Markus Hiebl als Bürgermeister von Freilasssing vereidigt

„Durch die Corona-Krise werden wir zusammenwachsen“

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Markus Hiebl ist Bürgermeister von Freilassing.

Freilassing - Unter Corona- Bedingungen mit strengen Abstandsregeln und Mund-Nasen- Schutzmasken wurde Markus Hiebl am Montagabend als Erster Bürgermeister der Stadt vereidigt.

Danach sprachen elf neue Stadträte ihren Eid, anschließend wurden die beiden Stellvertreter von Hiebl gewählt. Schon auf den ersten Stellvertreter konnte sich der neue Stadtrat nicht einigen, während die CSU dem Hiebl-Vorschlag für Josef Kapik (CSU) naturgemäß folgte, wollte Bettina Oestreich von den Freien Wählern nicht der Tradition folgen, dass die stärkste Fraktion im Stadtrat den Stellvertreter stellt sondern nominierte ihren Fraktionskollegen Thomas Ehrmann, ‚Pro Freilassing‘ konnte sich Wolfgang Hartmann von den Grünen als Hiebl-Stellvertreter vorstellen. In geheimer Abstimmung erhielt schließlich Josef Kapik im zweiten Wahlgang eine Mehrheit, zum Dritten Bürgermeister wurde mehrheitlich Wolfgang Hartmann von den Grünen gewählt.


Der an Jahren älteste Stadtrat Franz Krittian vereidigte Markus Hiebl und legte ihm die Bürgermeisterkette um.

Im großen Rathaussaal im Erdgeschoss waren 24 einzelne Tische aufgestellt, sodass die neuen Stadträte jeweils 1,5 Meter Abstand zueinander hatten, erst in der Sitzung auf ihrem Platz durften sie die Mund-Nasen-Schutzmasken abnehmen. Ehrengäste wie Alt-Bürgermeister Josef Flatscher und seine Gattin, sowie Landrat Bernhard Kern saßen ebenfalls alle mit 1,5 Meter Abstand zueinander.


Der ebenfalls neue Landrat Bernhard Kern bedankte sich zuerst bei Flatscher für 21 Jahre im Bürgermeisteramt, „sechs Jahre davon durfte ich den Weg als Bürgermeister der Nachbargemeinde Saaldorf-Surheim mitgehen“. Freilassing habe sich als Oberzentrum sehr gut entwickelt, durch die Corona-Krise stünden jetzt aber alle vor der größten Herausforderung, „wir müssen nun eine neue Kraft und ungeahnte Ideen entwickeln“.

Bereits in dieser Woche habe er alle 15 Bürgermeister des Kreises zu einer ersten gemeinsamen Besprechung eingeladen, „dabei soll eine einheitliche Strategie auch mit allen regionalen Vertretern von Wirtschaft und Tourismus erarbeitet werden“.

„Landkreis auf die Beine helfen“

Kern versprach hinter den Gemeinden und deren Vertretern zu stehen, „es wird noch einige Zeit der Einschränkungen geben, aber Erleichterungen sind absehbar“. Gleichzeitig müssten alle die Anti-Corona-Regeln weiter ernst nehmen, damit die Anzahl der Erkrankungen weiter gesenkt werde könne.

Seine erste Aufgabe werde es sein, der Wirtschaft und dem Tourismus „auf die Beine zu helfen“, der Landkreis werde gut „wenn auch mit einem heftigen Kratzer“ aus der Corona-Zeit kommen.

„Die Wähler haben mich mit einem klaren Auftrag ausgestattet“, Markus Hiebl

Markus Hiebl wiederholte in seiner ersten Rede vor dem neu gewählten Stadtrat bekannte Punkte aus seinem Wahlprogramm, betonte aber auch, dass die derzeitige Corona-Krise ein noch verantwortungsvolleres Handeln erfordere, „Solidarität ist gefragt“.

