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Vorwürfe und Kritik

Heftige Debatte in Freilassing über Krankenhaus-Zukunft: „Kein Raum für Bauchgefühle“

Der ehemalige Chefarzt Franz Christoph Himmler vom Freundeskreis des Krankenhauses sieht seine jahrelangen Warnungen und Befürchtungen nun bestätigt, „es bleibt nur noch die Psychiatrie“
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Himmler Franz Christoph Ex Chefarzt Freilassing Zukunft Krankenhaus (1).jpg

Das „Aus“ für das Krankenhaus Freilassing, zumindest für die stationäre Versorgung, hat nach einer gemeinsamen Sitzung der drei Kommunen in einer spontanen „Fragestunde“ auch zu heftiger Kritik aus den Reihen der Besucher geführt.

Freilassing - Wie berichtet, erläuterte das Management der Kreiskliniken Südostbayern vergangene Woche die medizinische Strategie der sechs Häuser im Verbund, für Freilassing bedeutet dies der Umbau zu einer geriatrischen Tagesklinik und das Aus für die stationäre Versorgung.

Um 19 Uhr startete die über zwei Stunden dauernde Präsentation von Vorstadtvorsitzenden Uwe Gretscher und dem medizinischen Leiter Stefan Paech, anschließend begann um 21.40 Uhr die gemeinsame Sitzung der drei Kommunen Freilassing, Saaldorf-Surheim und Ainring, die erstaunlich rasch über die Bühne ging, auch weil Freilassings Bürgermeister Markus Hiebl den Unmut der rund 150 Besucher von Anfang an mit dem Versprechen im Zaun halten wollte, dass es am Ende eine „Fragestunde“ geben werde. Diese begann dann tatsächlich um 22.40 Uhr, die Aula der Mittelschule war zu diesem Zeitpunkt erstaunlicherweise noch immer gefüllt.

Statt Versorgung „fahren Sie ihr Auto weg“

Werner Hafner aus Freilassing berichtete über einen Vorfall, der seiner Meinung nach kein Einzelfall ist und das absichtliche Aus für das Krankenhaus deutlich zeige: Nach einem Fahrradunfall unter der Woche sei er mit einem Mitglied der Familie zum Krankenhaus gekommen, die Notaufnahme am hinteren Eingang gebe es wegen Corona nicht mehr, man müsse zum Haupteingang.

„Dort sagte man uns, wir sollen nach Bad Reichenhall fahren, bei chirurgischen Eingriffen könne man in Freilassing nichts tun“. Wirklich wichtig war den Mitarbeitern anscheinend nur, „dass wir möglichst schnell unser Auto vom Haupteingang wegfahren“, empörte sich Hafner. Stefan Paech als medizinischer Leiter entschuldigte sich falls es so vorgefallen sei, „so darf es nicht laufen, jeder Patient wird zuerst angesehen und erst dann werde entschieden, was zu tun ist und wo“.

Elli Ehrmann, ebenfalls aus Freilassing, fehlte der Plan B, „was ist, wenn der Neubau in Bad Reichenhall nicht kommt?“. Trotz der vielen Unsicherheiten derzeit gibt es nach Ansicht von Gretscher „keinerlei Hinweise darauf dass das mit dem Neubau in Bad Reichenhall nicht funktioniert“. Es gebe klare Willensbekundungen des Kreistages und der Stadt Bad Reichenhall, „aber wir habe ja zwei grundsätzlich geeignete Grundstücke, eines in Bad Reichenhall und eines in Piding“.

Kostenschätzung vor Krieg erstellt

Ein anderer Besucher zweifelte, dass für derzeit geschätzt 186 Millionen Euro ein neues Zentralklinikum zu bauen sei, „ich höre heute schon von 500 Millionen Euro“. Der Vorstandsvorsitzende versicherte, dass die Kostenschätzung bei 175 Millionen Euro liege, „diese Zahlen sind erst sechs Monate alt“, sind also noch vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine erstellt worden.

Wann sich der Markt wieder beruhige wisse niemand, „klar ist nur, die Zeit, die bis zum Baustart vergeht, wird Geld kosten“, soll heißen, je länger man wartet desto teurer könnte der Bau werden. Derzeit geht Gretscher von einer Inbetriebnahme 2028 aus.

Psychiatrie unglücklich, weil „allein auf der grünen Wiese“

Ein Krankenhaus-Freundkreis rund um den ehemaligen Chefarzt der Klinik von 1983 bis 2005, Franz-Christoph Himmler, sieht all seine Warnungen und Befürchtungen nun bestätigt, denn das „politische Aus“ für das Krankenhaus in Freilassing sei schon unter Alt-Landesrat Georg Grabner beschlossen worden.

„Es bleibt jetzt für Freilassing nichts anderes übrig als die Psychiatrie“, betrieben vom Bezirk Oberbayern, diese müsse man nun umwerben, „aber die Psychiatrie ist nicht glücklich dass sie nun alleine auf der grünen Wiese steht“, will Himmler vernommen haben. Überall sei die Psychiatrie an Standorten, wo es auch große Kliniken gebe.

Himmler warf Landrat Kern am Podium vor, sich nicht für Freilassing eingesetzt zu haben, was dieser prompt zurückwies. „Herr Himmler, Sie waren bei mehreren Unterredungen dabei und sie erinnern sich vielleicht, was Ihnen ihr Berater zur Zukunft des Krankenhauses Freilassings gesagt hat“, offensichtlich ist der zu den gleichen Schlussfolgerungen gekommen wie das Kliniken-Management, deutete Kern an.

„Kein Platz für Bauchgefühle“

Vorstandsvorsitzender Gretscher ging nur kurz auch Himmlers Kritik ein, „Freilassing ist ein Teil des Verbundes – sechs Kliniken – wir haben hier keinen Raum für Bauchgefühle“. Freilassing „aufzurüsten ist ja genau nicht sinnvoll, der Bedarf ist einfach nicht gegeben“, schloss Gretscher den Kreis zu der Stunden zuvor begonnen Veranstaltung. „Die Perspektiven muss man erkennen wollen“, so Gretscher zum Ende der Fragestunde, um 23.20 Uhr.

hud

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