Liefergutscheine und Online-Services in der Corona-Krise

Wirtschaftsforum Freilassing: „Bleiben Sie bitte unseren Unternehmen treu“

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Freilassing - „Bleiben Sie bitte unseren Unternehmen treu“, so appelliert derzeit das Wirtschaftsforum an den Stadteinfahrten und in der Innenstadt an die Kunden, die wegen der Corona-Krise großteils vor verschlossenen Geschäften stehen. „Wir müssen jetzt zusammenhalten und auch ein wenig Aktionismus machen“, so Anni Klinger, die Vorsitzende des Wirtschaftsforums, einem Zusammenschluss aller Unternehmen in Freilassing.

Einige Geschäfte wie zum Beispiel Lebensmittel, Optiker oder Tabakläden, sowie Apotheken und Drogeriemärkte dürfen offen halten, zum Teil auch nur Stundenweise, andere bieten ihren Kunden einen Lieferservice an, in der Fußgängerzone hängen an zahlreichen Geschäften wie zum Beispiel einem Juwelier oder einem Koffer- und Taschengeschäft entsprechende Hinweise mit Mail-Adressen und Telefonnummern. „Wir verkaufen jetzt auch in der WIFO-Geschäftsstelle viele Liefergutscheine, die die Kunden dann bei den Freilassinger Geschäften einlösen können, wenn diese wieder öffnen dürfen“.


Liste aller Geschäfte und Unternehmen, die derzeit ganz oder eben eingeschränkt offen halten dürfen oder einen Online-Service anbieten.

Auch das Wirtschaftsservice des Berchtesgadener Landes hat eine Art Gutscheinaktion ins Leben gerufen, auf der Seite www.bgl-hilft.de wird man auf eine Seite des Wirtschaftsservice weitergeleitet, auf der sich sowohl Anbieter, als auch mögliche Kunden registrieren lassen können. Derzeit bieten 17 Unternehmen Gutscheine an, zum Beispiel für das Park-Kino, Sport- und Motorradgeschäfte oder eine Massagepraxis.


Freilassing: Viele Geschäfte wegen Corona-Krise geschlossen

 © Michael Hudelist
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Anni Klinger: „Wir werden das schon durchhalten“

Die Stimmung unter den Geschäftsleuten sei natürlich angespannt, „aber die meisten jammern nicht, sondern überlegen wie sie in die Zeit nach der Krise starten können“, so Klinger. Viele Geschäfte hätten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, „von Kündigungen weiß ich noch nichts“. Klinger ist überzeugt davon, dass nach der Krise wieder alle Geschäfte aufsperren werden, „besonders traurig ist die Situation für Läden, die jetzt neu aufmachen wollten wie zum Beispiel ein Kinderschuhgeschäft“. Die meisten WIFO-Mitglieder hätten Überbrückungsförderungen beantragt, Klinger habe aber noch keine Rückmeldung von den Mitgliedern, wie schnell hier finanzielle Hilfen fließen.

Einen Handelsstreit wie in Österreich, wo Einzelhändler sogar Supermärkte schon klagen, weil sie neben den Grundnahrungsmittel weiterhin Spielsachen, Textilien und Elektrogeräte verkaufen, sieht Klinger in Freilassing nicht. „Spielwaren zum Beispiel dürfen ja weiterhin Online verkauft werden, der Seigert macht das ja auch“. Klinger glaubt nicht, dass ein Freilassinger Geschäft derzeit sauer auf den Globus ist, dessen Situation derzeit wegen der fehlenden Österreicher auch nicht gut sei. „Aber beim letzten Lebensmittel-Einkauf hab ich mir schon gedacht: Hut ab vor all den Mitarbeitern, die jetzt unter höherem Ansteckungsrisiko für uns arbeiten“. Die Politik sollte allerdings schon darüber nachdenken, dass man ein paar Branchen nach dem 19. April wieder aufsperren darf, auch wenn man dann zum Beispiel nur eine gewisse Anzahl an Kunden in das Geschäft lassen dürfe.

Kein einziger Österreicher kommt

Schon im Herbst 2015 kam es wegen der damals eingeführten Grenzkontrollen zwischen Österreich und Deutschland vorübergehend zu einem Abebben der Kundenströme, „dass jetzt überhaupt kein Österreicher mehr kommen darf daran kann ich mich nicht erinnern, dafür bin ich noch zu jung“, so Klinger, die auch in dieser Lage ihren Humor nicht verloren hat. Nach dem Herbst 2015 hatte Klinger immer wieder Umsatzeinbußen beklagt, weil wegen der Grenzkontrollen weniger Österreicher gekommen seien, zur Frage, ob nach der Corona-Krise und dem de facto Einreiseverbot für Nicht-Deutsche die Österreicher wieder in dem Ausmaß nach Freilassing kommen werden wagt Klinger derzeit nicht zu beurteilen, „das kann ich nicht einschätzen“.

Das Wirtschaftsforum Freilassing hat 170 Mitgliedsbetriebe aus den Bereichen Handel und Versorgung, Industrie und Handwerk, Dienstleister und Freie Berufe, sowie Gastronomie und Tourismus.

Michael Hudelist

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