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Es geht um Kliniken in Freilassing und Berchtesgaden

Emotionale Debatte wegen offenem Brief: „Inhaltlich ist er fatal und sachlich falsch“

Notfall Kreisklinik Berchtesgaden
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Die Notfallambulanz soll in der Kreisklinik Berchtesgaden geschlossen werden.

Landkreis Berchtesgadener Land – In teils hoch emotionaler Rede haben sich die Mitglieder des Kreistags mehr als zweieinhalb Stunden mit dem ersten landkreisweiten Bürgerantrag Bayerns befasst, der den Erhalt der Notfallambulanzen in Berchtesgaden und Freilassing fordert – bis zu einem Klinikenneubau in Reichenhall.

“Inhaltlich ist er fatal und sachlich falsch”, sagte Hans Metzenleitner, SPD-Kreisrat und Aufsichtsrat der Kliniken Südostbayern AG (KSOB). Erschüttert zeigte sich Metzenleitner über einen offenen Brief, den die “Freunde der Kreisklinik” in Berchtesgaden und Freilassing veröffentlicht hatten und in dem unter anderem der Ausstieg des Landkreises aus dem Klinikenverbund gefordert wird. “Das tut physisch weh bei so viel Ignoranz”, sagte Metzenleitner, der auf jahrelange Verhandlungen zum Erhalt der Kliniken zurückblickt und den Klinikenverbund in seiner jetzigen Form als Erfolg wertet.

Den Vorwurf, nur gewinnorientierte Entscheidungen zu treffen, ordnete er als falsch ein: “Es geht hier um tausende Arbeitsplätze und eine bestmögliche Gesundheit für die Bewohner des Landkreises.” Den Initiatoren des Bürgerantrags warf er vor, mit Halbwahrheiten und Faktenignoranz, “wie man es sonst nur von Querdenkern kennt” offenen Auges “die Bestandssicherheit der Krankenhäuser zu gefährden”. Michael Koller (Freie Wähler) warnte vor einem “Auseinanderdriften der Gesellschaft”. Er ist überzeugt: “Wir wollen im Landkreis die beste medizinische Versorgung für alle.”

Für den Bürgerantrag, der den Kreistag aufforderte, sich mit dem Klinikenthema zu beschäftigen, hatten 7800 Landkreisbewohner unterschrieben. 1540 Unterschriften seien ungültig gewesen, wusste Landrat Bernhard Kern. 

KSOB-Vorsitzender Dr. Uwe Gretscher, Ärztlicher Direktor Dr. Stefan Paech und Dr. Joaquin Kersting, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Traunstein, untermauerten die Neuausrichtung des Klinikenverbunds: “Wir sehen unsere Zukunft als gemeinsame Aufgabe zwischen den Kliniken und den niedergelassenen Ärzten”, sagte Paech. Ähnlich sieht das Grünen-Kreisrat Dr. Bartl Wimmer, selbst Mediziner, der auch sagt: “Die Debatte heute ist nicht hilfreich, wenn in deren Rahmen sogar die Zerschlagung der KSOB gefordert wird.” Leichtfertig werde hier alles aufs Spiel gesetzt.

Bau von Zentralklinikum in Bad Reichenhall?

Geplant ist in Bad Reichenhall ein Zentralklinikum, das ab 2028 gebaut werden soll. Die Kliniken in Berchtesgaden und Freilassing sollen im Zuge der Strukturreform die Notfallambulanzen schließen und Fachkliniken werden. “In Freilassing wurde die Notfallambulanz schon seit über einem Jahr nicht mehr bedient”, machte Uwe Gretscher deutlich. Das neue Zentralklinikum in Reichenhall soll bis zu 300 Betten bekommen und nach derzeitigen Erkenntnissen 185,5 Millionen Euro kosten. Unter den Kreisräten geht man von einer deutlich höheren Summe aus, die das Zentralklinikum am Ende kosten könnte. 

Ein Krankenhaussterben im Landkreis sei das letzte, was Uwe Gretscher sich wünsche: “Davon sind wir meilenweit entfernt.” 

Rederecht bekamen die Vertreter des Bürgerantrags in der Kreistagssitzung nicht. Dr. Reinhard Reichelt, der den Bürgerantrag von Anfang an unterstützt und die gesammelten Unterschriften Landrat Bernhard Kern übergeben hatte, äußerte sich als Kreisrat. Er distanzierte sich von der Forderung, aus dem Klinikenverbund aussteigen zu wollen, warnte aber vor einer künftigen Situation, in der der Rettungsdienst überfordert sein könnte: “In den vergangenen Wochen häufen sich die Fälle, bei denen die Bereitschaften einspringen müssen, wenn der reguläre Dienst unterwegs ist.” Kreisrat Hans Metzenleitner warf Reichelt vor, als Interessenvertreter und nicht als Kreisrat zu sprechen. “Wir wissen doch alle, dass es ein Miteinander brauchen wird, um unseren Klinikenstandort zu sichern.”

Ein Bürgerbegehren schließen die Initiatoren des Bürgerantrags weiterhin nicht aus. “Ich halte ein solches aber für unzulässig”, sagte Kreisrat Bartl Wimmer. “Wir sollten die Diskussion wieder versachlichen.” Denn klar sei, dass der Fachkräftemangel noch größer werde. “Sollen wir die Strukturen dann dreifach vorhalten”, fragte er in die Runde.

kp

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