverband Freilassing.jpg

Freilassing - Tier gegen die Einsamkeit? Immer mehr Menschen legen sich ein Haustier zu und machen beim aktuellen Trend im Zuge der Corona-Pandemie mit. Dadurch steigt auch die Anzahl illegaler Tier-Transporte. Die Grünen-Landtagsabgeordnete informiert sich im Tierheim vor Ort.

Der Pressebericht im Wortlaut:


Im Freilassinger Tierheim herrscht in diesen Monaten „Hochkonjunktur“ – und dies trotz oder vielleicht gerade wegen Corona und dem Lockdown. Offenbar wollen sich viele Menschen ein Haustier zulegen, um die Einsamkeit leichter zu ertragen.

Die Kehrseite: Mit der zunehmenden Nachfrage steigen die illegalen Tiertransporte aus den südosteuropäischen Ländern. Werden solche Transporte aufgegriffen, so werden die Tiere, in der Regel sind es Hundewelpen, in den umliegenden Tierheimen untergebracht. Bei einem Besuch im Freilassinger Tierheim informierte sich die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl über die aktuelle Situation.


Begrüßt wird die Besuchs-Delegation nicht nur von Tierheim-Leiterin Christine von Hake, sondern „standesgemäß“ auch von einer belfernden Hundeschar. Beim Rundgang können sich die Besucher überzeugen, dass die Tiere hier gut aufgehoben sind und bestens versorgt werden.

So scheinen sich auch die sechs Malteser-Welpen „pudelwohl“ zu fühlen, die bei ihrem Aufgriff am 27. Dezember für Schlagzeilen sorgten. „Durch die verstärkten Kontrollen der Bundespolizei werden auch zunehmend mehr illegale Tiertransporte entdeckt“, erklärt von Hake.

Sie haben ihre vorläufige Heimat im Tierheim gefunden: Illegal eingeführte und beschlagnahmte Welpen.jpg
Sie haben ihre vorläufige Heimat im Tierheim gefunden: Illegal eingeführte und beschlagnahmte Welpen.jpg

Auch wenn Begleitpapiere und Impfpass mitgeführt werden, sei die Einfuhr meist nicht gesetzeskonform. Das liege unter anderem daran, dass die dreiwöchige Wartezeit nach der vorgeschriebenen Tollwut-Impfung nicht eingehalten werde. Die beschlagnahmten Welpen seien in der Regel um die sechs Wochen alt, obwohl sie erst mit 15 Wochen abgegeben werden dürften, informiert die Tierheimleiterin und nennt den Grund dafür:

„Die Nachfrage konzentriert sich auf die putzigen Welpen – ältere Junghunde sind für die ‚Besteller‘ anscheinend nicht mehr so attraktiv.“

Apropos ‚Besteller‘: Die deutschen Auftraggeber können sich ihren Wunschhund per Internet aussuchen und ordern. Meist tun sie das aus finanziellen Gründen, kostet doch ein Rassehund hierzulande das Dreifache dessen, was die Exporteure in Rechnung stellen. Eine Rechnung, die oftmals ohne den Wirt gemacht wird, wie von Hake feststellt.

Auch interessant: Im Gespräch mit dem Tierheim Freilassing - Was passiert mit den Welpen nach dem Aufgreifen durch die Polizei? (Plus-Artikel)

„Wenn ein illegal eingeführtes Tier zu uns kommt und bis zur fünfzehnten Lebenswoche hier versorgt wird, muss der legale Besitzer für die bis dahin entstandenen Kosten aufkommen. Der gesamte finanzielle Aufwand ist dann manchmal höher, als bei einem deutschen Züchter zu bezahlen gewesen wäre.“

Hinzu kommt das Leiden der Tiere, werden doch die Welpen nicht nur viel zu früh von ihrer Mutter getrennt, auch die Transportbedingungen grenzen oft an Tierquälerei. Christine von Hake weiß von engen, völlig durchnässten und verkoteten Transportboxen zu berichten. „Das sollte sich jeder, der ein Tier ‚bestellt‘ eindringlich vor Augen führen.“

Transportkiste mit Welpen.jpg

Corona-Pandemie inspiriert Menschen, sich tierischen Beistand zu holen

Die aktuell große Anfrage nach Haustieren habe wohl etwas mit Corona zu tun, vermutet die Tierheim-Leiterin. „Einerseits gut für uns, andererseits stellen es sich die Leute oft zu einfach vor, ein Haustier zu halten.“ Sie schildert das Beispiel einer jungen Studentin mit einer 20-Quadratmeter-Wohnung, die unbedingt einen Hund haben wollte.

„Wir mussten es ablehnen, denn wir achten penibel darauf, dass es unseren Tieren bei den neuen Besitzern gut geht und die Bedingungen passen.“ So wird anhand eines Interessenbogens und eines Telefongespräches anfangs abgeklärt, welcher Hund oder welche Katze zum neuen Besitzer und dessen Lebensumfeld passen würde. Erst danach wird gegebenenfalls ein Termin zum Kennenlernen eines Tieres vereinbart.

Obwohl wegen der Grenznähe derzeit viele illegal eingeführte Hunde im Tierheim landen, erinnert Christine von Hake an das „Kerngeschäft“ ihres Vereins, nämlich Fundtiere aufzunehmen, zu versorgen und wenn möglich, an neue Besitzer zu vermitteln.

Zum Aufgabenbereich gehört auch die Kastration verwilderter Katzen, um deren Verbreitung einzudämmen. „Um die anfallenden Kosten decken zu können, benötigen wir nicht nur die Zuschüsse der Kommunen im Sprengelbereich, wir sind daneben auch auf private Spenden angewiesen“, erklärt Hake.

MdL Gisela Sengl (r) informiert sich im Tierheim Freilassing und überreichte eine Spende an Leiterin Christine von Hake. Mitte: Marie-Luise Thierauf von Grünen-Ortsverband Freilassing.jpg

Sie freut sich deshalb ganz besonders, dass MdL Gisela Sengl nicht nur zum Informationsbesuch gekommen ist, sondern auch einen 500-Euro-Spendenscheck mitgebracht hat. Die Landtagsabgeordnete betont, dass den Grünen Tierschutz und Tierwohl ganz oben auf der Agenda stünden.

Sie weist auf mehrere Änderungsanträge der Landtagsfraktion zum Haushaltsplan 2021 hin, die eine bessere finanzielle Ausstattung der Tierheime zum Ziel haben. „Wir brauchen unsere Tierheime, denn sie erfüllen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und müssen deshalb von der politischen Seite dauerhaft unterstützt werden“, betont Sengl.

Im Zusammenhang mit den unerlaubt eingeführten Tieren appelliert sie:„Liebe Leute, sucht euch einen legalen Züchter in Deutschland. Das mag zwar teurer sein, aber den Tieren geht es besser.“

Pressebericht von MdlL Gisela Sengl/Norbert Höhn

Kommentare