U18-Ergebnis als symbolische Botschaft an Erwachsene

Unter 18-Jährige: 30 Prozent für die Grünen bei EU-Wahl

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Freilassing - Genau 159 Kinder und Jugendliche haben am Freitag „ihr EU-Parlament“ gewählt, symbolisch. Das Ergebnis überrascht dann nicht.

Vor allem dann nicht, wenn man sich nach der Wahl mit den Jugendlichen unterhalten halt, Stichwort EU-Urheberrechtsgesetz, von vielen auch als „Gesetz zur Filterpflicht für Online-Plattformen“ bezeichnet. 159 abgegebene Stimmen entsprechen in etwa 10 Prozent der Unter-18-Jährigen Einwohner Freilassings, „wir sind sehr zufrieden was die Beteiligung betrifft“, so Michael Schweiger vom Kinder und Jugendbüro der Stadt Freilassing.

Die Grünen räumten mit 29,5 Prozent bei den Jugendlichen ab, mit deutlichem Abstand landete auf Platz 2 übrigens die CDU/CSU mit knapp 19 Prozent, gefolgt von der SPD mit 10,7 Prozent.

Die Jugendlichen kamen ab 10 Uhr meist schubweise mit Schulklassen, die Lehrer hatten sie in sechs Schulstunden auf die Wahl vorbereitet, außerdem arbeiteten die Schüler vorher auch mit dem Wahl-O-Mat zur Europawahl und konnten sich hier über Parteien und deren Programme weiter informieren. „Das Interesse war schon sehr groß“, erzählte Alfons Eindorfer, der mit der 10aM und der 10bM in den Keller der Stadtbücherei kam. Schüler hätten bei einzelnen Fragen des Wahl-O-Mat nachgefragt, „zum Beispiel was der EU-Türkei- Migrations-Deal ist und vieles mehr“. Natürlich hätten die Burschen und Mädchen auch untereinander über die Parteipräferenzen diskutiert, „aber da haben wir Lehrer uns dann bewusst heraus gehalten“.

Die Wahl an sich war flugs vorbei, jeder schnappte sich einen Stimmzettel, bei drei Wahlkabinen in der Bücherei war das Kreuz schnell gemacht, Einwurf in die Wahlurne und fertig, so einfach kann eine Wahl sein, vorausgesetzt man hat sich vorher informiert.

„Sage meinen Eltern nicht, wen ich gewählt habe“

Eine der ersten Wählerinnen am Freitag war Sandra Lovric, die sich danach als Wahlhelferin zur Verfügung stellte. „Es ist die erste Wahl für mich, wenn auch meine Stimme noch nicht wirklich zählt“, erzählt die 17-Jährige. Auch sie hatte im Vorfeld das Wahl-Tool Wahl-O-Mat absolviert, dabei hatten sich zwei bestimmte Parteien deutlich herauskristallisiert, über die sie sich dann weiter informiert habe. „Es sind Parteien, die ich auch bei einer Bundestagswahl gewählt hätte“ verrät Sandra noch, mehr nicht. Auch ihren Eltern will sie nicht verraten, wen sie gewählt hat, „sie sollen unbeeinflusst zur Wahl gehen, danach können wir ja darüber reden“.

30 Prozent für die Grünen bei EU-Wahl

„Das Ergebnis ist eine Botschaft“

„Junge Menschen wurden für das Thema ‚Ich habe eine Stimme‘ sensibilisiert“, so Schweiger, aber ist das in Zeiten von Fridays for Future nicht eigentlich überholt? „Vielleicht“, meint Schweiger, „aber vielleicht ist es deshalb auch umso wichtiger“. Sozialpädagogin Katrin Fritzenwenger hatte vor der U18- Wahl alle Schulen besucht und für die Möglichkeit der Wahl geworben, zwei große Schulen hatten allerdings schon eigene Wahlen im Rahmen der „Juniorwahl“ organisiert.

Stimmberechtigt bei dieser symbolischen Wahl sind grundsätzlich alle Jugendlichen unter 18 Jahren, „aber sinnvoll ist es natürlich erst ab der 4. Klasse“. Bei einer Vorwahl im Jugendzentrum der Stadt sei das Interesse an der U18-Wahl auch schon sehr groß gewesen, „extrem spannend waren vorallem die Diskussionen unter den Jugendlichen danach, zum Beispiel über Bio- Landwirtschaft, die Russland-Sanktionen oder das EU- Türkei-Abkommen“.

Aber sind Jugendliche knapp unter 18 Jahren nicht sauer, weil sie nicht in Echt wählen dürfen? Das glaubt Fritzenwenger nicht, ihre Stimme und das Ergebnis hätte trotzdem ein Gewicht. „Bei der Landtagswahl haben bayernweit 61.000 Jugendliche mitgemacht, da ist das Ergebnis schon eine Botschaft“.

Die U18-Wahl gibt es seit 1996 und ist heute eine der größten politischen Bildungsinitiativen. Immer neun Tage vor der jeweiligen Wahl können Kinder und Jugendliche ihre Stimme symbolisch abgeben. Die U18- Wahl in der Stadt Freilassing wurde unterstützt von der VHS Rupertiwinkel, der Verein Haus der Jugend und dem Kreisjugendring Berchtesgadenerland, sowie der Stadtbücherei Freilassing und dem Jugendforum Freilassing.

hud

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