Nach Brand in Freilassing

Zwei Bäckerei-Filialen der Familie Meßner wieder geöffnet: „Ohne Söhne hätte ich vielleicht aufgehört“

Die gesamte Familie Meßner freut sich wieder aufs Aufsperren, v.r. Senior-Chef Max Meßner, Christine und Thomas Meßner, sowie Thomas, Patrick und Sabrina Meßner.
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Die gesamte Familie Meßner freut sich wieder aufs Aufsperren, v.r. Senior-Chef Max Meßner, Christine und Thomas Meßner, sowie Thomas, Patrick und Sabrina Meßner.

Seit fast vier Monaten war es in der Backstube der Familie Meßner in der Jahnstraße ruhig, sehr ruhig. Nach einem Brand in dem Haus darüber waren die Maschinen durch eingedrungenes Löschwasser so stark beschädigt, dass ein Weiterbetrieb nicht möglich war.

Freilassing - Jetzt ist alles neu, am Freitag gab’s ein erstes Probebacken. Hatten Thomas Meßner, seine zwei Söhne und die Mitarbeiter das Handwerk verlernt? „Natürlich nicht“, lacht Thomas Meßner, „wir wollten einfach die neuen Maschinen, die Öfen und die Arbeitsabläufe testen.“ Gebacken wird seit heute, Samstagmorgen, 4 Uhr für die beiden Filialen in der Münchner Bundesstraße 55 und beim Penny-Markt in der Ludwig-Zeller-Straße, das Hauptgeschäft in der Jahnstraße bleibt noch mindestens ein Jahr geschlossen, „denn das Haus darüber muss ja erst saniert werden.“

Auch für die Meßner-Söhne Thomas und Patrick klingelt jeden Morgen um 3.30 Uhr der Wecker.

In der rund 60 m² großen Backstube wird es in den nächsten Monaten auch darum eng werden, weil auch Kuchen und Torten jetzt dort gebacken werden, „die frühere Torten-Backstube wird erst später fertig“, so Meßner. Die 55-Jahre alte Backstube hat nun eine neue Decke mit einem speziellen Brandschutz-Anstrich, alle Metallhalterungen, Stecker und Werkzeuge bis zum Brotschieber sind neu. 

„Schmeckt ja noch besser“

Vor dem Probebacken am Freitag wackelte der Eröffnungstermin heute noch kurzzeitig, ein Ofen und eine weitere Maschine wollten einfach nicht, Monteure  waren aber schnell zur Stelle, „jetzt funktionieren alle Maschinen“, so der Bäckermeister. Senior-Chef Max Meßner hatte die Bäckerei 1965 gegründet, er kostet Brot, Baguette und Weckerl des Probebackens, „schmeckt ja besser wie früher“ scherzt er, „nein, schmeckt so gut wie immer, schauen Sie, wie knusprig das ist“, und beißt hinein.

800.000 Euro Brandschaden 

Seit dem Brand in der Nacht auf den 17. November im 120 Jahre alten Wohnhaus war auch die angebaute Backstube darunter geschlossen, „es war alles mit Löschwasser kontaminiert, wir mussten wirklich alles wegwerfen, Lebensmittel, Rohstoffe, alles“, erinnert sich Thomas Meßner. Als erstes schickte die Versicherung Brandsanierer, die die Backstube komplett ausräumten, die Konditorei und die in Brand geratene Kühlung waren komplett zerstört. „Wir reden mittlerweile von einem Totalschaden mit geschätzt 800.000 Euro“, zum Glück von einer Versicherung gedeckt. Nicht nur der Verkauf in der Jahnstraße musste schon am Tag nach dem Brand eingestellt werden, auch die beiden Filialen blieben leer, der Verkaufswagen in der Garage.

Einsatz der Feuerwehr nach Brand in der Jahnstrasse in Freilassing

Brand in der Jahnstraße in Freilassing
Brand in der Jahnstraße in Freilassing. © FDL/Brekl
Brand in der Jahnstraße in Freilassing
Brand in der Jahnstraße in Freilassing © FDL/Brekl
Brand in der Jahnstraße in Freilassing
Brand in der Jahnstraße in Freilassing © FDL/Brekl
Brand in der Jahnstraße in Freilassing
Brand in der Jahnstraße in Freilassing © FDL/Brekl
Brand in der Jahnstraße in Freilassing
Brand in der Jahnstraße in Freilassing © FDL/Brekl
Brand in der Jahnstraße in Freilassing
Brand in der Jahnstraße in Freilassing © FDL/Brekl
Brand in der Jahnstraße in Freilassing
Brand in der Jahnstraße in Freilassing © FDL/Brekl
Brand in der Jahnstraße in Freilassing
Brand in der Jahnstraße in Freilassing © FDL/Brekl

„Ohne Söhne vielleicht ans Aufhören gedacht“

Der Schicksalsschlag schweißte die Familie noch enger  zusammen, aber Thomas Meßner gibt zu, „dass ich ohne meine beiden Söhne vielleicht ans Aufhören gedacht hätte, vielleicht hätte ich dann nicht mehr die Kraft gehabt“. Christine Meßner war über das „unglaubliche Mitgefühl“ der Kundinnen überrascht, „so viele haben immer wieder gefragt, wann wir endlich wieder aufsperren“. Auch für die Familie selbst war es plötzlich neu, Brot und Semmeln bei der Konkurrenz zu kaufen, „wir haben alles durchprobiert“, lacht Christine Meßner

Senior wollte in den Europark

Seit heute riecht es zumindest in der Backstube und in zwei Filialen wieder nach frischem Brot und Gebäck, und Meßners beweisen, dass eine echte Handwerks-Bäckerei auch in einem Discounter funktionieren kann. „Beim Penny machen wir das beste Geschäft, auch wenn der Discounter selbst auch Brot und Semmeln verkauft.“ Die Zukunft des Familienbetriebs sieht Thomas Meßner gesichert, auch dank seiner beiden Söhne, einer von ihnen macht die nächsten Wochen die Meisterausbildung in Straubing. Während andere Unternehmen ihre Zukunft in der Expansion sehen, also mehr Filialen und mehr Brotverkauf, zeigen sich die Meßners bodenständig, „wir wollen nicht größer werden“, so die Familie einstimmig. 

Im Familienbetrieb Meßner helfen natürlich auch Tochter Sabrina und Ehefrau Christina mit, „wir freuen uns, dass die Kundinnen so zu uns stehen“.


Nur der Senior-Chef Max Meßner überlegt laut: „Also Reichenhall wäre schon interessant“, meint damit aber nur einen weiteren Standort für den Verkaufswagen. Er erinnert sich aber, dass er seine Sauerteig-Brote auch einmal am wöchentlichen Wochenmarkt im Europark verkaufen wollte, aber irgendwie klappte das nicht. Am Freilassinger Wochenmarkt sind die Meßners übrigens nie gewesen, „der ist einfach zu nahe am Geschäft“.

Grünes Licht vom Gesundheitsamt

Vor dem Probebacken und dem Wiederhochfahren der Backstube in der Nacht auf heute wollte Thomas Meßner eine behördliche Abnahme, „ich habe also beim Gesundheitsamt angerufen damit sie kommen und sich alles anschauen. Das war mir wichtig.“ Behördlich genehmigt beginnt für die Familie Meßner heute der nächste Lebensabschnitt mit ihrer neuen Backstube, als „Dankeschön“ für das lange Warten und die Treue der Kundinnen gibt’s übrigens in den beiden wieder eröffneten Filialen Creme-Schnitten zum Preis von einem Euro.

hud

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