Am Ende seiner vorbereiteten Rede kündigte Hiebl an: „Ich will nicht schnell gehen, ich will weit gehen, mit ihnen allen zusammen“, wohl eine Andeutung, dass er nicht nur eine Amtszeit lang Erster Bürgermeister von Freilassing sein will. Er sehe sich als Vermittler zwischen der Stadtverwaltung, dem Stadtrat und den Bürgern und erwarte sich einen konstruktiven Neuanfang, „die Wähler haben mich mit einem klaren Auftrag ausgestattet, auch die Verwaltung und der Stadtrat sind hoffentlich bereit für einen Neuanfang“. Es brauche Vertrauen, Respekt und Zeit für Gespräche, „durch die Corona-Krisen werden wir zusammenwachsen“, denn „Freilassing ist unser aller Zuhause“.

Wegen der Schutzmasken entstanden in der Sitzung oft unfreiwillig komische Momente, nach der Vereidigung musste Hiebl herzhaft lachen.

Im Anschluss wurden Altbürgermeister Josef Flatscher, der ehemalige Zweite Bürgermeister Gottfried Schacherbauer und die ehemalige Dritte Bürgermeisterin Margitta Popp verabschiedet, die anderen, ausscheidenden Stadträte sollen nach der Corona-Krise feierlich verabschiedet werden. Auch Flatscher wiederholte, dass er nach dem Ende der Pandemie „eine vernünftige Abschiedsfeier mit dem Haus und den Mitarbeitern machen will“. Unter dem Applaus aller Fraktionen gab Flatscher den neuen Stadträten noch den Rat, „haltet zusammen“.

Elf neue Stadträte

Um 17.50 Uhr begann die eigentliche, erste Stadtratssitzung mit der Vereidigung des Ersten Bürgermeisters durch den an Jahren ältesten Stadtrat, Franz Krittian. Im Anschluss wurden die neuen Stadträte vereidigt: Lukas Maushammer und Stefanie Riehl, beide für die Grünen/Bürgerliste, Bernhard Schmähl für ‚Pro Freilassing‘, sowie Susanne Aigner (SPD) und Felix Barton (Afd). Außerdem Dietmar Eder, Walter Hasenknopf und Daniel Längst (FWG), sowie für die CSU Christine Schwaiger, Stefan Standl und Thomas Wagner.

Spannende Wahl zum Zweiten Bürgermeister

Während die Bürgermeister-Wahl am 15. März 2020 mit 57,2 Prozent für Markus Hiebl schnell und sehr eindeutig von den Wählern entschieden wurde gestaltete sich die Wahl seiner Stellvertreter durch den Stadtrat holpriger. Hiebl selbst schlug Josef Kapik von der CSU als Zweiten Bürgermeister vor, die CSU stimmte naturgemäß zu, Grüne, SPD und Felix Barton machten keine eigenen Vorschläge, einzig Bettina Oestreich von den Freien Wählern argumentierte, der Zweite Bürgermeister müsste jemand sein, der auch in den Kreistag gewählt worden sei und daher mehr Stimmen hätte, gemeint war ihr Kollege Thomas Ehrmann, Robert Judl von ‚Pro Freilassing‘ warf schließlich noch Wolfgang Hartmann in den Ring.

CSU hat zumindest Zweiten Bürgermeister

Im ersten Wahlgang hatte keiner der Kandidaten die Mehrheit, im zweiten Wahlgang siegte Kapik schließlich mit 13 Stimmen gegen Wolfgang Hartmann mit 11 Stimmen, ein Stadtrat gab keine Stimme ab. Somit hat die CSU zumindest den Zweiten Bürgermeister, bei der eigentlichen Bürgermeisterwahl am 15. März erhielt der CSU-Kandidat Thomas Wagner nur 17,8 Prozent und landete auf Platz 3. Hartmann schließlich wurde dann zum Dritten Bürgermeister gewählt und setzte sich deutlich gegen Daniel Längst von den Freien Wählern durch, der ebenfalls bereits am 15. März als Bürgermeister zur Wahl stand, allerdings nur 21,9 Prozent erreichte.

hud

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