Debatte um Matulusstraße in Freilassing

Weiter Streit um Bauprojekt am Krankenhaus: FWG-Stadtrat fordert Rückabwicklung

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In einer Fotomontage zeigen die Investoren nun, wie sich das Areal derzeit darstellt (links) und wie es nach der geplanten Verbauung aussehen könnte.
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Freilassing - Fünf Wohnblocks mit über 120 Wohnungen am ehemaligen Areal des Krankenhauses werden zum Dauerzankapfel im Stadtrat, auch am Montagabend wurden zwei Anträge behandelt, in denen es im Groben um die geplante Dichte der Bauten und um den Schutz von Bäumen ging.

Florian Löw als Fraktionssprecher der Freien Wähler forderte gar eine Rückabwicklung, „der Landkreis soll das Grundstück zurücknehmen und dem Investor das Geld zurückgeben“, die Fläche solle dann ausgeschrieben werden und damit könne zum Beispiel auch die Stadt das Areal kaufen. 

„Gut gebrüllt“, so die erste Reaktion von Bürgermeister Josef Flatscher, man könne aber nicht jedes Mal von vorne beginnen, er kenne kein Projekt das von Anfang an so transparent abgelaufen sei.

„als Stadtrat am Nasenring“ vorgeführt

Löw blieb bei seiner Forderung, er sieht gar einen „Volksaufstand“, so viele Emotionen hätte er noch bei keinem anderen Bauvorhaben erlebt, „nicht einmal beim Sonnenfeld“. Zum wiederholten Mal bemühte Löw das Bild, dass er sich „als Stadtrat am Nasenring“ vorgeführt fühle, „weil wenn wir jetzt zustimmen ist das ein Präzedenzfall, das heißt in Zukunft kann der Landkreis oder sonst wer der Stadt ein Projekt aufs Auge drücken“. 

Auf Nachfrage von BGLand24 erklärte Bettina Oestreich, ebenfalls Freie Wähler, dass Löw seine Forderung vorab in der Fraktion besprochen habe, „niemand ist dagegen gewesen“, aber bei den Freien Wählern dürfe jeder seine Meinung sagen.

Noch in der Stadtratssitzung konterte Bürgermeister Flatscher auf den Vorwurf, der Verkauf des Grundstücks durch den Landkreis sei nicht transparent gewesen. „Es war noch nie so transparent wie bei diesem Vorhaben, haben Sie öfters gefehlt?“. 

Diskussionen um Bauvorhaben seien in der Regel immer mit Emotionen verbunden, „wenn ich da zum Beispiel an das Sonnenfeld denke“, aber man könne nicht in jeder Sitzung das Projekt von vorne beginnen. 

Die Stadt mache sich selbstverständlich Gedanken um die Rahmenbedingungen zu jedem Bau, aber bei den Diskussionen im Stadtrat wundere es ihn, „dass heute noch jemand Lust hat als Investor aufzutreten“.

„Anträge sollen nur Bau verhindern“

Als Mitglied des Kreistages und stellvertretender Landrat wies auch Stadtrat Helmuth Fürle (SPD) die Kritik Löws scharf zurück, die Stadt sei nach wie vor Herr des Verfahrens, „egal, an wen der Landkreis verkauft hat“, es würden alle Fragen der Fraktionen sauber abgearbeitet. „Aber ich habe den Eindruck alle Anträge sollen nur dazu dienen das Bauvorhaben an der Matulusstraße zu verhindern“. Das rief Robert Judl von ‚Pro Freilassing‘ noch einmal auf den Plan, auch er hatte einen Antrag mit zahlreichen Fragen an die Verwaltung eingebracht. 

„Nein, die Anträge sollen nichts verhindern“, so Judl, aber als Stadtrat wolle er sich aktiv einbringen, und ja, die Baumasse sei nicht ortsverträglich. „Die Wohnblöcke passen da einfach nicht rein, auf der einen Seite drei bis vier Geschosse und auf der anderen Seite eingeschossige Häuser“, so Judl. 

Bettina Oestreich von den Freien Wählern, auch diese hatten einen Antrag mit zahlreichen Fragen eingebracht, verteidigte ihren Antrag. „Wir nehmen die Sorgen der Bürger auf, denn wir sind nicht gewählt worden um die Interessen von Investoren zu verfolgen“.

Mehrheitlich nahm der Stadtrat die beiden Anträge von Freien Wählern und Pro Freilassing zur Kenntnis, mit den Antworten der Stadtverwaltung sind die Anträge somit erledigt.

Fünf Wohneinheiten auf 1,3 Hektar großem Areal

Wie berichtet, planen Investoren auf dem 1,3 Hektar großen Areal zwischen dem Krankenhaus und der Matulusstraße insgesamt fünf Wohnbauten, davon drei zusammenhängende drei- bis viergeschossige Wohnblocks auf einer jetzt noch freien Fläche, sowie ein Block auf dem Platz des seit Jahren leer stehenden Schwesternheimes. 

Protest kommt naturgemäß von den Anwohnern auf der anderen Seite der Straße. Die Mehrheit im Stadtrat sieht hier allerdings eine gute Möglichkeit auch sozialen und leistbaren Wohnraum für die wachsende Stadt zu schaffen.

hud

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