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Beheiztes Freibad ohne Beheizung

250.000 Euro für neuen Brenner, Eigenbau-Düsen oder doch andere Lösung?

Freibad Freilassing
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Auch an Regentagen kommen Sportschwimmer ins Freibad, sie werden in diesem Sommer mit einer geringeren Wohlfühltemperatur im Wasser auskommen müssen.

Außen 20 Zentimeter Neuschnee und Temperaturen um 0 Grad, innen im Rathaussaal ging’s um das hochsommerliche Thema, ob das Wasser in den Freibadbecken in Zukunft weiterhin beheizt wird oder nicht? Der Gasbrenner ist defekt, die Herstellerfirma gibt es nicht mehr, jetzt müsste rund 250.000 Euro in einen neuen Gasbrenner oder Alternativen gesteckt werden oder aber dem Badegast eine geringere Wassertemperatur zugemutet werden. Der Stadtrat schwankte zwischen „auf keinen Fall eine neue Heizung“ bis zu „defekte Düsen müssten doch nachgebaut werden können“. Die Entscheidung am Ende war sozusagen eine überraschende, „kalte Dusche“.

Freilassing - Die Frage, ob ein Freibad immer warmes Wasser bieten müsse hatte den Stadtrat 2007 schon einmal beschäftigt, als er mehrheitlich ein Naturbad in Brodhausen wollte, also ohne beheiztes Wasser. Ein Bürgerentscheid zwang die Stadt wie bekannt das Wasser weiter zu heizen, dies geschieht seither mit Solarzellen am Dach und mit einem Gasbrenner, der an kalten Tagen oder zu Beginn der Saison das Wasser auf bis zu 25 Grad erwärmt.

„Das Ding fliegt uns in die Luft“

Jetzt ist der Gasbrenner „hinüber“, und der Leiter der städtischen Bäder, Boris Tempelin, schilderte leidenschaftlich, dass eine Reparatur des alten Brenners nicht möglich sei, die Herstellerfirma sei pleite und die Heizfirma, die 2020 den Brenner noch einmal in Betrieb nahm schwor: „Wir fassen das Ding nie wieder an“. Das bedeutet, niemand würde mehr die Garantie und die Verantwortung übernehmen.

Stadtrat Max Standl (CSU) wollte aber dennoch wissen, ob der Brenner denn in diesem Sommer noch funktionieren würde? „Wir können ihn einschalten, aber ob uns das Ding dann in die Luft fliegt oder nicht wissen wir nicht“, antwortete Tempelin so dramatisch, dass anschließend niemand mehr eine Inbetriebnahme ins Spiel brachte. „Das ist ein heißes Thema“, so der Betriebsleiter, aber eben ohne Hitze für die Becken. Seiner Erfahrung nach kommen die meisten Badegäste ohnehin bei warmen, sonnigen Wetter, und dann würden die Solarzellen für warmes Wasser in den Becken ausreichen, der Gasbrenner ist nur eine Art Stützheizung, also wenn es zu Saisonbeginn noch kalt ist oder eben Regenperioden im Sommer das Wasser abkühlen.

Also was tun? Ein Ingenieurbüro hatte zig Alternativen berechnet, die vom Anmieten eines Gaskessels über eine Pelletsheizung bis zum Anschließen an das städtische Fernwärmenetz reichten. Doch das Büro hätte sich all die Mühe und die Stadt die Kosten sparen können, denn die Diskussion der Stadträte brachte eine Überraschung.

250.000 Euro für viereinhalb Monate Sommer

Denn schon Wolfgang Hartmann von den Grünen war strikt gegen eine neuerliche Investition, „die Verschuldung der Stadt wird auch wegen der notwendigen Kinderbetreuung in den nächsten Jahren einen noch nie dagewesenen Stand erreichen“, außerdem habe sich wieder einmal gezeigt, dass die Stadt beim Bau den Billigst-Anbieter genommen habe und danach mit hohen Folgekosten zu kämpfen hätte. Jetzt bis zu 250.000 Euro in einen reinen Saisonbetrieb zu stecken sei nicht machbar. „Wir müssen von einem gewissen Wohlfühlfaktor Abstand nehmen, also es kann nicht bei jeder Außentemperatur die gleich hohe Wassertemperatur geben“, so Hartmann. SPD-Stadtrat Helmut Fürle war da ganz anderer Meinung, das Freibad in Brodhausen ist für ihn „das schönste Freibad in Oberbayern, aber wenn wir es nicht beheizen dann können wir es gleich aufgeben“.

Stadtrat-Neuling mit Coup

Lukas Maushammer von den Grünen fand überraschend eine pragmatische Lösung: „Warum sammeln wir nicht Erfahrungen mit ein, zwei Jahren ohne Beheizung und dann schauen wir, wie die Besucher reagieren“. Nur für einige Schlechtwetter-Tage einen sechsstelligen Betrag auszugeben erschien auch ihm nicht ratsam. Daniel Längst von den Freien Wählern schloss sich prompt an, „das Freibad ohne Heizung zu fahren wäre okay, wir haben ja noch das Badylon“. Längst trieb eher die Sorge um, das Badylon könnte aus Kostengründen nicht mehr geöffnet werden.

Auch Bürgermeister Markus Hiebl fand die Idee mit dem Probejahr ohne Heizung schließlich „charmant, aber dann haben wir halt kein beheiztes Freibad mehr oder müssen ‚beheizt‘ in Anführungsstriche setzen“. Am Ende stimmte der Stadtrat mit sieben Gegenstimmen, unter anderem die des Bürgermeisters, dafür, es im Sommer 2021 ohne Zusatzheizung zu versuchen.

hud

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