Gestylte Sitzbänke oder selbst basteln?

Stadt Freilassing kauft für 150.000 Euro neues Innenstadt-Mobiliar

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Die Sitzbänke in der Fußgängerzone sind zu unterschiedlich und erzeugten ein „unruhiges Bild“ der Einkaufsstraße, so die Stadtverwaltung.

Freilassing - Wie und wie lange soll die Fußgängerzone beleuchtet sein? Welche Bänke, welche Abfalleimer und welche Fahrradständer sollen gekauft werden? Darüber diskutieren die Stadträte am Montagabend voller Leidenschaft, immerhin soll damit die Hauptstraße attraktiver werden und wieder mehr Kunden anziehen.

Verschiedene Meinungen gab es auch zu einem Gestaltungshandbuch, dass auch den Geschäften eine gewisse Einheitlichkeit schmackhaft machen will, also zum Beispiel die Farbe der Markisen, die Auslagen oder die Tische vor Cafés und Lokalen.


Wenn eine Familie neue Gartenmöbel will blättert sie möglicherweise am Abend in einem IKEA-Katalog, ähnlich mutete auch die Präsentation von Jan-Michael Schmiz von der Verwaltung an, der den Stadträten verschiedene Varianten von Sitzbänken, Abfalleimern und Fahrradständern zeigte. „Hier ist das Modell Binga, ein Modell das verschiedene Lösungen anbietet und in zahlreichen Ausführungen zu haben ist, sowie hier das Modell Wanda für Fahrradständer“. 1300 bis 1800 Euro kostet eine Bank, ein gestylter Mülleimer ist für rund 800 Euro zu haben, Fahrradständer kosten bis zu 2500 Euro. „Wir können uns auch unterschiedliche Varianten für die Innenstadt und den Außenbereich vorstellen“, so Schmiz. Rund 150.000 Euro will die Stadt für die die neuen Fußgänger-Möbel ausgeben, die zuerst in der Hauptstraße, also der Fußgängerzone, und später auch in der Lindenstraße und in der Jahnstraße aufgestellt werden sollen, die Stadträte votierten einstimmig dafür.

Parkbänke selbst basteln?

Doch nicht nur das Aussehen der verschiedenen Modelle beschäftige die Räte, Edeltraud Rilling fragte sich und die Verwaltung, ob es denn tatsächlich Tropenholz sein muss. „Es wird doch auch in Deutschland gute Hölzer geben, oder wir kaufen die Modelle ohne Holz und bauen das dann selbst“. Das ginge aus rechtlichen und Haftungstechnischen Gründen nicht, blockte Schmiz die Idee ab. „Auch so genannte heimische Hölzer kommen in Wirklichkeit aus Russland, denn Holz aus Deutschland könne man sich nicht leisten“. Florian Löw von den Freien Wählern entdeckte sein Herz für die Freilassinger Wirtschaft, „warum gibt man den Auftrag nicht an eine heimische Schlosserei, die können das sicher auch“. Am Ende folgte der Stadtrat doch einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung, „eine einheitliche Modellfamilie für die Stadtmöblierung“ anzuschaffen.


Zwei Details noch am Rande

Max Standl (CSU) hatte Bedenken wegen des Gestaltungshandbuches, nicht alle Geschäfte könnten plötzlich die gleichen Markisen oder Schirme haben, „die haben schon genug andere Probleme“. Bürgermeister Josef Flatscher wiederholte, dass im Handbuch nur Empfehlungen enthalten seien, die zum Beispiel jemand beachten sollte, wenn er eine städtische Förderung will. Um vom Licht irritierte Insekten kümmerte sich dann noch, nein, nicht die Grünen, sondern der Fraktionslose Stadtrat Fritz Braun. Ein Radiobeitrag hatte ihn wachgerüttelt, nun regte er an, dass die neue Innenstadt-Beleuchtung nur mehr bis 23 Uhr leuchten sollte, „um die Insekten nicht zu gefährden“.

Michael Hudelist

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