Viele Fragen rund um die neuen Flüchtlinge

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Laufen/Freilassing - Seit genau einer Woche hat der Landkreis 144 neue Asylbewerber in Schulturnhallen untergebracht. Nicht nur bei Schülern und Lehrern stellten sich nun einige Fragen:

Seit genau einer Woche sind in den Schulturnhallen des Rottmayr-Gymnasiums in Laufen und der Knabenrealschule in Freilassing Notunterkünfte für Asylbewerber eingerichtet und belegt. In Laufen wurden 94 Asylbewerberinnen und bewerber untergebracht, in Freilassing 50 Menschen. Die Landkreis-Schulturnhallen mussten nach Aktivierung des Asyl-Notfallplans der Regierung von Oberbayern kurzfristig innerhalb von 48 Stunden bezugsfertig eingerichtet werden.

Am vergangenen Donnerstag lud Landrat Georg Grabner sowohl in Laufen wie in Freilassing die Schulforen, bestehend aus den Schulleitungen, Elternbeiräten, Schülersprechern, Lehrerkollegium zu „Runden Tischen“ in der jeweiligen Schule ein, um die Situation zu besprechen und sich bei den Hilfsorganisationen Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) und Malteser Hilfsdienst (MHD), die bei der Ausstattung der Hallen im Einsatz waren und bei allen haupt- und ehrenamtlichen Kräften, die sich mit großem Einsatz seit einer Woche um die Versorgung und Betreuung der Asylbewerber kümmern, zu bedanken. Ohne Ehrenamtliche, z. B. aus den Helferkreisen, wäre die Betreuung nicht zu bewältigen, so Grabner.

Das Informations- und Gesprächsangebot „aus erster Hand“ wurde in beiden Schulen von Schülern, Eltern und Lehrer rege genutzt. Dass die Situation für alle Beteiligten schwierig sei, wurde angesichts der Zugangszahlen von rund 400 Flüchtlingen täglich in der staatlichen Erstaufnahmeeinrichtung in München deutlich. Über die reguläre Aufnahmequote von 2,4 Prozent für das Berchtesgadener Land mussten nach Aktivierung des Notfallplans zusätzliche Unterkünfte, z. B. in Hallen bereitgestellt werden.

„Diese Notunterkünfte sind keine Dauereinrichtungen, sondern sozusagen Außenstellen der Erstaufnahmeeinrichtungen in München und Zirndorf“, legte Landrat Grabner dar. Hier mahnte Landrat Grabner „endlich eine gemeinsame Strategie und Lösung auf europäischer Ebene“ an. Gleichzeitig müssten in Deutschland die Anerkennungsverfahren deutlich beschleunigt werden. Trotz der Einschränkungen, die vor Ort mit der Nutzung der Hallen verbunden seien, bedankte er sich, dass die oft traumatisierten Flüchtlinge gut und fürsorglich aufgenommen worden seien.

Dr. Alfred Kotter, Schulleiter des Rottmayr-Gymnasiums in Laufen und Christian Thoma, Schulleiter der Knabenrealschule in Freilassing bestätigten unabhängig voneinander, dass die Unterbringung sehr gut organisiert sei und funktioniere und an den Schulen eine große Hilfsbereitschaft vorhanden sei. Spontan und unbürokratisch sei z. B. in Laufen von Lehrern Deutschunterricht in der Halle angeboten worden, der von den Asylbewerbern dankbar angenommen werde. Schüler hätten selbstgebackenen Kuchen geliefert und auch seitens der Eltern bestehe große Unterstützung der Aktivitäten. In Freilassing ergriff ein Sportlehrer die Initiative zum Fußballspielen mit den Asylbewerbern.

Ein Wunsch in Laufen sei jedoch, so der Schulleiter, dass die Abiturfeier, wie geplant, am 26. Juni in der Schulturnhalle stattfinden könne, nachdem die Vorbereitungen seit vielen Wochen darauf abgestellt seien. Landrat Georg Grabner bestätigte, dass ihm dieser Wunsch bereits bekannt sei und sagte zu, alles dafür zu tun, dass die Abiturfeier in der Schulturnhalle stattfinden kann, garantieren könne er dies jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Nach bisherigen Erfahrungen in anderen Landkreisen fände die Unterbringung von Asylbewerbern in Schulturnhallen in der Regel für einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen statt. Angesichts der derzeitigen täglichen Zugänge könnte dieser Zeitraum auch etwas länger sein. Möglicherweise ergäben sich jedoch – um die Abiturfeier durchführen zu können - in nächster Zeit auch andere Unterbringungsmöglichkeiten im Landkreis, so Landrat Grabner. Sicher sei, dass bei künftigen Notfall-Belegungen auch andere Hallen im Landkreis genutzt würden.

