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Ehemaliges AWO-Heim wird erstes Zuhause

Thomas Richters Ukraine-Bus kommt mit 40 Flüchtlingen in Freilassing an

Thomas Richter und Bauunternehmer Max Aicher lagen sich nach der Ankunft des Busses minutenlang in den Armen.
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Thomas Richter und Bauunternehmer Max Aicher lagen sich nach der Ankunft des Busses minutenlang in den Armen.

Der BGL-Ukraine-Bus von Thomas Richter ist am Montag (7. März) um 10.45 Uhr nach rund 36 Stunden Fahr- und Stehzeit in Freilassing angekommen, erwartet von zahlreichen Helferinnen. Rund 40 Frauen und Kinder sind erleichtert ausgestiegen, Richter und seine wartenden Mitarbeiter, sowie Max Aicher lagen sich minutenlang mit Tränen in den Augen in den Armen. Die Kriegsflüchtlinge haben mittlerweile ihre Zimmer im südlichen Trakt des leer stehenden, ehemaligen AWO-Altenheimes bezogen. 

Freilassing - Mit wenigem Hab und Gut steigen die jungen Frauen und Kinder im Alter bis geschätzt 14 Jahren langsam aus dem Bus, sie machen einen erschöpften Eindruck, immerhin haben sie die letzten 36 Stunden den Bus kaum verlassen können. Kleine Kinder freuen sich endlich ein wenig herumlaufen zu können, Frauen und ältere Kinder holen Rucksäcke, Taschen und Koffer aus dem Gepäckraum des Busses. Richter selbst fällt seinen beiden Fahrern um den Hals, die ihn bei der Reise begleitet hatten, sowie zwei Mitarbeitern mit ukrainischen Wurzeln, die die Fahrt und die Aufnahme der Flüchtlinge mit organisiert hatten. 

Ukraine-Bus kommt nach 36 Stunden in Freilassing an

BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an
BGL Ukraine Bus kommt mit 40 Frauen und Kindern in Freilassing an  © Michael Hudelist

Große Hilfsbereitschaft auch in Freilassing 

Der südliche Trakt des ehemaligen Altenheimes wurde seit Freitag von rund 50 Helferinnen vorbereitet, Naciye Deng vom deutsch-türkischen Kulturverein zeigt stolz die eiligst vorbereiteten Zimmer, viele Freilassinger hatten das ganze Wochenende über Matratzen, Bettwäsche und Handtücher, aber auch Kleidung, Kinderwäsche, Windeln und Spielsachen gebracht. Die Mütter und Kinder aus der Ukraine warten geduldig im Eingangsbereich, ein Corona-Schnelltest muss erst absolviert werden. Dann werden sie von den Helferinnen in den ersten Stock zu den vorbereiteten Zimmern geführt.

„He must fight“, Paolo über seinen Vater

Der 11-jährige Paolo aus dem Raum Kiew hat in der Schule schon ein wenig Englisch gelernt, er erzählt, dass seine Mutter, er und seine Schwester seit rund einer Woche unterwegs sind. Ihnen angeschlossen hat sich seine Tante, ebenfalls mit zwei kleinen Kindern. Sein Vater ist in der Ukraine, „he must fight“, er muss kämpfen, wie alle wehrfähigen Männer, außer sie sind krank oder haben mindestens drei Kinder, dann brauchen sie aber entsprechende Bestätigungen. Zwei Väter mit drei Kindern waren sogar im BGL-Ukraine-Bus, mussten an der ukrainischen Grenze aber aussteigen weil sie keine entsprechenden Formulare bei sich hatten. Paolo weiß nicht, wie lange er in Freilassing bleibt, „but I want to go to school“, er will auf alle Fälle wieder in die Schule gehen. 

