Jahreshauptversammlung der Bergwacht

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Die beiden Ausbildungsleiter Thomas Läpple (im Bild) und Rudi Hiebl zogen Bilanz über die 37 im abgelaufenen Jahr durchgeführten Termine und weitere, zusätzliche Ausbildungsveranstaltungen der Höhlenretter, der Anwärter und für die Weiterqualifizierung der Ausbilder selbst.

Freilassing - Bei der Jahreshauptversammlung der Bergwacht wurde auf das einsatzreiche Jahr 2013 zurückgeblickt. Die Bergretter waren in insgesamt 25 Einsätzen gefordert.

Die ehrenamtlichen Berg- und Höhlenretter der Bergwacht Freilassing haben bei ihrer Jahreshauptversammlung im BRK-Haus auf das vergangene, von Hochwasser und Waldbränden geprägte Einsatz- und Ausbildungsjahr zurückgeblickt, den abschließenden Ausbau ihrer Höhlenrettungswache am neuen Mitterfeldener Feuerwehrhaus präsentiert sowie langjährig aktive Bergwachtmänner und die Fluthelfer vom vergangenen Sommer geehrt. Bereitschaftsleiter Siegfried Fritsch, sein nach dem plötzlichen Tod von Dr. Hubert Glässner neu gewählter Stellvertreter Thomas Klein, die Ausbildungsleiter Thomas Läpple und Rudi Hiebl und Kassenwart Niko Magg berichteten unter anderem von 25 Einsätzen und 37 Aus- und Fortbildungsveranstaltungen.

Bergwacht Chiemgau vor 90 Jahren in Freilassing gegründet

Die Freilassinger Bergretter haben 2014 gleich mehrfachen Grund zu feiern und deshalb unter anderem ein Fest und eine Ausstellung geplant: Sie sind die älteste Bergwacht-Bereitschaft in der Region: Am 24. Mai genau vor 90 Jahren wurde die damalige Bergwacht-Abteilung (heute Region) Chiemgau durch Fritz Jochum in Freilassing gegründet.

Bei der ersten Mitgliederversammlung am 18. Oktober gehörten der Abteilung elf Alpenvereinssektionen und eine Ortsgruppe der Naturfreunde mit insgesamt bereits 104 aktiven Bergwachtmännern an. Die Bergwacht beteiligt sich auch am Festakt zum 60. Jubiläum der Stadterhebung von Freilassing, will im Herbst mit einem Grillabend die fertiggestellte Höhlenrettungswache am neuen Mitterfeldener Feuerwehrhaus einweihen und zugleich das 90-jährige Jubiläum feiern.

Aktuell besteht die Freilassinger Bergwacht aus 51 Mitgliedern, darunter 25 aktive Einsatzkräfte, zu denen auch zwei Ärzte und sechs Rettungsassistenten gehören. Sie sind als Höhlenretter der Bergwacht-Region Chiemgau, als Gruppe für Funk und Kommunikation und als Experten im Kriseninterventionsdienst (KID) Spezialisten auf gleich mehreren Fachgebieten, meisterten 2013 aber auch 25 reguläre Bergrettungseinsätze. 14 zusammen mit den Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger, drei als Höhlenrettung und acht bei den Diensttagen im Skigebiet am Götschen.

Zusätzlich waren einzelne Freilassinger Bergretter auch unter der Woche als Skiwacht auf den heimischen Pisten unterwegs, wo weitere 20 Einsätze absolviert wurden. Neben Sportveranstaltungen wie dem Graziman am Zwiesel oder dem Stoißeralm-Lauf sicherte die Freilassinger Bergwacht heuer auch erstmals Rennveranstaltungen am Jenner und am Götschen ab, um die örtlichen Bergwachten zu entlasten. 2013 wurden auch 225 Naturschutzstreifen durchgeführt.

Traditionell kümmert sich die Bergwacht auch um den Sanitätsdienst beim Ringen in Anger, wobei Anton Hausmann nun aus Altersgründen ausgeschieden ist und Fritsch einen Nachfolger für das Team sucht.

