FWG-Kandidat möchte auch Baugründe für Manager

Längst fehlt Platz für "gehobenes Wohnen" in Freilassing

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„Moderat wachsen von innen nach außen“ will Markus Hiebl, Parteifreier Bürgermeisterkandidat. Es soll also wie hier in der Hauptstraße zuerst nachverdichtet werden.

Freilassing - Rufe nach leistbarem Wohnraum, Einheimischen-Modellen und einem Mix aus Eigentums- und Mietwohnungen hört man auch in Freilassing, auch schon vor dem Wahlkampf.

In der Diskussion der vier Bürgermeisterkandidaten am Montagabend entdeckte Daniel Längst von den Freien Wählern aber eine neue Nische, „es müsste auch Baugründe für gehobenen Wohnraum geben, also für Fachkräfte und gehobene Führungskräfte, die von den großen Industriebetrieben geholt würden und die sich mit der Familie dann in Freilassing niederlassen wollen“. 


Widerspruch erntete er sofort vom Kandidaten der AfD, Felix Barton. „Also der Begriff ‚gehobener Wohnraum‘ stößt mir jetzt schon auf“, er frage sich, wie viele Führungskräfte es denn bei 17.000 Einwohnern überhaupt gebe, ihm gehe es zum bezahlbaren Wohnraum.   

Für den Parteifreien Kandidaten Markus Hiebl hat Freilassing noch Potential an ausgewiesenen Bauflächen, „aber die Versiegelung muss so effizient wie möglich sein“. Als ehemaliger Bauamtsleiter der Stadt hatte er Fakten zur Ist-Situation zur Hand, mit 8 100 Wohnungen habe Freilassing bisher einen gesunden Mix aus Eigentum, also Wohnung oder Haus, und Mietwohnungen, viele Anbieter wie zum Beispiel die Genossenschaften würden durchaus leistbares Wohnen anbieten. 


„Bei derzeit geplanten 600 neuen Wohnungen unter anderem an der Münchner Straße wird Freilassing um rund 1 500 Einwohner weiter wachsen“, so Hiebl. Weiteres Wachstum müsse in einem neuen Flächennutzungsplan geplant werden, wobei Hiebl ein weiteres, „moderates Wachstum“ der Stadt begrüßt, „aber von innen nach außen“.

Zurückhaltender beim Thema Wachstum der Stadt zeigte sich CSU-Kandidat Thomas Wagner, die Stadt müsse sich „Stück für Stück“ entwickeln, der Zuzug müsse verkraftbar sein. Der Idee des AfD-Gegenübers, die Stadt solle selbst Wohnungen bauen konnte Wagner nichts abgewinnen, „die bestehenden Unternehmen wissen wie’s geht und können das auch“. Der Forderung von Längst von „gehobenem Wohnraum“ mochte sich Wagner teilweise anschließen, man habe schließlich Unternehmen mit Weltruf in Freilassing „also müssen auch höherpreisige Angebote geschaffen werden“. Ihm sei nur wichtig, dass in Zukunft Gewerbeflächen und Wohngebiete strikt getrennt werden, um hier Probleme zu vermeiden.

Unternehmer wollen digitales Rathaus

Bei den Fragen an die vier Kandidaten ging es bei der Veranstaltung der Unternehmer naturgemäß um deren Wünsche, denn mit dem Online-Service der Stadt hätten zum Beispiel „Normalbürger“ im Durchschnitt ohnehin nur einmal pro Jahr zu tun, während Unternehmer rund 50 Mal pro Jahr im digitalen Kontakt mit der Stadtverwaltung stünden, sei es um Bauanträge einzureichen oder Genehmigungen zu erhalten. 

FWG-Kandidat Längst berichtete, dass er in seiner Branche schon lange keine Papier mehr brauche sondern jeden Brief elektronisch erhalte, er wünscht sich von der Stadt ein sofortiges Feedback nach dem Eingang einer Mail nach dem Motto „Ihr Schreiben ist eingelangt, wird bearbeitet von und wird erledigt bis zum“. Das Wirtschaftsforum könne hier eine Art Beschwerdemanagement-Einrichtung werden. Wagner erschien das „zu theoretisch“, ja, die Stadt müsse Dienstleister sein und digitaler werden, dazu müssten aber noch einige Services freigeschalten und entsprechend gesichert sein, ein eigenes Gütesiegel brauche es dafür aber nicht. Bei Beschwerden rät Wagner zu einem persönlichen Kontakt, „das ist besser als schriftlich per Mail“, er wolle daher auch die Bürgersprechstunde fortsetzen.

Diesen Ball nahm auch Hiebl auf, selbstverständlich werde auch er die Bürgersprechstunde ohne vorherige Anmeldung weiterführen, wie sie Josef Flatscher eingeführt hat. Auch er ist dafür, dass die Stadt Services vermehrt Online anbietet, „man darf aber nicht vergessen dass die Stadt eben auch viele hoheitliche Aufgaben übernimmt“. Ein digitales Bauamt könne er sich vorstellen, im Landratsamt Traunstein stehe ein entsprechender Versuch unmittelbar vor einem positiven Abschluss.

Stadt soll Breitbandausbau in die Hand nehmen

Die Frage des schnellen Internets beschäftigt nicht nur viele Bürger, sondern in höherem Maße Unternehmen. Hier blickte CSU-Wagner nach Bad Reichenhall und meinte, hier könne sich Freilassing auch mal etwas von Bad Reichenhall abschauen. Gemeint war die stadteigene IT- Versorgung und Breitbandausbau durch die Stadtwerke Bad Reichenhall, „also warum integrieren wir IT- Dienstleistungen nicht in unsere Stadtwerke“, auch die Stromversorgung könnte die Stadt selbst in Hand nehmen. Längst begrüßte den Vorschlag, dass sich die Stadt selbst um einen schnelleren Ausbau kümmern sollte, Barton präsentierte eine pragmatischere Lösung, „wer mit seiner Internetgeschwindigkeit unzufrieden ist soll doch einfach den Anbieter wechseln“.

hud

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