Stadtentwicklungsbeirat nimmt seine Arbeit auf

„Freilassing hat Schlüsselfunktion und wird weiter wachsen müssen“

Stadtentwicklung Beirat Freilassing
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22 Mitglieder eines neuen Stadtentwicklungsbeirates, darunter neun Politiker, werden dem Stadtrat ihre Ideen und Wünsche präsentieren, in welche Richtung sich Freilassing entwickeln soll.

Freilassing - „Freilassing hat eine Schlüsselfunktion im Landkreis, die Stadt wird weiter wachsen müssen, um auch den Unternehmen weiterhin Arbeitskräfte zur Verfügung stellen zu können“. Das ist die Kernaussage einer Sozialraumanalyse, die Prof. Herbert Tekles für die Stadt erstellt hat.

Vor allem die Gruppe der ganz Jungen und der Älteren wird in den nächsten Jahrzehnten deutlich wachsen, das bedeutet, dass die Stadt neben mehr Kindergartenplätzen auch mehr stationäre Pflegeplätze wird bereitstellen müssen. Freilassings Bürgermeister Markus Hiebl sieht die Pläne für die Zukunft der Stadt auch durch den neuen Stadtentwicklungsbeirat gestärkt, der am späten Freitagnachmittag seine Arbeit aufnahm.


Die 22 Mitglieder des Beirates, davon neun gewählte Politiker, diskutieren unter anderem den Ausbau der Grundschule, das geplante Bildungszentrum auf dem Areal der ehemaligen Rauchegger-Tankstelle am Bahnhof, sowie den Aufbau einer Nord-Südachse für den Radverkehr.

Dass der Beirat nur ein zahnloses Gremium wird, weil er nur Empfehlungen aussprechen kann, glaubt Hiebl indes nicht, „der Stadtrat wird seine Lehren aus den Empfehlungen ziehen und alle Vorschläge verarbeiten, aber klar ist, der Stadtrat hat das Zepter in der Hand“, so Hiebl im Vorfeld der ersten Marathon-Sitzung.


In seiner Begrüßung meinte ein sichtlich gut gelaunter Bürgermeister, „auch wenn heute Freitag, der 13., ist, kann dieser Start der Bürgerbeteiligung doch ein Glückstag für Freilassing werden“.

Grundlage für alle Beratungen zur Stadtentwicklung und der Frage, ob und wenn ja wie schnell die Stadt Freilassing wachsen soll, bildet eine extra für die Stadt erstellte Sozialraumanalyse. Prof. Herbert Tekles zeigt darin vor allem demografische „Verwerfungen“ auf, „die Zahl der Jüngeren wird stark zunehmen, also bis zum 10. Lebensjahr, die Zahl der Älteren wird sogar massiv zunehmen“, die Altersgruppen dazwischen landen in einer Delle, werden also weniger. „Daraus folgt für die Stadt, dass sie massiv in den Bau von Kindergärten und Schulen, aber auch in stationäre Pflegeplätze wird investieren müssen“, so Tekles. Viele der jetzt noch Berufstätigen würden in den nächsten Jahren in das Rentnerdasein wechseln, „das bedeutet, dass der Wirtschaft dann massiv Arbeitskräfte fehlen werden“.

Familien und damit auch neue Arbeitskräfte würden aber nur nach Freilassing kommen, wenn sie hier Wohnungen und eine entsprechende Infrastruktur vorfinden, wie zum Beispiel Kindergärten und Schulen.

Bei der Bevölkerungsstruktur zeigt sich jetzt schon, dass „nur“ mehr rund 57 Prozent der Bewohner „Deutsche ohne Migrationshintergrund“ sind, das sind 9915 von insgesamt 17.368. Es folgen auf Platz 2 Österreicher mit 13,7 Prozent oder in absoluten Zahlen 2.384 und auf dem 3. Platz EU-Osteuropäer mit 8 Prozent oder 1.395, „damit sind vor allem Rumänen, Kroaten oder Polen gemeint, die im Alltag auch nicht weiter auffallen, weil sie alle in der Arbeit sind“, so der Sozialforscher.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass der größte Teil am Zuzug auf Deutsche ohne Migrationshintergrund entfällt (38,2 Prozent), gefolgt von EU-Osteuropäern (21,3 Prozent) und trotz Grenzkontrollen seit 2015 nach wie vor von Österreichern mit 14,7 Prozent. Flüchtlinge spielen in Freilassing mit einem Anteil von 2,7 Prozent oder 467 Personen im Vergleich zur Größe der Stadt keine große Rolle, „vergleichbare Städte haben da einen Anteil von 5 bis 10 Prozent“.

hud

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