37 Aus- und Fortbildungstermine

Vor allem die Aus- und Fortbildung kostet die Ehrenamtlichen enorm viel Zeit, ist aber Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung der oft sehr gefährlichen Einsätze. Die beiden Ausbildungsleiter Thomas Läpple und Rudi Hiebl zogen Bilanz über die 37 im abgelaufenen Jahr durchgeführten Termine und weitere, zusätzliche Ausbildungsveranstaltungen der Höhlenretter, der Anwärter und für die Weiterqualifizierung der Ausbilder selbst.

Themen waren unter anderem Bergrettung (11), Notfallmedizin und Sanitätsdienst (14) und Naturschutz (2), fünf Hubschrauberausbildungen und Einsatzübungen am Teisenberg und Högl, im Steinbruch am Wachterl, eine Eisausbildung am Heinrich-Schwaiger-Haus, eine Winterübung am Seeleinsee und das Training in der Hubschrauber-Simulator-Halle in Bad Tölz.

Läpple dankte abschließend allen Ausbildern, die maßgeblich dafür verantwortlich zeichnen, dass die Bergretter auch schwierige Situationen im Ernstfall souverän als Team meistern.

Sieben Anwärter auf dem anspruchsvollen Weg zur aktiven Einsatzkraft

Aktuell sieben Anwärter beweisen, dass der abwechslungsreiche, aber auch sehr anspruchsvolle Dienst in der Bergwacht trotz schwieriger Zeiten für das Ehrenamt noch immer junge Menschen begeistern kann.

„Seit Manfred Huber vor acht Jahren die Anwärter-Ausbildung übernommen hat, ist keiner mehr durch die Prüfungen durchgefallen. Er legt sich gewaltig ins Zeug, ist regelmäßig mit den jungen Leuten unterwegs und bringt ihnen sehr viel bei“, lobte Fritsch. Kondition und alpines Können als Skifahrer, Kletterer und Bergsteiger sind die Einstiegsvoraussetzungen für die rund zwei- bis dreijährige Ausbildung zum aktiven Bergretter.

Wer Bergwacht-Einsatzkraft werden will, muss die Eignungstests Sommer und Winter bestehen, Grundausbildungen in Notfallmedizin und Luftrettung durchlaufen und dann insgesamt fünf Prüfungen in Notfallmedizin, am Hubschrauber, in Sommer- und Winterrettung und im Naturschutz bestehen - und dazwischen recht viel üben und lernen. Danach folgt die Spezialisten-Ausbildung, beispielsweise zum Höhlenretter, Hundeführer oder Canyon-Retter.

Drei Alarme für die Höhlenrettung

Aktuell gehören 17 Höhlenretter an den Standorten Freilassing, Berchtesgaden und Bergen zur Gruppe, von denen sieben beide Lehrgänge absolviert haben und damit voll ausgebildet sind. Die restlichen Mitglieder haben eine interne Ausbildung durchlaufen und werden in den kommenden Monaten und Jahren weiterqualifiziert.

2013 wurden sie dreimal von der Leitstelle Traunstein alarmiert; unter anderem waren am 28. August im Lamprechtsofen nahe St. Martin bei Lofer im Pinzgau 27 Besucher der Schauhöhle eingeschlossen. Durch den Starkregen eingedrungenes Wasser versperrte ihnen den Rückweg. Einsatzkräfte aus Salzburg und Bayern brachten sie unverletzt ans Tageslicht zurück.

Bundesweit ereignen sich pro Jahr nur eine Hand voll Höhleneinsätze, wenn aber etwas passiert, dann sind alle voll gefordert, denn was sie tun ist mitunter das Schwierigste, Personal- und Materialintensivste, was der Bergwachtdienst zu bieten hat.