Offene Diskussion

Bei den Gesprächsrunden in Laufen und Freilassing wurden auch einige Fragen und Wünsche offen besprochen, die auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Johannes Gruber, zuständiger Geschäftsbereichsleiter im Landratsamt bestätigte, dass die vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen (Erstscreening bei Ankunft, Laboruntersuchungen auf HIV und Hepatitis B, Lungenröntgen in den Folgetagen) sowie Impfungen (gegen Polio, Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) durch die Ärzte des Staatlichen Gesundheitsamtes weitgehend abgeschlossen seien. Besondere Auffälligkeiten seien dabei bisher nicht festgestellt worden, bei den Flüchtlingen handele sich um körperlich überwiegend gesunde Menschen.

Einzelne Personen wurden bereits im Anschluss an die Erstuntersuchung einer stationären Behandlung zugeführt, so Gruber. Bei der immer wieder gestellten Frage, weshalb alle Flüchtlinge über ein Handy verfügen, antwortete Johannes Gruber, dass dies die einzige Kommunikationsmöglichkeit für die Flüchtlinge sei, mit ihrer Heimat Kontakt aufzunehmen. Die Speisenzubereitung für die Flüchtlinge erfolge durch die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Speisenausgabe durch ehrenamtliche Kräfte oder landkreiseigenes Personal. Das eingesetzte Sicherheitspersonal sorge Tag und Nacht sehr umsichtig für Sicherheit und Ordnung in und um den Hallen. Im Übrigen könnten sich die Asylbewerber frei bewegen.

Zur Abdeckung ihres Bedarfs, z. B. für Lebensmittel oder Kleidung erhielten sie gestaffelt nach Lebensalter und Familiensituation pauschale Geldleistungen zwischen 84 und 143 Euro pro Monat. Die Schulleiter Alfred Kotter und Christian Thoma nahmen jeweils den Wunsch ihrer Schülerinnen und Schüler auf, nach den Pfingstferien das Thema „Flucht und Asyl“ verstärkt in den Unterricht aufzunehmen und mit den Asylbewerbern, soweit möglich, in Kontakt zu treten um mehr über deren Schicksal zu erfahren.

Geld- und Kleiderspenden

Vielfach bestehe seitens der Bevölkerung der Wunsch, Geld- und Kleiderspenden abgeben zu können. Einheitlich wurde deshalb vereinbart, Geldspenden über das Spendenkonto der Caritas Berchtesgadener Land bei der Sparkasse Berchtesgadener Land (Konto-Nr. 390 609 BLZ 710 500 00) mit dem Verwendungszweck „Asyl Laufen“ oder „Asyl Freilassing“ oder über das Konto des Sozialfonds der Stadt Laufen Land bei der Sparkasse Berchtesgadener Land (Konto-Nr. 50104 BLZ 710 500 00) mit dem Verwendungszweck „Asyl Laufen“ anzunehmen. Die Spenden würden dann zweckbestimmt für die jeweilige Notunterkunft verwendet.

Kleiderspenden könnten in der Kleiderkammer FINA der Caritas in Freilassing, Laufener Straße 73 oder in der Knabenrealschule Freilassing, Kerschensteinerstraße 8 abgegeben werden. Angeregt wurde auch, über die Schule hinaus, den Dialog fortzuführen und weiterhin die Öffentlichkeit regelmäßig zu informieren. Landrat Georg Grabner dankte abschließend nochmals allen, die sich für eine menschenwürdige Betreuung der Flüchtlinge, sei es in den Notunterkünften aber seit langer Zeit auch in den dezentralen Einrichtungen und in den staatlichen Gemeinschaftsunterkünften, im Landkreis einsetzten. Für Fragen und Anregungen stünden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes gerne zur Verfügung.

Pressemitteilung Landratsamt Berchtesgadener Land

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