Max Aicher hat spontan Unterkünfte angeboten

Dafür, dass Paolo und die anderen Kinder möglichst bald wieder in die Schule gehen können, wird auch Bauunternehmer Max Aicher sorgen, der sich schon im Rahmen der Fluchtbewegung 2015 für Flüchtlinge aller Nationen eingesetzt hat. „Wir haben schon zwei Lehrerinnen eingestellt, die mit den Menschen Deutsch lernen werden“, so Aicher, der ebenfalls am Parkplatz vor der ehemaligen Arbeiterwohlfahrt ungeduldig auf die Ankunft des Flüchtlingsbusses wartete. Er wusste vorab nichts von Richters Reise in die Ukraine, „in der Zeitung habe ich dann gelesen, dass Thomas Richter rund 40 Frauen und Kinder an Bord hat und für sie in Freilassing eine Unterkunft sucht“. Da habe er spontan das seit einem Jahr leer stehende Gebäude in der Reichenhaller Straße in unmittelbarer Nachbarschaft zu seiner Firmenzentrale angeboten. Er will die Unterkunft ohne Zeitbegrenzung zur Verfügung stellen, „drei Jahre dürfen die Ukrainer ja erst einmal in Deutschland bleiben“, abgestimmt mit dem Landratsamt hätte er sich nicht, er habe die Zimmer direkt Thomas Richter angeboten, bis zu 130 Personen hätten Platz. 

Ukrainer wollten Freunde rausholen

Richter ist auch nach der Ankunft emsig, er hilft beim Auspacken, schaut sich im Haus die Zimmer an und fährt dann eine kleine Gruppe von Flüchtlingen nach Saaldorf-Surheim, wo sie privat bei Bekannten unterkommen. Seine mitfahrenden Buslenker, der aus Schottland kommende James Good und Christian Wenger, lassen die abenteuerliche Reise unterdessen Revue passieren. „Zwei Hogger-Mitarbeiter, die ursprünglich aus der Ukraine kommen, wollten Freunde und Bekannte aus dem Kriegsgebiet holen“, Richter habe sofort die Initiative ergriffen und gemeint, man könnte auf der Hinfahrt Spenden mitnehmen und auf der Rückfahrt dann die rund 20 Personen. Schon die Einreise in die Ukraine sei problematisch gewesen, es sei eben ein Kriegsgebiet. Im Bereich Lemberg sollten dann die ausgewählten Familien zusteigen, doch alles verzögerte sich, auch wegen fehlender Internetverbindungen und schlechter Telefonverbindungen. „Eigentlich sollte nur jeder zweite Platz im Bus besetzt werden, damit die Frauen und Kinder auch schlafen können, aber Richter habe immer wieder am Straßenrand wartende Frauen mit Kindern, auch eine stillende Mutter einsteigen lassen, bis der Bus eben voll war“. 

24 Stunden Warten an der Grenze

Die Rückfahrt nach Polen sei dann mehr als strapaziös gewesen, auf einer Art Autobahn waren zwei Spuren mit stehenden und stehen gelassenen Pkw besetzt, Busse und Hilfs-Lkw durften auf der Gegenfahrbahn nach vorne fahren, stauten sich aber naturgemäß auch irgendwann. „Also vor der Grenze waren sicher 50 Reisebusse vor uns, alle aus Polen oder der Ukraine“, die Grenzabfertigung habe auch deshalb so lang gedauert weil mal die ukrainische Seite nicht abfertigte und dann die polnische Seite wieder für ein Stunden niemanden einreisen ließ. Würden die Beiden noch einmal in die Ukraine fahren und Flüchtlinge holen? „Ich auf alle Fälle“, so Good, Wenger ist schon etwas zurückhaltender, „man weiß ja nicht wo der Putin aufschlägt“. 

Die Frauen und Kinder werden jetzt erst einmal weiter von zahlreichen Helferinnen betreut, warme Suppen und Nudeln waren schon vorbereitet, am Nachmittag werden die jungen Familien vermutlich erst einmal ruhen und schlafen, nicht ohne zwischendurch immer wieder mit den zurückgebliebenen Ehemännern und Papas zu telefonieren. 

Michael Hudelist

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