Höhlenrettungswache in Mitterfelden weiter ausgebaut

Ein Kernteam mit Höhlenrettungschef Peter Hogger, Guido Fick, Manfred Huber, Thomas Klein und Georg Wimmer kümmerte sich um den weiteren Ausbau der Höhlenrettungswache im neuen Mitterfeldener Feuerwehrhaus, wo unter anderem eine gemütliche als Almhütte bezeichnete Holz-Balkon-Empore mit Stüberl eingebaut wurde. Das Holz dafür stiftete der Berchtesgadener Forst und das Sägewerk Moosleitner. Klaus Kronawitter übernahm währenddessen alle Arbeiten, die für die Bergwacht im Zusammenhang mit dem Umbau des Freilassinger BRK-Hauses anfielen.

2014 sollen in der rund acht Meter hohen ehemaligen Supermarkt-Halle in Mitterfelden noch ein Trainingsparcours und eine Nasszelle eingebaut werden, bevor dann mit einer Grillfeier im Herbst die offizielle Einweihungsparty steigt.

Enge Zusammenarbeit mit den Salzburgern

Regelmäßig, meist an Montagabenden, sind die Spezialisten bei Übungen und Erkundungstouren in den heimischen Höhlen unterwegs. Zusätzlich findet Trockentraining statt, denn in der Höhle, wo es stockdunkel ist, kann sich keiner Fehler erlauben.

„Wir arbeiten eng mit den Salzburgern zusammen und waren neben zehn Ausbildungsabenden im Depot in Mitterfelden unter anderem in der Adventhöhle, bei der EU-Übung Taranis, in der Gotzenbeinhöhle, in der Reinersberghöhle, bei einer Bundesübung im Hochriesgebiet, im Lengfeldkeller und in der Pfingsthöhle unterwegs“, berichtete Thomas Klein stellvertretend für Höhlenrettungschef Peter Hogger, der wegen einer Auslandsreise verhindert war.

Rund 17.000 Euro Ausgaben

Kassenwart Niko Magg hatte 2011 nach 34 Jahren die Aufgaben von seinem Vorgänger Kurt Rexer übernommen und wurde nach Prüfung der beiden Revisoren Gerhard Hogger und Markus Weilacher bei der Jahreshauptversammlung von den Mitgliedern einstimmig entlastet.

2013 standen über 16.000 Euro an Einnahmen rund 17.000 Euro an Ausgaben gegenüber, wobei die größten Posten Dienstbekleidung, Aufwendungen für die Höhlenrettung, Gebäudekosten, Versicherungen, die Unterhalts- und Reparaturkosten für das Auto und Ausgaben für Ausrüstung und Geräte waren. „Das Mercedes Vito mit Iglhaut-Allrad ist sehr reparaturanfällig, wird aber voraussichtlich schon 2015 ausgetauscht werden“, erklärte Fritsch.

Aktuell 199 Förderer unterstützten die Arbeit der Bergwacht Freilassing mit einem regelmäßigen Mitgliedsbeitrag.

Viel Lob für spezialisierte Dienste

Die Grußworte des stellvertretenden Reichenhaller Bereitschaftsleiters Stefan Strecker und des Teisendorfer Bereitschaftsleiters Lenz Aschauer waren geprägt von Anerkennung und Lob für die geleistete ehrenamtliche Arbeit. Vor allem für die spezialisierten Dienste, wie Höhlenrettung, Funk und Kommunikation oder Kriseninterventionsdienst (KID), mit denen die Bergwacht Freilassing die gesamte Region und das angrenzende Österreich unterstützt.

Die Höhlenrettungsgruppe Freilassing arbeitet seit ihren ersten Gehversuchen Hand in Hand grenzüberschreitend mit den österreichischen Kollegen zusammen. „Freilassing und Salzburg sind eine Einheit und ergänzen sich perfekt“, lobte Landesleiter Helmut Obermair vom Höhlenrettungsdienst Salzburg, der an die im vergangenen Jahr gemeinsam absolvierten Einsätze erinnerte und eine Alarmübung im Mai mit Beteiligung der Freilassinger ankündigte.

Pressemitteilung BRK Berchtesgadener Land

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