Stadtrat in Freilassing streitet über Steinfläche

Klimaschutz oder Kasperltheater?

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Anlass des Streits: Die neue Schotterfläche an der Haupstraße in Freilassing

Freilassing - Erneut Streit im Freilassinger Stadtrat: Die neugestaltete Fläche an der Hauptstraße von 70 m² Größe wurde nun mit Schotter überzogen.  Die Grünen-Fraktion stellte nun den Antrag auf Rückbau der Fläche.

Diskussion ist "hochgepusht"

Eine 70 m² große, ehemalige „Grünfläche“ am Ende der Fußgängerzone in der Hauptstraße beschäftigte am Montagabend erneut den Stadtrat. Wie berichtet, war im Juli eine Hecke beseitigt und durch große Steine und Schotter ersetzt worden. Die Grünen forderten jetzt: Steine weg, Grün wieder her, denn die Stadt habe eine Vorbildfunktion beim Artenschutz. Fritz Braun als Fraktionsloser Stadtrat outete sich als Bewunderer der Steinfläche und fand die Diskussion „hochgepusht“, überhaupt müsse man nicht immer „dem Klimawandel nachjagen“. Stadtgärtner hätten hier Mut bewiesen und etwas Neues kreiert, „Gratulation an den Bauhof“.

Auf der Fläche kann nichts wachsen

Robert Drechsler beantwortete den Antrag der Grünen im Stadtrat und meinte, dass die frühere Hecke von mehreren Seiten kritisiert worden sei. Der Bauhof sah hier eine Möglichkeit, „auf einfachem und kurzem Weg eine optische Verbesserung zu erreichen“. Zwei Stadtgärtner sollen dann den Auftrag bekommen haben, sich etwas einfallen zu lassen, und ihre Idee war zusammengefasst: Hecke weg und Steine her. In diesem 70 m² großen Bereich sei ein Brunnenschacht mit einem Durchmesser von rund drei Metern und einer entsprechenden Betonabdeckung, „auf der eben nichts wachsen kann“. Daher haben die Gärtner den Boden um den Schacht abgezogen, eine Schicht Humus aufgebracht und dann eben mit Steinen abgedeckt. „Dies rief in Teilen der Bevölkerung großen Unmut hervor, wohl auch wegen des überraschend andersartigen und ungewohnten Erscheinungsbildes“, so Drechsler.

„Dummheit oder Provokation“

Die Grünen blieben bei ihrer Kritik, zudem seien auch Kommunen verpflichtet sich um Grünflächen und Artenschutz zu kümmern. „Die Stadt hat eine Vorbildfunktion, wenn wir mit Steinen daherkommen gibt es bald mehr ‚Gärten der Grausamkeiten‘“, befürchtet die Grüne-Stadträtin Edeltraud Rilling. Ihr Parteikollege Wolfgang Hartmann legte nach, „genau in der Woche, in der im Bayerischen Landtag der Artenschutz beschlossen wurde hat die Stadt die Steine hingeworfen“. Für ihn ist das „entweder eine Dummheit oder eine Provokation“. Die Frage, was denn die Steinwiese gekostet hat beantwortete Drechsler nur auf neuerliche Nachfrage, so hätten die Steine 483 Euro gekostet, der Personaleinsatz rund 2200 Euro. Ein Rückbau wurde mit neuen Pflanzen auf rund 1500 bis 2000 Euro kommen, „würde man also die Steine wieder entfernen und den Platz neu gestalten würde man sich dem Vorwurf der Steuergeldverschwendung aussetzen“, meinte Drechsler, und überhaupt, den Platz so zu gestalten, dass er allen gefalle sei ohnehin nicht möglich.

Vorwurf der Steuergeldverschwendung ist "unverschämt"

Hartmann wiederum verschwendete keine Zeit um auf den Vorwurf der Steuergeldverschwendung erbost zu reagieren, „es ist unverschämt uns das vorzuwerfen, es wäre keine Verschwendung, wenn man es gleich richtig gemacht hätte“. CSU-Stadtrat Max Standl brachte die Mehrheitsstimmung auf den Punkt, „zwei junge Gärtner wollten sich da verwirklichen, und jetzt der Streit wegen 70 m²? Das ist ein Kasperltheater“.

Eine Mehrheit des Stadtrates lehnte einen Rückbau ab, die Steine bleiben also und kleine Pflanzen und Sträucher haben weiter Zeit, über die Steine zu wachsen. Bürgermeister Josef Flatscher fühlte sich bestätigt, er meinte schon vor der Abstimmung durchaus doppeldeutig, „und jetzt lassen wir Gras über die Sache wachsen“.

hud

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