Corona-Anstieg im Berchtesgadener Land

Eindrücke aus Freilassing - „Viele verstehen ‚Schul- und Gastro-Lockdown‘“ nicht

Freilassing zum Start des Corona-Lockdowns im Berchtesgadener Land
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Eindrücke aus Freilassing zum Start der neuen Beschränkungen.

Freilassing - Relativ unspektakulär begann der Lockdown im Berchtesgadener Land am Dienstag um Punkt 14 Uhr in der Freilassinger Fußgängerzone, bis auf drei Lokale und einen Eissalon blieben alle Geschäfte geöffnet, vereinzelte Kunden aus Salzburg hatten von einem Lockdown nichts gehört, „wenn ich das gewusst hätte wäre ich nicht gekommen“, so eine Passantin aus Salzburg vor einem Drogeriemarkt.

Die Freilassinger selbst sehen den Lockdown und die nicht geklärten Hintergründe mit gemischten Gefühlen, vor den Geschäften stehen mit den vorgeschriebenen Masken vor dem Gesicht zum Teil Inhaber und Mitarbeiter und diskutieren über den Lockdown, den vor allem Gastro-Mitarbeiter nicht nachvollziehen können, da sich ein Großteil der neuen Infektionen im privaten Feierbereich entwickelt habe, nicht nur in Anger, aber vermutlich von dort ausgehend und eben nicht von jungen Leuten.


Letzte Eiskugeln in diesem Jahr?

Eine Kellnerin in der Fußgängerzone räumt die letzten Tische vor dem Lokal leer, auch sie kann die Sperre nicht nachvollziehen, „warum gibt es Leute die jetzt unbedingt feiern müssen, ich bin jung und würde auch gerne mal wieder feiern, aber jetzt ist einfach keine Zeit zum Feiern“. Dass jetzt die Existenz ihres Arbeitsgebers und damit auch ihre wieder auf dem Spiel stehe sieht sie nicht ein, in der Gastronomie hätte sich niemand angesteckt, hier gebe es überall Hygienekonzepte.


Eindrücke aus Freilassing zu Beginn des Lockdowns

Freilassing zum Start des Corona-Lockdowns im Berchtesgadener Land
Eindrücke aus Freilassing zum Start der neuen Beschränkungen. © hud
Freilassing zum Start des Corona-Lockdowns im Berchtesgadener Land
Eindrücke aus Freilassing zum Start der neuen Beschränkungen. © hud
Freilassing zum Start des Corona-Lockdowns im Berchtesgadener Land
Eindrücke aus Freilassing zum Start der neuen Beschränkungen. © hud
Freilassing zum Start des Corona-Lockdowns im Berchtesgadener Land
Eindrücke aus Freilassing zum Start der neuen Beschränkungen. © hud
Freilassing zum Start des Corona-Lockdowns im Berchtesgadener Land
Eindrücke aus Freilassing zum Start der neuen Beschränkungen. © hud
Freilassing zum Start des Corona-Lockdowns im Berchtesgadener Land
Eindrücke aus Freilassing zum Start der neuen Beschränkungen. © hud
Freilassing zum Start des Corona-Lockdowns im Berchtesgadener Land
Eindrücke aus Freilassing zum Start der neuen Beschränkungen. © hud

Ein weiteres Lokal hatte am Dienstag erst gar nicht mehr geöffnet, der benachbarte Eissalon hatte um Punkt 14 Uhr alle Tische vor dem Salon weggeräumt und an diesem sonnig-warmen Nachmittag vermutlich die letzten Eiskugeln in diesem Jahr verkauft.

Österreichische Kunden sind in der Fußgängerzone an diesem Nachmittag wenig anzutreffen, ein Paar kommt und glaubt fest, dass sie gleich in einem Gasthof in der Hauptstraße wird essen können, von einem Lockdown hatten sie nichts gehört, „das kann nicht stimmen, wir haben ja reserviert“. Minuten später kommen sie zerknirscht zurück und nehmen die Sperre zur Kenntnis, „dann fahren wir eben nach Salzburg zurück“. Ein anderer Salzburger mit einigen Toilettenartikel in der Hand wusste auch nichts von einem Lockdown, „die Grenze ist ja offen“, eine andere Kundin war ebenfalls nicht informiert, „aber wenn ich das mit den hohen Infektionszahlen hier in Freilassing gewusst hätte wäre ich nicht gekommen“.

Landratsamt vom „Datenschutz“-Virus befallen

Tatsächlich sind die Zahlen im gesamten Landkreis hoch, ob es Cluster gibt oder ob einzelne Kommunen besonders betroffen sind gibt das Landratsamt „aus Datenschutzgründen“ nicht bekannt, wobei nicht klar ist, welche Art von Daten hier geschützt werden sollen, immerhin würde niemand nach Namen von Infizierten fragen.

Zumindest eine Tabelle mit Infizierten in Kommunen hatte das Landratsamt zwar in den vergangenen Tagen veröffentlicht, allerdings nicht mit der aktuellen Zahl an Infizierten pro Gemeinde sondern mit der Gesamtzahl der Infizierten seit Anfang März pro Kommune, also mit Zahlen mit denen man jetzt eher wenig anfangen kann. In österreichischen Medien, aber auch beim bundesdeutschen Gesundheitsminister in einem Interview besteht das Berchtesgadener Land ohnehin nur aus Berchtesgaden, also stürzten sich TV-Teams auf die Marktgemeinde unweit des Königsees, während in Freilassing nur ein österreichisches TV-Team unterwegs war und von einem Lockdown nicht wirklich viel feststellte, „was ist hier eigentlich geschlossen außer der Gastronomie und den Schulen?“ fragte denn auch der Kameramann auf der Suche nach entsprechenden Bildern für einen Lockdown.

Er kann dann zumindest noch ein geschlossenes Badylon und einen wieder einmal abgesperrten Spielplatz, sowie einen entsprechenden Hinweis an der Mittelschule filmen. Das Fazit des Kameramannes am Ende der Dreharbeiten: „Es scheint wohl ein Lockdown für Schulen und die Gastronomie zu sein“.

hud

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